Rennanalyse Willkommen im Mittelmaß
So viele Sieger wie beim Großen Preis von Monaco gab es lange nicht in der Formel 1. Der größte Gewinner darunter hatte dabei am allerwenigsten mit dem dramatischen Rennen zu tun - weil Kimi Räikkönen von Beginn an in einer eigenen Klasse fuhr und das Feld 78 Runden lang in sicherem Abstand hielt.
Nachdem der Finne nun im zweiten Rennen in Folge sowohl das Qualifying wie auch das Rennen souverän dominiert hat, ist er trotz 22 Punkten Rückstand auf WM-Spitzenreiter Fernando Alonso nun der zweite heiße Titelkandidat in dieser Saison. Mehr noch: Die Art und Weise, in der Räikkönen im nunmehr technisch ausgereiften McLaren-Mercedes seine Erfolge herausfährt, erinnert verblüffend an Michael Schumacher - in der vergangenen Saison, wohlgemerkt.
GP von Monaco: Stars und Sternenkrieger im Fürstentum
Fast genauso sensationell wie Räikkönens Alleingänge war allerdings der zweite Platz von Nick Heidfeld. Lange Jahre galt der Deutsche als ewiges Talent, dem womöglich trotz bester Voraussetzungen ein ähnlich unglücklicher Karriereverlauf drohte wie Heinz-Harald Frentzen. Doch nachdem Heidfeld vor der Saison in einem beinahe entwürdigenden Ausscheidungskampf gegen den Brasilianer Antonio Pizzonia Nervenstärke bewies, attackiert er nun sogar Mark Webber als gesetzte Nummer Eins bei BMW-Williams. Mit seinem so gewitzten wie überlegten Überholmanöver in der Hafenschikane sorgte Heidfeld zudem für eine der schönsten Formel-1-Szenen dieses Jahres.
Weitere Gewinner sind natürlich Juan-Pablo Montoya im McLaren-Mercedes und Ralf Schumacher (Toyota), die sich nach ihren Patzern im Training aus den letzten beiden Startreihen auf die Plätze 5 und 6 vorschlängelten. Am überraschendsten aber war an diesem bemerkenswerten Rennsonntag das Comeback des Rennkurses von Monte Carlo.
Immer wieder hatten Fahrer und Kommentatoren in den vergangenen Jahren die Strecke kritisiert - wegen mangelnder Sicherheit und weil dort auf Grund der engen Piste so gut wie gar keine Überholmanöver mehr möglich waren. Für Spannung sorgten meist nur noch spektakuläre Unfälle, der Glanz des legendären Jetset-Rennens blätterte merklich ab.
Doch die neuen Beschränkungen in Sachen Motoren und Reifen führen nun zu vorher nahezu ausgeschlossenen Leistungsschwankungen - und damit fast automatisch zu dramatischen Verfolgungsjagden und packenden Kurvenduellen selbst in der engen Spitzkehre von Monaco, um die alle Fahrer sonst brav hintereinander mit 60 Stundenkilometern herumtrödeln.
Zu den Verlierern dieser neu gewonnenen Spannung gehörte in Monte Carlo vor allem Fernando Alonso, dessen Reifen im Verlauf des Rennens derart nachließen, dass er beide BMW-Williams passieren lassen mußte und erstmals in diesem Jahr das Podium verfehlte. Noch schlimmer erwischte es seinen Renault-Teamkollegen Giancarlo Fisichella, der am Ende auf einem restlos enttäuschenden zwölften Platz landete. Dem Team von Chef-Playboy Flavio Briatore, der in Monaco zumindest abseits der Piste ein Heimspiel bestritt, drohen angesichts der lange belächelten und nun wiedererstarkten Konkurrenz mit deutschen Motoren und englischen Karosserien doch noch ernsthafte Probleme.
Keine Gefahr geht momentan hingegen von Red Bull aus, die anfangs als eine Art Geheimfavorit gehandelt wurden. Trotz des medienwirksamen Brimboriums mit als "Star Wars"-Stormtroopern verkleideten Mechanikern erreichten weder David Coulthard noch Vitantonio Liuzzi das Ziel.
Weder zu den Gewinnern noch zu den Verlieren gehörte hingegen einer, der sich nach einem mäßigen Qualifying einigermaßen durchs Rennen quälte, dann von einem Unfall-Stau aufgehalten wurde und am Ende mit einer etwas übermotivierten Aktion auf der Zielgeraden fast den eigenen Bruder von der Piste geschossen hätte. Die Rede ist natürlich von Michael Schumacher.
Der landete mit seiner mittelmäßigen Leistung genau da, wo er momentan hingehört. Dass er am Ende mit Platz sieben noch zwei WM-Punkte ergatterte, lag auch daran, dass er wundersamerweise kurz vor dem Ende noch seinen Adlatus Rubens Barrichello im zweiten Ferrari überholen konnte. Teamabsprachen, übrigens, sind auch nach den neuen Regeln verboten.