"Speedcontrol" Ecclestone kann Schumacher gar nichts
Eines vorneweg: Ich halte es für richtig, dass am Wochenende in Indianapolis gefahren wird. Was allerdings keineswegs bedeutet, dass mir diese entsetzlichen Terroranschläge in den USA nicht nahe gegangen sind. Sie haben ihre Auswirkungen in fast allen Bereichen unseres Lebens hinterlassen und werden es auch weiterhin tun. Genau deswegen bin ich der Ansicht, dass man, wo immer machbar, möglichst schnell versuchen sollte, normal weiterzuleben - wohlgemerkt immer mit dem gebotenen Respekt vor der Tragödie und ihren Opfern.
Gleichwohl akzeptiere ich nicht die Drohungen seitens Bernie Ecclestone in Richtung Michael Schumacher. Der Formel-1-Drahtzieher hat dem Weltmeister angekündigt, er müsse mit der Streichung von WM-Punkten rechnen, falls er in "Indy" nicht an den Start gehe. Das ist aus zwei Gründen eine Unverschämtheit: Erstens steht es Ecclestone nicht zu, die Ängste und Sorgen eines Formel-1-Piloten zu ignorieren, und zweitens kann Ecclestone das gar nicht. Im Concorde Agreement, jenem Vertragswerk zwischen dem Weltverband Fia, Ecclestones Foa (Formula One Association) und den Teams ist klar festgehalten, dass sich die Rennställe zwar verpflichten, die komplette Saison mit jeweils zwei Autos zu bestreiten - aber nicht mit welchen Fahrern.
Wetten, dass Michael in Monza absichtlich "nur" den vierten Platz belegt hat
Wenn Ferrari also einen anderen Piloten ins Auto setzen möchte, dann kann auch Herr Ecclestone nichts dagegen unternehmen. Und zwar unabhängig davon, ob Schumacher sich den Magen verdorben oder einfach keine Lust hat. Ich könnte übrigens wetten, dass Michael in Monza absichtlich "nur" den vierten Platz belegt hat. Damit hat er sich die Siegerehrung, die Pressekonferenz und viele Fragen zu Themen erspart, zu denen er ganz offenkundig keine Aussage machen wollte. In seinen Äußerungen vor dem Rennen hatte er keinen Zweifel daran gelassen, wie sehr ihn die Anschläge von New York und Washington bedrücken.
Ungeachtet der weltpolitischen Schatten, die über der Veranstaltung liegen, freue ich mich auf den USA-Grand-Prix. "Indy" ist ein Mythos, dessen Bann man sich kaum entziehen kann. Ich hatte vor einigen Jahren das Vergnügen, als Co-Kommentatorin eines Fernsehsenders das 500-Meilen-Rennen vor Ort zu sehen. Das ist einfach gigantisch! Im "berühmtesten Nudeltopf der Welt" herrscht eine unvergleichliche Atmosphäre. Und wenn 200.000 Amerikaner an der ausverkauften Strecke ergriffen ihrer Nationalhymne lauschen, bevor die Motoren angeworfen werden, kommen dir fast die Tränen.
BMW-Williams und Ferrari in "Indy" vorn
Sportlich erwarte ich in Indianapolis ein ähnliches Kräfteverhältnis wie in Monza. Abgesehen von vier langsameren Kurven im Infield ist auch "Indy" eine Motorenstrecke par excellence. Wie geschaffen für die bärenstarken Triebwerke von BMW-Williams und Ferrari. Und das dürfte vor allem Rubens Barrichello im zweiten Ferrari freuen. Denn der hat im Kampf um die Vizeweltmeisterschaft nur noch drei Punkte Rückstand auf McLaren-Mercedes-Pilot David Coulthard.