Speedcontrol: Wer will Schumacher stoppen? - DER SPIEGEL
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Speedcontrol Wer will Schumacher stoppen?

Nach etwas mehr als der Hälfte der Formel-1-Saison scheint es so, als sei Michael Schumacher der vierte WM-Titel nicht mehr zu nehmen. Vor allem nicht mehr von McLaren-Mercedes.
Von Ellen Lohr
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nach dem Qualifying am Nürburgring hatte ich noch den Verdacht, dass die McLaren-Piloten mit den Reifen eine etwas konservativ-vorsichtige Linie verfolgt hatten, um im Rennen keine Probleme zu bekommen. Das hat sich indirekt ja auch bestätigt, dennoch langte es nur zu Platz drei (Coulthard) und sechs (Häkkinen). Schumacher und die beiden BMW-Williams-Piloten hatten sich für die weichere Mischung und zwei Routine-Stopps entschieden - trotzdem waren sie den "Silberpfeilen" deutlich überlegen.

Wenn Mika Häkkinen schon alle Register ziehen muss, um die Jaguar-Fahrer unter Kontrolle zu halten, dann ist etwas faul im Staate Finnland. Ich kann für die britisch-schwäbische Allianz nur hoffen, dass sie wissen, wo ihr Problem liegt. Denn sonst können sie dem WM-Titel einen herzhaften Abschiedskuss geben. Dass 24 Punkte Rückstand - der Abstand zwischen dem führenden Michael Schumacher und David Coulthard in der Fahrerwertung - schnell aufgeholt sein können, haben wir zwar in den letzten Jahren schon erleben können. Aber für McLaren-Mercedes läuten die Alarmglocken Sturm. Es muss schnell etwas passieren.

Der "Bruderkampf" spielt keine Rolle

Momentan droht Michael die größere Gefahr aus der eigenen Familie. Dass die weiß-blauen BMW-Williams in der Eifel so stark sein würden, hätte ich, ehrlich gesagt, nicht erwartet. Aber das knallharte Manöver von Michael gegen seinen kleinen Bruder Ralf am Start zeigt, dass der Weltmeister die neue Gefahr längst erkannt hat. Die Aktion war für mich an der Grenze des Tolerierbaren, und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Zweikampf zwischen Brüdern handelt oder nicht. Dass Michael in diesem Punkt keinen Unterschied macht, ist verständlich und richtig.

Schade, dass Ralf am Nürburgring durch ein Vergehen eingebremst wurde, das auf den ersten Blick wie eine Lappalie wirkt. In jeder Fahrerbesprechung wird ausdrücklich erwähnt, dass die Linie am Ausgang der Boxengasse nicht überfahren werden darf. Aber ein Überfahren wird anscheinend von Rennstrecke zu Rennstrecke unterschiedlich geahndet. Insofern hat Schumi II die "Gefahr" wohl unterschätzt, denn dass solcher Art Vergehen am Ring besonders hart bestraft wird, ist unter deutschen Rennfahrern eigentlich bekannt. Aber wenn man um den Sieg kämpft, kocht das Blut natürlich hoch, und da werden weiße Linien zunächst einmal zur Nebensache.

Räikkönens Unbekümmertheit

Ein paar Worte noch zu den anderen Nachwuchskräften in der Formel 1, die derzeit nicht so sehr im Rampenlicht stehen: Kimi Räikkonen hat auch am Nürburgring wieder bewiesen, wie abgebrüht er bereits ist; lässt einen Alesi in der Schlussphase ins Leere laufen, bis der sich vor lauter Verzweiflung dreht. Ich hoffe nur für Kimi, dass er sich seine Unbekümmertheit bewahrt.

Als schlechtes Beispiel sollte dem jungen Finnen Jenson Button dienen. Der Engländer wurde im vergangenen Jahr bei Williams als künftiger Weltmeister gepriesen, in dieser Saison aber wird er von seinem Benetton-Teamkollegen Giancarlo Fisichella regelmäßig geschlagen. Mal außer Acht gelassen, dass beide ihr Talent in einem miserablen Auto vergeuden.

Im absoluten Nirgendwo Frankreichs

Vor dem Großen Preis von Frankreich am diesem Wochenende bleibt nun kaum Zeit zum Durchatmen. Für die Teams ein Megastress, denn Magny-Cours liegt im absoluten Nirgendwo Frankreichs, und nicht nur die "Truckies" haben ein höllisches Programm vor sich. Zwischendurch sollten die Rennwagen ja auch noch in den heimischen Hallen durchgecheckt werden.

Die Strecke selbst ist bei den Fahrern nicht sehr beliebt, obwohl sie sehr abwechslungsreich ist. Eine lange Gerade, langsame und schnelle Kurven, zwei sehr zügige Schikanen. Hier einen Kompromiss für die Abstimmung zu finden, ist nicht einfach. Die Reifen werden den Ausschlag geben, und Michelin hat in Magny-Cours mehr getestet als sonst wo. Von daher bin ich mit Prognosen diesmal vorsichtig. Nur einen Fixpunkt gibt es. Er heißt Michael Schumacher.