Silverstone Schlammschlacht beim Freien Training
Silverstone - Das unfreundliche Aprilwetter in England und ein schneller Heinz-Harald Frentzen haben Michael Schumacher bei seiner Grand-Prix-Rückkehr nach Silverstone kräftig ausgetrickst. Der zweimalige Formel-1-Weltmeister, der am Ostersonntag 287 Tage nach seinem schweren Unfall wieder beim Großen Preis von Großbritannien startet, wurde am Freitag im Training vom Regen gestoppt. Als Schumacher erst eine halbe Stunde nach dem Beginn der Übungs-Einheit auf seine erste "fliegende" Runde startet wollte, setzte prompt Niederschlag ein. Während der WM-Spitzenreiter auf nasser Straße keine brauchbare Zeit mehr zu Stande brachte und am Ende mit 8,742 Sekunden Rückstand als Vorletzter auf Rang 21 des Klassements landete, glänzte Schnell-Starter Frentzen mit Bestzeit.
Der Mönchengladbacher Jordan-Pilot, der vor dem ersten Schauer gefahren war, war auf dem 5,140 km langen Kurs in 1:27,683 Minuten der Schnellste. "Wir haben schon bei den Testfahrten eine gute Abstimmung für trockene und nasse Bedingungen gefunden", sagte er. Hinter dem nordirischen Jaguar-Fahrer Eddie Irvine belegten die Silberpfeil-Piloten David Coulthard (Schottland) und Mika Häkkinen (Finnland) die Ränge drei und vier. Schumacher hatte das Nachsehen. Denn auch in der zweiten Trainings-Session am Nachmittag trocknete die Strecke nicht ab. Die Zeiten aus der Vormittags-Einheit blieben bestehen. "Die Ergebnisse haben keinerlei Relevanz. Jeder fuhr bei anderen Bedingungen", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Michael Schumacher wird bestimmt nicht Vorletzter bleiben."
Der WM-Führende war entsprechend sauer über die unwirtlichen Trainingsbedingungen: "Die Strecke war zum Teil schon unfahrbar, das war beinahe zu gefährlich. Man schwimmt praktisch nur noch über die Strecke. Das war so viel Regen, dass selbst das Cockpit voller Wasser gelaufen ist", schimpfte Schumacher, der im vergangenen Jahr in Silverstone schwer verunglückt war und mit einem doppelten Beinbruch rund drei Monate pausieren musste.
Es sei vor allem deshalb gefährlich, erläutert Schumacher, weil man den Abstand zum Vordermann nicht richtig einschätzen kann: "Man sieht in dieser Regenwand nichts. Man weiß nicht, ob es 100 oder nur zehn Meter zum Vordermann sind." Laut Schumacher sei bei derartigen Bedingungen Formel-Fahren nicht möglich: "Wir wollen deshalb dafür plädieren, unter derartigen Umständen ein Safety Car einzusetzen."
In der Kritik stand im Fahrerlager deshalb der neue April-Termin für den Großen Preis von Großbritannien. In Silverstone, wo vor 50 Jahren am 13. Mai der erste Lauf zur Formel-1-WM stattgefunden hatte, war seit 1951 traditionell im Sommer gefahren worden. "Es ist nicht die richtige Jahreszeit, um hier zu sein. Es ist zu kalt", kommentierte Schumacher das derzeit frostige Regenwetter. Er fürchtet die durch die Witterung drohende Gefahr auf der Strecke: "Ich muss sagen, dass es extrem rutschig sein kann und sehr schwer vorherzusagen, ob man rausfliegt oder ob man es kontrollieren kann."
Auch Schumachers Bruder Ralf hatte wenig Trainings-Glück. Zunächst blieb sein Williams-BMW nach 500 Metern wegen eines Elektrik-Defekts stehen, am Nachmittag kam er auf Platz 15. Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld erzielte im Prost-Peugeot die 18. Zeit. Im zweiten Training litt das gesamte Fahrer-Feld unter dem Regen: Nachdem Coulthards Silberpfeil wegen eines Defekts stehen geblieben war, musste die Session für mehrere Minuten unterbrochen werden, weil das Bergungsfahrzeug im völlig aufgeweichten Rasen stecken blieb. Entscheidend für die Startaufstellung im Rennen ist allein das Qualifikationstraining an diesem Samstag (14.00 Uhr/MESZ).