Rubens Barrichello: "Starten wie der Blitz" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Rubens Barrichello "Starten wie der Blitz"

Während Michael Schumacher den Ausklang seines traditionellen Norwegen-Urlaubs genießt, dreht Ferrari Teamkollege Rubens Barrichello im neuen Boliden fleißig Trainingsrunden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Madonna di Campiglio - Im Jahr eins nach dem lang ersehnten Titel für Michael Schumacher will Hockenheim-Sieger Rubens Barrichello den Kampf gegen den scheinbar übermächtigen Teamkollegen erneut aufnehmen. "Ich glaube, ich kann eine Leistung wie Michael erbringen", sagte der Ferrari-Pilot aus Brasilien am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Madonna di Campiglio über seine Situation in der bevorstehenden Formel-1-Saison. Er habe aus den Fehlern des vergangenen Jahres gelernt und sehe der WM sehr positiv entgegen. "Ich habe mich vielleicht am Anfang der letzten Saison zu sehr darauf konzentriert, Michael zu schlagen. Das war nicht gut für mich", gab er zu. "Ab Monaco war ich entspannter, da wurde ich besser. Ich habe verstanden, dass es wichtiger ist, selbst besser zu werden, als auf den Teamkollegen zu schauen."

Schumacher genoss am Mittwoch nach seinem Urlaub in Norwegen bei der traditionellen Ferrari-Skiwoche in Italien noch einen freien Tag im Schnee, ehe er am Donnerstag zu seinem ersten öffentlichen Auftritt seit einem Monat erwartet wurde. Auch Barrichello hat die Strategie "Entspannung" als Rezept für gute Leistungen entdeckt. "Ich habe mich sehr gut erholt. Ich bin extrem positiv eingestellt und möchte ein positives Jahr 2001 haben", so der letztjährige WM-Vierte, der in seiner zweiten Ferrari-Saison von Beginn an kräftig loslegen möchte: "Ich will die Saison starten wie der Blitz."

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem verbal recht offensiven Nordiren Eddie Irvine, vermied es der Brasilianer jedoch, sich mit allzu deutlichen Zielvorgaben selbst unter Druck zu setzen. "Es ist sehr wichtig für mich, nicht zu viele Erwartungen aufzubauen", meinte er. Dies habe er gerade bei seinem bislang einzigen Grand-Prix-Sieg im Vorjahr in Hockenheim gelernt. "Da hatte ich auf Grund meines schlechten Startplatzes überhaupt keine Erwartungen mehr. Und genau da ist es so gut gelaufen. Das war eine wichtige Botschaft für mich."

Dennoch steht in der am 4. März in Melbourne beginnenden WM viel für ihn auf dem Spiel. Sein Zweijahresvertrag mit Ferrari läuft zum Saisonende aus, während Schumacher noch bis 2002 fest an die "Scuderia" gebunden ist. Die Ferrari-Fans dürften wohl mehr von Barrichello erwartet haben, doch wie alle Teamkollegen Schumachers zuvor blieb der Brasilianer klar im Schatten des Kerpeners. "Viel hängt von den ersten Rennen ab", so der 28-Jährige.

Barrichello glaubt aber, dass 2001 vieles einfacher für ihn sein kann, weil er sich jetzt gut im Team eingelebt hat. "Ich denke nicht, dass diese Saison entscheidender als die letzte ist. 2000 musste ich zeigen, was ich kann. Jetzt habe ich bewiesen, was ich in einem guten Auto leisten kann." Immerhin sei er der erste Teamkollege gewesen, der Schumacher zwei Mal im Qualifikationstraining geschlagen habe, sagte der Brasilianer, der für sich mehr Entwicklungspotenzial sieht als für Schumacher: "Natürlich ist Michael stark. Aber er ist schon am Limit, ich kann ihm vielleicht noch näher kommen."

Barrichello hat bereits Testfahrten für die kommende Saison absolviert. "Ich habe die neue Aerodynamik getestet und bin sehr zufrieden mit dem, was ich gesehen habe", berichtete er. Wann Schumacher erstmals wieder in sein Dienstauto steigt, ist noch nicht entschieden. Der neue Ferrari soll Ende Januar fertig sein.

Von Andrea Wimmer, dpa

Mehr lesen über