Speedcontrol: Schumacher top, Frentzen ein Flop - DER SPIEGEL
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Speedcontrol Schumacher top, Frentzen ein Flop

Die Formel-1-Kolumne von Ellen Lohr bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Wieso Michael Schumacher am Sonntag beim Großen Preis von Ungarn Weltmeister wird und Heinz-Harald Frentzen sich im freien Fall befindet.
Von Ellen Lohr
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Beim Rausschmiss von Heinz-Harald Frentzen hat Eddie Jordan in meinen Augen mal wieder in eine der unteren Schubladen gegriffen. Es gehört schon einiges dazu, drei Wochen nach einer Vertragsverlängerung einem Fahrer zu kündigen - und das vier Tage vor dessen Heim-Grand-Prix. Es ist mir auch ein absolutes Rätsel, wie die Deutsche Post als Hauptsponsor von Jordan das alles so gelassen hinnehmen konnte.

Die Hintergründe der Entlassung sind Spekulation, weil sich sowohl Jordan als auch Frentzen angesichts des schwebenden juristischen Verfahrens aus verständlichen Gründen bedeckt halten. Ich könnte mir vorstellen, dass Frentzen in seinem Frust mal ordentlich auf den Tisch gehauen hat und Jordan das nicht verträgt. Aber wie auch immer: Für mich war das Ganze eine Schweinerei, weil ein Rennfahrer ja auch Verpflichtungen gegenüber seinen persönlichen Sponsoren hat.

Fehlt Eddie Jordan etwas unter dem Toupet?

Sehr zielführend aus Sicht des Teams war es sicher auch nicht, so kurzfristig den Ersatzfahrer aufzubieten. Ricardo Zontas Vorstellung in Hockenheim gibt mir wohl Recht. Und unprofessionell war es obendrein, weil diese Nummer Eddie Jordan in Hockenheim eine Menge PR gekostet hat. Aber die versucht er ja üblicherweise eher mit üppig bestückten Damen in der Boxengasse zu erzielen. Manchmal habe ich den Eindruck, dem Herren fehlt es ein bisschen unter dem Toupet.

Nachdem man zunächst befürchten musste, dass Frentzens Formel-1-Karriere damit beendet sei, ist er im Tausch gegen Jean Alesi für den Rest der Saison im Team von Alain Prost untergekommen. Ob er sich damit einen Gefallen tut, wage ich allerdings zu bezweifeln. Das Prost-Fahrzeug ist einmal mehr bestenfalls Mittelmaß.

Frentzens Abstieg in die zweite Liga

Nachdem Frentzen mit dem AP04-Acer nicht einmal richtig testen kann - vor Ungarn war nur ein 50-Kilometer-Rollout erlaubt -, kann es ihm sogar passieren, dass ihn sein neuer Teamkollege Luciano Burti schlägt. Und das wäre seinem Ruf nicht zuträglich. Aber egal, wie sich Frentzen auf dem Hungaroring schlägt: Der Wechsel zu Prost ist der Abstieg in die zweite Liga.

In der ersten Liga werden auch in Ungarn Ferrari und McLaren spielen. Ich bin fast sicher, dass Michael Schumacher am Sonntag seinen vierten WM-Titel an Land zieht. Sehr viel wird vom Qualifying abhängen, weil man auf dem kurvenreichen Hungaroring noch schlechter überholen kann als sonst irgendwo.

Boxenstrategie extrem wichtig

Auch die Strategie ist wichtig, denn die Strecke geht unheimlich auf die Reifen. Also braucht man eine gute Rennabstimmung, die es einem erlaubt, mit zwei Reifenwechseln auszukommen. Andererseits hat Schumacher in Ungarn auch schon mit drei Stopps gewonnen. Zum einen hat hier ein leichteres Auto einen extremen Vorteil. Zum anderen kosten Boxeneinfahrt und -ausfahrt nicht so viel Zeit, weil die Boxengasse relativ kurz ist, und man deshalb einige Meter Fahrtweg spart.

Ob die BMW-Williams sich erneut in den Spitzenkampf einmischen können, bleibt abzuwarten. Ihren Motorenvorteil können sie auf den kurzen Geraden weniger gut ausspielen als in den langen Vollgas-Passagen von Imola, Montreal oder zuletzt Hockenheim. Im Übrigen bin ich mir sicher, dass sich Jean Alesi bei Jordan mit Jarno Trulli ebenso schwer tun wird wie Frentzen. Spannend wird es allemal.