Rennanalyse: Das Eichhörnchen der Saison - DER SPIEGEL
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Rennanalyse Das Eichhörnchen der Saison

Während die Schumachers das Formel-1-Rennen in Japan dominierten, scheiterten Juan-Pablo Montoya und Takuma Sato mal wieder an sich selbst. Ein besonderer Ehrentitel geht dagegen an Sauber-Pilot Giancarlo Fisichella.
Von Jörg Schallenberg
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Würde man über den Grand Prix von Suzuka einen Spielfilm drehen, dann müsste der Titel wohl "The return of the fabulous Schumacher brothers" lauten. Denn vor zwei Wochen in Shanghai hatten Ralf und Michael noch einen rabenschwarzen Tag erwischt und für die Familienwertung genau null Punkte eingefahren. In Japan dagegen schafften sie mit 18 Zählern die höchstmögliche Wertung. Während der sechste Sieg in Suzuka für Michael Schumacher wenig mehr war als eine Pflichtübung, dürfte der zweite Platz für Ralf wohl richtungsweisend sein.

Dessen Ruf war nach der Weigerung, das Rennen in China trotz fahrtüchtigen Untersatzes wieder aufzunehmen, arg ramponiert. Doch dann raste er im Qualifying auf Platz 2 und - was sicher die größere Überraschung war - verteidigte diesen Rang souverän gegen Jenson Button, dessen B.A.R-Honda in dieser Saison gegenüber den BMW-Williams bislang fast immer überlegen war.

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GP von Japan: Triumph der Schumachers

Foto: DPA

Ralf Schumachers würdiger Abgang vom blau-weißen Team ist also gesichert. Und die einzigen, die sich darüber nicht gefreut haben, dürften die knapp 150.000 japanischen Zuschauer an der Strecke gewesen sein, die es in ihrer Begeisterung durchaus mit den iranischen Fans beim Fußball-Länderspiel in Teheran aufnehmen konnten. Schließlich versperrte Ralf Schumacher dem Lokalmatador Takuma Sato den Weg aufs Treppchen - doch der Japaner, der von Platz drei ins Rennen gegangen war, scheiterte an seiner eigenen, zu ungeduldigen Taktik.

Während Sato dreimal an die Box fuhr, um zwischendurch mit einem leichten Wagen richtig Gas geben zu können, beschränkte sich Teamkollege Jenson Button auf zwei Stopps - und verlor dadurch weniger Zeit auf der Piste, weil er nicht hinter langsameren Konkurrenten herzockeln musste, die ebenfalls nur zweimal tanken wollten. Ergebnis: Button stand wie meistens in diesem Jahr auf dem Siegerpodest, und Sato musste traurig von unten zuschauen.

Ein wenig erinnert die Situation bei B.A.R-Honda an Ferrari: Auch Michael Schumacher und Rubens Barrichello wählen mitunter verschiedene Strategien - und fast immer liegt dann am Ende der ewige Weltmeister vorn. Zudem dürfte der Unterschied auch in Sachen fahrerischer Qualität zwischen Button und Sato ähnlich deutlich sein wie zwischen Michael Schumacher und Barrichello.

So gesehen darf man sich bei BMW-Williams schon auf den jungen Briten freuen - wenn er denn nach Entzifferung des Kleingedruckten und der endgültigen Interpretation diverser Vertragsklauseln tatsächlich zur nächsten Saison kommen sollte. Den Abgang von Juan-Pablo Montoya wird man nach seinen glücklosen Auftritten in dieser Saison wohl leicht verschmerzen - auch in Suzuka bremste er sich in einem spannenden Vierkampf mit Barrichello, Jarno Trulli (bei dessen Debüt im Toyota) und Giancarlo Fisichella im Sauber-Petronas wieder einmal selber aus und schaffte am Ende nur deshalb einen siebten Platz, weil Barrichello und David Coulthard im McLaren-Mercedes nach einer Kollision aufgeben mussten.

Womit sich auch in Japan die Leidensgeschichte der Silberpfeile fortsetzte, die dank Ralf Schumachers Glanzvorstellung kaum noch eine Chance haben, wenigstens das Prestigeduell in der Konstrukteurswertung gegen BMW-Williams für sich zu entscheiden. Aus irgendeinem Grunde befallen manchen Beobachter auch leise Zweifel, ob sich mit Juan-Pablo Montoya am Steuer irgend etwas an der Misere ändern wird. Warum sollte der Kolumbianer seinen notorischen Übereifer in den Griff bekommen, wenn er sich bei einem neuen Arbeitgeber beweisen muss? Zumal Kimi Räikkönen bislang als Nummer eins bei McLaren-Mercedes gesetzt ist.

Wenn vor dem Saison-Abschluss in Brasilien schon so ziemlich alle Titel und Plätze vergeben sind, dann gilt das spätestens seit Suzuka auch für die neu geschaffene Ehren-Kategorie "Eichhörnchen des Jahres": Zum wiederholten Mal mogelte sich Giancarlo Fisichella irgendwie noch gerade so in die Punkteränge - was ihm die Möglichkeit beschert, in zwei Wochen in Sao Paulo sogar noch an David Coulthard in der Fahrerwertung vorbei zu ziehen, der nur noch zwei Zähler vor ihm liegt. Fisichella sollte allerdings nicht versuchen, den Schotten auf der Piste zu überholen.

Denn ein solch anmaßendes Vorhaben endete für Ralf Schumacher und Rubens Barrichello zuletzt mit leicht verbogenen Autos in der Box. Da ist es besser, man wartet einfach in sicherer Entfernung ab: Irgendwann, das lehrt die Erfahrung, verabschiedet sich der eine oder andere Rennwagen in silber schon von ganz alleine. Was das betrifft, bleibt McLaren-Mercedes zumindest zuverlässig.

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