Speedcontrol: Ausnahmezustand in Monte Carlo - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Speedcontrol Ausnahmezustand in Monte Carlo

Die Formel-1-Kolumne von Ellen Lohr bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Warum Stallregie zum Motorsport gehört und der Große Preis von Monaco ein besonderes Erlebnis ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zum Thema Ferrari-Stallregie beim Großen Preis von Österreich sind die Meinungen kräftig auseinander gegangen. Mir hat eine Teamorder noch nie gefallen und wird es auch nie, aber ich akzeptiere sie als normalen Bestandteil professionellen Motorsports. Rubens Barrichello ist bei Ferrari die klare Nummer zwei, nur war ihm das bisher vermutlich nicht so bewusst.

Der Funkbefehl von Ferrari-Teamchef Jean Todt war für mich nachvollziehbar, auch wenn der Zeitpunkt zugegebenermaßen recht früh ist. Michael Schumacher führt in der WM-Wertung, ist regelmäßig der schnellere Ferrari-Fahrer und hätte ohne den Zwischenfall mit Juan-Pablo Montoya vermutlich auch auf dem A1-Ring in Zeltweg gewonnen.

Im Tourenwagensport hatte Mercedes immer eine Stallregie

In diesem Zusammenhang muss ich ein paar kritische Worte in Richtung Mercedes loswerden. Es ist sicher richtig, dass sie das Thema in der Formel 1 anders handhaben und beiden Fahrern weiterhin "Feuer frei" geben. Aber zumindest im Tourenwagensport hat Mercedes schon immer mit Stallregie gearbeitet, das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Damit meine ich nicht nur, dass ein Fahrer zu Gunsten eines Stallgefährten auf eine Position verzichtet hat, sondern es wurde den Fahrern auch unterschiedliches Material zur Verfügung gestellt. Das wiederum ist eine Form von Stallregie, die man als Fahrer nicht akzeptieren kann.

Extrem enge Straßen in Monaco

Was erwartet uns in Monaco am Wochenende? Das Rennen auf dem 3,3 Kilometer langen Stadtkurs besitzt eine einzigartige Fazination. Die Autos glühen teilweise mit mehr als 250 Stundenkilometern über extrem enge, holprige und von Betonmauern eingefasste, öffentliche Straßen ohne jegliche Auslaufzonen.

Das Ungewohnte sind noch nicht mal die Mauern auf der Außen-, sondern die auf der Innenseite. Ein kleiner Konzentrationsfehler, und man touchiert innen die Mauer. Dann gibt es den ganz großen Knall auf der Außenseite. Vor allem die schnelle Passage am Schwimmbad sowie der Bereich oben am Casino sind unheimlich kritisch.

Andererseits macht das Fahren dort einen Heidenspaß. Angst hat man höchstens vor oder nach dem Fahren, währenddessen bleibt keine Zeit, um sich zu fürchten. Es darf auch keiner glauben, dass ein Rennfahrer auf so einer Strecke weniger ans Limit geht. Man hält genauso rein wie auf dem Nürburgring, wo hinter jeder Kurve 100 Meter Sturzraum sind.

Während des GP-Wochenendes herrscht in Monaco Ausnahmezustand. Fast alle Straßen sind gesperrt, die Menschenmassen schieben so eng wie auf einem Volksfest. Viele Einwohner von Monaco flüchten regelrecht aus der Stadt. Ich muss gestehen: auch ich. Aber dieses Mal habe ich eine gute Ausrede, da ich am Wochenende das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring fahre.

Für die Zuschauer ist Monaco toll

Dennoch ist Monaco für die Zuschauer toll, denn vor allem abends kommen sie näher an die Teams, Fahrer und Autos heran als auf jeder anderen Strecke. Und wie gesagt: Das Flair ist einmalig. Das sollte jeder Rennfan einmal erlebt haben.

Sportliche Voraussagen verkneife ich mir. Traditionell fallen in Monaco viele Autos aus. Wer durchkommt, hat große Chancen auf Punkte. Fahrerisch kann man auf dieser Strecke viel wettmachen. Ein Olivier Panis hat 1996 mit dem jämmerlichen Ligier sogar gewonnen. Von daher ist Monaco immer für eine Überraschung gut. Viel Spass beim Zuschauen.