Test-Premiere: Schumacher toppt Rosberg - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Test-Premiere Schumacher toppt Rosberg

Comeback in gewohnter Position: Michael Schumacher hat die ersten Testrunden im neuen Auto seines Formel-1-Teams Mercedes GP gedreht. Dabei fuhr er schneller als sein Stallgefährte Nico Rosberg - für den sich die anwesenden Medien nur am Rande interessierten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Fotostrecke

Mercedes-Rollout: Mattsilbern in Valencia

Foto: Jens Büttner/ dpa

Hamburg - Michael Schumacher grinste vergnügt in die Kameras und genoss die Vorstellung des neuen Silberpfeils. Bis zu seinen ersten Runden am Steuer eines aktuellen Formel-1-Wagens seit dem 16. April 2008 musste sich der Rekordweltmeister allerdings gedulden. Erst um 15.29 Uhr steuerte Schumacher den MGP W01 am Montag in Valencia auf die vier Kilometer lange Strecke. Beobachtet von etwa 200 Medienvertretern und schätzungsweise knapp 2000 Fans. "Schumi, gib Gummi. Willkommen zurück", hieß es auf einem Plakat oberhalb der Mercedes-Box.

Mit jeder Runde wurde der siebenmalige Weltmeister schneller. Nach drei Umläufen betrug sein Rückstand auf die Bestzeit von Teamkollege Nico Rosberg weniger als zweieinhalb Sekunden, eine weitere Sekunde machte er in der nächsten Runde gut und so ging es weiter. Nach neun Runden fuhr er wieder in die Box, der Rückstand auf Rosberg betrug da gerade mal sieben Zehntelsekunden. Nach der Pause war Schumacher in seiner 18. Runde erstmals 45 Tausendstelsekunden schneller als sein fast 17 Jahre jüngerer Teamkollege Nico Rosberg. "Es hätte nicht schöner sein können. Das war ein super Tag, das Auto hat perfekt funktioniert. Und ich fühle mich auch im Auto auf Anhieb sehr wohl. Es ist so, dass ich im Prinzip gleich loslegen könnte", sagte Schumacher.

Man könne die Zeiten nicht interpretieren und bewerten, hatte Rosberg aber schon vor Schumachers Auftritt gesagt. Insgesamt hatte Rosberg am Ende 39 Runden und damit auch die Jungfernfahrt mit dem eleganten mattsilbernen Mercedes absolviert. Schumacher eine Runde mehr. "Ich bin die erste Runde rausgefahren und habe gedacht: Uppala, das ist aber ganz schön flott. In der zweiten Runde ging's dann. Das war im Prinzip wie 1991 für mich", so Schumacher.

100 Kameras auf Schumacher, eine auf Rosberg

"Es ist schon ein bisschen schwierig", gestand Rosberg in einer kleineren Medienrunde, während die überwiegende Zahl der Journalisten vor dem Mercedes-Zelt auf seinen Teamkollegen warteten. 100 Kameras seien auf Schumacher, eine auf ihn gerichtet. "Ich muss lernen, dass das so ist", sagte der 24-Jährige, der um kurz vor neun Uhr an Schumachers Seite den neuen Boliden vorgestellt hatte. Mechaniker rollten den Dienstwagen aus der Box, und Schumacher war die Freude auf die bevorstehenden Runden anzusehen. Mit einem Dauerlächeln posierte er ausgiebig für die große Fotografenschar.

Schon vor dem Testauftakt auf dem Circuit Ricardo Tormo hatte Schumacher Vorfreude verspürt, sich "austoben" zu können. Noch im vergangenen Jahr hatte er bei seinen Runden in einem zwei Jahre alten Ferrari Probleme wegen seiner Schädelbasisverletzung, daher war nun in Valencia auch Chefarzt Dr. Johannes Peil von der Sportklinik in Bad Nauheim mit vor Ort.

Höckerförmige und geschwungene Nase beim neuen Dienstwagen

Der 41-Jährige, der sein letztes Rennen am 22. Oktober 2006 bestritt, wird an diesem Dienstag aussetzen, am Mittwoch soll Schumacher die weiteren Proberunden mit dem 4,80 Meter langen und 1,80 Meter breiten neuen Boliden drehen.

Dabei besticht sein neuer Dienstwagen durch die höckerförmige und geschwungene Nase, ähnlich wie beim erfolgreichen Red Bull der vergangenen Saison. Auf die auffällige Flosse, wie beispielsweise bei den Autos von McLaren, Renault und auch Sauber verzichteten die Aerodynamik-Strategen bei Mercedes - übrigens ebenso wie die Kollegen von Ferrari.

Neben Mercedes Grand Prix nutzen auch Ferrari, McLaren-Mercedes, Renault, Williams, Sauber und Toro Rosso die ersten offiziellen Testtage vor der Saison 2010. WM-Auftakt ist am 14. März in Bahrain.

jar/sid/dpa