Speedcontrol: Die Farbe der Randsteine - DER SPIEGEL
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Speedcontrol Die Farbe der Randsteine

Die Formel-1-Kolumne von Ellen Lohr bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Der Unglücksfall von Melbourne, der Aufstieg von Olivier Panis und die malaysische Dominanz von Michael Schumacher.
Von Ellen Lohr
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Liebe Leser,

Die Streckenposten an den Rennstrecken in aller Welt wissen um ihr Risiko. Das ist nicht nur in der Formel 1 so, sondern auch in allen anderen Rennserien. Jeder der Posten muss einen Haftungsausschluss ausfüllen, der den Veranstalter gegen Regressansprüche absichert.

Anhäufung unglücklicher Umstände


Trotzdem war es erschütternd, dass Michael Schumachers grandioser Auftaktsieg in Melbourne überschattet wurde vom Tod des Streckenmarshalls Graham Beveridge. Es war eine Anhäufung unglücklicher Umstände, die zum Tode des Streckenpostens geführt haben. Schließlich ist das rechte Hinterrad von Villeneuves BAR direkt durch die Lücke im Zaun geflogen, durch welche die Helfer an der Rennstrecke im Notfall auf die Bahn laufen. Diese Lücke ist nur unwesentlich breiter als das Rad. Von daher ist dieses Unglück wirklich tragisch zu nennen. Man hat in Australien gesehen, dass auch doppelte Kevlar-Seile zur Sicherung der Räder nicht allen Kräften standhalten können. Die Kollision zwischen Jacques Villeneuve und Ralf Schumacher war ein Allerweltsunfall, wie er immer wieder vorkommen kann.

Die Fia hat auf Monza nicht reagiert


Der Weltverband Fia schreibt zwar von der Farbe der Randsteine bis zur Größe der Werbebanner an den Strecken alles vor, aber wenn es um die Sicherheit der Helfer an der Rennstrecke geht, tut sich bei weitem nicht genug. Wie ist es sonst zu erklären, daß nach dem Tod des Streckenpostens Paolo Ghislimberti vergangenes Jahr in Monza zwar viel diskutiert, aber nichts zur Verbesserung der Sicherheit getan wurde?

Auch wenn ich mir den Stadtkurs in meiner Wahlheimat Monaco anschaue, sehe ich großen Handlungsbedarf. Denn nicht nur die Streckenposten leben bei einem Rennen gefährlich, auch die Zuschauer sind teilweise äußerst gefährdet. Beispielsweise steht in Monaco am Ende der Start- und Zielgeraden eine kleine Tribüne genau in der Auslaufzone; nicht auszudenken, was hier im Falle eines Unfalls geschehen kann. Manchmal habe ich den Eindruck, als sei die Farbe der Tickets wichtiger als alles andere.

Warnlampen in Cockpit


Einige Verbesserungen wurden angeregt, zum Beispiel die extern bedienbaren Warnlampen im Cockpit. Nun heißt es abwarten, wie lange die Fia braucht, um solche Ideen umzusetzen. Wichtig scheint mir auch, dass sich solche Verbesserungen nicht auf die Formel 1 beschränken. Denn das Risiko ist bei kleineren Rennserien ja nicht weniger groß.

Das nächste Rennen in Malaysia ist in puncto Sicherheit weniger bedenklich. Der vom Aachener Architekten Hermann Tilke entworfene Kurs in Sepang unweit von Kuala Lumpur stellt derzeit das Maß aller Dinge dar. Auch hier gilt: Ferrari hat die Nase vorn, McLaren muss sich sputen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Vor allem weil Schumacher in Sepang schon zweimal gewonnen hat, der Kurs ihm und dem Ferrari also offensichtlich liegt.

Wer holt hinter Schumi Punkte?


Die Deutschen haben uns in Melbourne viel Freude gemacht. Nick Heidfeld Vierter, Heinz-Harald Frentzen trotz des Barrichello-Fouls Fünfter, der BMW-Motor von Ralf Schumacher offensichtlich einer der stärksten im Feld - das hat alles sehr gut ausgesehen. Stärker als erwartet war BAR. Vor allem Oliver Panis hat mich beeindruckt, wobei ich von dessen fahrerischer Klasse schon lange überzeugt bin. Ich stand bei seinem Regensieg 1994 in Monaco, damals noch im Prost, oberhalb der Anbremszone der Ste.-Devote-Kurve. Keiner hat so spät und spektakulär gebremst wie Panis. Also ist auch BAR zum Mittelfeld zu zählen.

Spannend sicher auch die Frage, ob Sauber seinen spektakulären Erfolg von Melbourne wiederholen kann. Potenzial ist auf jeden Fall da, und dass ein Formel-Renault-Pilot wie Kimi Räikkönen bei seinem ersten Formel-1-Rennen gegen die arrivierten Stars einen Punkt erkämpfen kann, zeigt, wie stark das Auto zu sein scheint. Also lautet in Malaysia die Frage: Wer holt hinter Schumi die Punkte?

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal,

Ihre Ellen Lohr