Rennanalyse: Ferraris Fehlkalkulation - DER SPIEGEL
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Rennanalyse Ferraris Fehlkalkulation

Der geplante Befreiungsschlag von Ferrari geriet in der Wüstenhitze von Bahrein zum völligen Flop - der beweist, wie nervös die Scuderia geworden ist. Einziger Lichtblick: Die Geschwindigkeit beim neuen Rennauto Michael Schumachers stimmt. Der Rest aber nicht.
Von Jörg Schallenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zwölf Runden lang sah es so aus, als könnte der Grand Prix von Bahrein die Wende der Saison 2005 bringen - oder zumindest einen großen Zweikampf um den Titel einläuten. Da raste Weltmeister Michael Schumacher Reifen an Reifen mit Spitzenreiter Fernando Alonso über den Wüsten-Parcours hinweg und hielt mühelos das Tempo der zuletzt doch so überlegenen Renault mit. Kein Vergleich zum Rennen in Malaysia vor zwei Wochen, als die beiden Wagen in verschiedenen Klassen zu fahren schienen.

Zwölf Runden lang schien ein altbekanntes Drama seinen Lauf zu nehmen: Ferrari steht unter Druck, muss Hohn und Spott einstecken - und kontert dann mit einer Geschwindigkeit, die allen anderen den Mund offen stehen lässt. Doch als Michael Schumacher dann in Runde 13 erst in die Auslaufzone rutschte, dann mit der Rasanz eines VW Käfer über die Piste zuckelte und den nagelneuen Ferrari F2005 in der Garage abstellte, da spätestens war klar, dass in dieser Saison einiges ganz anders laufen wird als in den vergangenen fünf Jahren.

Was wie ein Triumphzug begann, endete in der Erkenntnis, dass man sich bei der Scuderia gründlich verkalkuliert hat und in der nun einsetzenden Hektik nicht in der Lage ist, ein technisch zuverlässiges Auto an den Start zu bringen. Der grundlegende Fehler besteht allerdings darin, dass sich Michael Schumacher, Jean Todt & Co. viel zu sehr darauf verlassen haben, mit dem alten F2004 ein paar Rennen lang zumindest im Bereich der Plätze drei bis fünf sicher mitfahren zu können. Doch diese Hoffnung machte der exklusive Reifenlieferant Bridgestone zunichte, der sich, wie fast jedes Jahr, eine kreative Krise genehmigte und wieder einmal einen Riesenvorsprung der Konkurrenz von Michelin aufholen muss.

Nicht unbedingt glauben sollte man die Erklärung von Michael Schumacher, dass ein paar herumfliegende Karosserieteile die Hydraulik seines F2005 beschädigt haben. Die Getriebepanne bei Teamkollege Rubens Barrichello im Training sowie dessen unübersehbaren technischen Probleme zum Ende des Rennens hin deuten auf grundlegende Schwierigkeiten hin. Was wenig verwundert: Es gab natürlich gute Gründe, dass Ferrari, also jenes Team, das so exakt plant wie kaum ein anderes, den neuen Wagen eigentlich frühestens in drei Wochen in Imola an den Start schicken wollte. Der Schnellschuss in Bahrein hat sich nun als eine Art Verzweiflungsfahrt herausgestellt, die deutlich macht, wie nervös man beim bisherigen Überflieger-Rennstall geworden ist. Einziger Lichtblick aus Sicht der Ferraristi: Wenn der F2005 rund läuft, scheint er tatsächlich das einzige Auto im Feld zu sein, das Renault Paroli bieten kann.

Doch dann ist es möglicherweise bereits zu spät. Fernando Alonso fuhr in Bahrein erneut einen dermaßen souveränen Sieg heraus, wie man es in den vergangenen Jahren eigentlich nur von Michael Schumacher kannte. Dass er bei seinem Alleingang von den diversen technischen Pannen, spannenden Zweikämpfen und zahlreichen Ausrutschern der Konkurrenz profitierte, schmälert die Leistung des Spaniers nicht.

Als einigermaßen sensationell darf man inzwischen die durchgehend hervorragenden Leistungen von Toyota bewerten, die nach den Plätzen zwei und vier für Jarno Trulli und Ralf Schumacher in der Konstrukteurswertung da liegen, wo sie vor der Saison niemand vermutet hätte: Mit 25 Punkten auf Rang zwei. Einziger Wermutstropfen aus deutscher Sicht: Ralf Schumacher kommt an die Leistungen von Jarno Trulli momentan nicht heran.

Immerhin auf den dritten Platz in der Teamwertung haben sich die McLaren-Mercedes vorgeschoben, die in Bahrein ein kleines Comeback feierten. Beeindruckender noch als der dritte Platz von Kimi Räikkönen wirkte das mutige Auftreten von Ersatzfahrer Pedro de la Rosa, der sich in einem beinharten Duell gegen BMW-Williams-Pilot Mark Webber durchsetzte und Platz fünf ergatterte. Wozu eigentlich, mag sich da ganz heimlich mancher bei McLaren-Mercedes überlegen, haben wir soviel Geld für Juan-Pablo Montoya ausgegeben? Wichtiger aber ist die Erkenntnis, dass beide Silberpfeile endlich einmal pannenfrei blieben, während angesichts der mörderischen Wüstenhitze anderswo Motoren und Bremsscheiben reichlich Rauchzeichen sendeten.

Das betraf neben Ferrari und dem erneuten Totalausfall BAR-Honda insbesondere Red Bull Racing, die nach den guten Ergebnissen zu Saisonbeginn den ersten Rückschlag hinnehmen mussten - und natürlich Nick Heidfeld im BMW-Williams. Den kleinen Mönchengladbacher dürften aber mehr noch als sein Ausfall die öffentlichen Überlegungen von Teamchef Frank Williams stören. Der eigensinnige Brite spekulierte am Wochenende darüber, ob er nicht seinen Landsmann Jenson Button von BAR-Honda abwerben und Heidfeld dafür an ein anderes Team ausleihen sollte. Angesichts der Leistungen des Deutschen, der seinem an Nummer eins gesetzten Teamkollegen Mark Webber vollkommen ebenbürtig ist und in Malaysia den dritten Rang belegte, muss man das wirklich nicht verstehen.

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