Speedcontrol Wir wollen rauchende Räder sehen!
Ich will Michael Schumacher nichts wegnehmen. Er ist in Monaco einmal mehr fantastisch gefahren und hat hoch verdient zum fünften Mal im Fürstentum gewonnen. Aber das Rennen war ja im Grunde schon vor dem Start entschieden.
Zum dritten Mal in Folge hat die seit Barcelona in der Formel 1 wieder erlaubte Startautomatik Ärger gemacht. Und langsam ist das nicht mehr lustig. Natürlich zeigen die Pannen, mit welch einem hochkomplexen elektronischen System es die Teams hier zu tun haben. In Monaco durften die Fahrer nach jedem Training einen Start üben, wobei es bei McLaren nie Probleme gab. Und dann verliert der Polesitter das Rennen, bevor es angefangen hat.
Was soll Bernoldi denn machen?
David Coulthard kann einem leid tun. Er hätte zweifellos eine gute Chance gehabt, in der WM weiter Boden gut zu machen. Stattdessen musste er sich im hinteren Mittelfeld mit einem Bernoldi herumbalgen. In diesem Zusammenhang kann ich übrigens die harsche Kritik seitens McLaren am Arrows-Piloten nicht nachvollziehen.
Dass man in Monaco so gut wie nicht überholen kann - schon gar keinen Arrows mit seinem erstaunlichen Topspeed -, ist ja nun wirklich nicht Bernoldis Schuld. Der Brasilianer spielt zwar in der WM keine Rolle, fährt nichtsdestotrotz aber ein Rennen, fightet richtigerweise um jede Position und lässt daher niemanden freiwillig vorbei - sein Boss Tom Walkinshaw würde ihm schön die Ohren lang ziehen, wenn's anders wäre.
Man hat Traktionskontrolle und Startautomatik wieder zugelassen, damit die ewige und zur Mogelei tendierende Interpretation des Reglements aufhört - einverstanden. Aber wirklich haben will sie doch keiner. Der Zuschauer möchte rauchende Räder am Start sehen. Also gebt sie uns wieder!
Das erwartet uns in Kanada
Auf den Kanada-Grand-Prix am Sonntag freue ich mich. Ich bin davon überzeugt, dass wir zumindest einen leckeren Dreikampf zwischen Ferrari, McLaren und Williams sehen werden. Vielleicht überraschen uns auch Jordan, BAR, Sauber oder sogar Arrows. Die Charakteristik des halb-permanenten Kurses auf der Ile Notre Dame entspricht ein wenig jener von Imola und der des A1-Rings. Auf beiden Strecken waren die Williams dank des bärenstarken BMW-Motors ganz vorne dabei.
Eine Runde in Montreal läuft stets nach dem selben Schema ab: Beschleunigen bis in den höchsten Gang, hartes Bremsen, Schikane oder Spitzkehre und danach wieder eine lange Gerade: Eine Marter für die Bremsen, aber wie geschaffen für den BMW-Zehnzylinder.
Das schnelle Kraftpaket aus München
Selbst in Monaco hat man gesehen, dass das Kraftpaket aus München den anderen in punkto Beschleunigung und Spitzenleistung klar überlegen ist. Montoya und Ralf Schumacher kamen mit annähernd 300 aus dem Tunnel - fast 5 Stundenkilometer schneller als der Nächstbeste. Und wie in einer früheren Kolumne schon erwähnt: Das liegt garantiert nicht daran, dass sie, wie etwa Arrows, dafür mit weniger Abtrieb fahren müssen.
Zwei Faktoren können dabei allerdings noch eine größere Rolle spielen. Zum einen die Reifen. In Montreal kann man nicht testen, was mit Sicherheit einen Nachteil für die Michelin-Teams, unter anderem auch BMW-Williams, darstellt. Der zweite wichtige Punkt ist der Benzinverbrauch, der sich nur in Imola ähnlich dramatisch auswirkt wie in Montreal. Hier könnte eine Stärke von McLaren-Mercedes liegen. Die konnten in den letzten Rennen vor dem Boxenstopp stets länger draußen bleiben als Ferrari. Ralf Schumachers Sieg in Imola zeigt allerdings, dass auch BMW-Williams in diesem Bereich gut sortiert zu sein scheint.
Wir werden sehen,
Ihre Ellen Lohr