Speedcontrol BMW wird Probleme in der Eifel haben
Ralf Schumachers Sieg in Montreal war eine fahrerische und taktische Meisterleistung, vor der man wirklich den Hut ziehen muss. Obwohl er eindeutig das schnellere Auto hatte, ließ er sich nicht zu einer Hauruck-Aktion gegen seinen führenden Bruder Michael hinreißen, sondern wartete geduldig, bis der Ferrari zum Tanken an die Box musste. Danach brannte Ralf in beeindruckender Manier eine Rekordrunde nach der anderen in den Asphalt und war so nach seinem eigenen Routinehalt locker vorne. Was mehrerlei beweist.
Erstens: Die Michelin-Reifen haben auch auf dem schwierigen Stadtkurs Île Nôtre-Dame, den man nicht testen kann, super funktioniert, sonst hätte Ralf vor seinem Stopp nicht noch so schnell fahren können. Zweitens: Ferrari muss dringend am Spritverbrauch arbeiten. In diesem Punkt sind nicht nur Mercedes, sondern auch BMW ganz offensichtlich besser. Drittens: Die Kombination aus Williams-Chassis und BMW-Motor ist wie geschaffen für Stop-and-go-Kurse, dies bedeutet allerdings auch, dass dem Team der Nürburgring nicht sonderlich gut behagen wird. Hier wird nur dreimal aus niedrigem Tempo lange hochbeschleunigt. Ansonsten besteht die Strecke fast ausschließlich aus mittelschnellen Kurven, an deren Ausgang der BMW-Motor seine Power nicht so zur Geltung bringen kann.
Ich würde mein Geld auf McLaren-Mercedes oder Ferrari verwetten
Gute Überholstellen gibt es am Ring gleich mehrere. Zum einen die Castrol-Schikane nach Start und Ziel, wo es hoffentlich nach dem Start ausnahmsweise mal nicht krachen wird. Zum anderen vor der Dunlop-Kehre und dem langsamen Veedol-Z. Überall sonst geht's nur mit Gewalt. Alles in allem würde ich mein Geld diesmal auf McLaren-Mercedes oder Ferrari verwetten. Beide Autos funktionieren eigentlich auf jeder Art von Rennstrecke gut. Nur die Zuverlässigkeit lässt bei der britisch-schwäbischen Allianz in letzter Zeit zu wünschen übrig. Wenn McLaren nach Coulthards Motorschaden in Kanada noch um den WM-Titel mitkämpfen will, dürfen sie sich keinen Patzer mehr leisten.
Die deutschen Rennen zur Formel 1 werden für uns Fans in diesem Jahr etwas ganz Besonderes. Endlich die Schumi-Brüder, Heinz-Harald und "Quick Nick" live erleben. 320.000 Zuschauer werden am Wochenende in der Eifel erwartet. Das Rennen ist schon lange ausverkauft, und erstmals wird man schon Karten für das kommende Jahr ordern können. Motorsport à la Nascar-USA, vielleicht werden auch bei uns Tribünenplätze eines Tages mal "weitervererbt". Am Sonntag trifft Mythos Nürburgring auf Mythos Formel 1: Immer eine prickelnde Begegnung.
Schöne Tage,
Ellen Lohr