Triumph in Malaysia: Mercedes tanzt Ferrari was vor - DER SPIEGEL
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Triumph in Malaysia Mercedes tanzt Ferrari was vor

Ferrari hat derzeit das schnellste Auto in der Formel 1. Das war nicht genug für einen Sieg beim Grand Prix in Malaysia - im Gegenteil, die Italiener erlebten ein Debakel. Der große Gewinner, auch dank klarer Hierarchien: McLaren-Mercedes.
Von Pavo Prskalo
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Ferrari-Crew muss nach der ersten Kurve ordentlich geschluckt haben. Nicht, weil Felipe Massa, der von der Pole Position ins Rennen gegangen war, von McLaren-Pilot Fernando Alonso überholt wurde. So etwas kommt schon einmal vor, der Weltmeister gilt im Vergleich zu Massa als erstklassiger Starter. Nein, die Scuderia-Mechaniker mussten mitansehen, wie sich auch noch Alonsos Teamkollege Lewis Hamilton von Rang vier aus an Massa vorbeiquetschte. Bei seinem Traumstart düpierte der britische F1-Neuling auch den Massa-Kollegen Kimi Räikkönen, Sieger des ersten Saisonlaufs in Melbourne. Alonso führte vor Hamilton, das Ferrari-Debakel in Malaysia nahm früh seinen Lauf.

Qualifikationssieger Massa setzte natürlich danach alles daran, den Kaltstart wieder gut zu machen. Doch anstatt mit den auf den Geraden eindeutig schnelleren Ferrari auf die passende Überholmöglichkeit zu warten, packte den Brasilianer immer wieder die Ungeduld. In der sechsten Runde drängte sich Massa an Hamilton vorbei, bremste allerdings viel zu spät und rutschte kurzzeitig auf die angrenzende Wiese. Teamkollege Räikkönen und Nick Heidfeld (BMW-Sauber) nutzten den Patzer und zogen vorbei. In der zweiten Rennhälfte hatte Massa Glück, dass eine weitere Unachtsamkeit nur dazu führte, dass er den Bordstein touchierte. Es scheint nicht gut bestellt zu sein um das Nervenkostüm des 25-Jährigen.

Nach dem sechsten Rang in Australien und nun Platz fünf hat Massa im internen Duell gegen Räikkönen bereits neun Punkte Rückstand. Schon bald könnte die unklare Rollenverteilung bei Ferrari zu Gunsten des Finnen entschieden werden. Dass es (noch) keine klare Nummer eins bei den Italienern gibt, wurde in den ersten Runden deutlich. Immer wieder rückte Räikkönen an Massa heran, doch einen Überholversuch wagte der Schumacher-Nachfolger nicht.

Wie wichtig eine Hierarchie im Team aber ist, zeigte McLaren-Mercedes. Die Nummer eins, Alonso, fuhr konkurrenzlos vorne weg und ließ das Team nach 20 sieglosen WM-Läufen wieder jubeln. Zugleich hielt Hamilton die Ferrari-Konkurrenz auf und Alonso somit den Rücken frei. "Lewis hat die Sache hervorragend gemacht", lobte Alonso. Dass sich der Brite aber von Startplatz vier auf Rang zwei schieben würde, damit hatte auch der Spanier nicht gerechnet. "Aber so bekam ich einen großen Vorsprung - und ein relaxtes Rennen", sagte Alonso, der sich in Australien vor drei Wochen noch mit Rang zwei hatte begnügen müssen. Am Ende waren es in Sepang fast 20 Sekunden Vorsprung auf Räikkönen. Der Renndritte, auf der Pressekonferenz mit hochrotem Gesicht von der Hitze auf der Strecke gezeichnet, wirkte resigniert. "Viel mehr war nicht drin. Wir haben das Beste draus gemacht", sagte Räikkönen.

Während Vater Hamilton am Streckenrand vor Freude über den zweiten Platz seines Sohnes weinte, sprach dieser vom "härtesten Rennen" seiner Fahrerkarriere. "Die zwei Ferrari hinter mir zu lassen war wirklich ungemein schwer", sagte der 22-Jährige nach seinem zweiten Podiumsplatz im zweiten WM-Lauf. Die Leistung imponierte auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der angesichts der abgebrühten Abwehrarbeit Hamiltons vom "frechen Lewis" sprach.

Ebenso zeigte sich Haug von der Konkurrenzfähigkeit der Silberpfeile beeindruckt: "Nach dem Eindruck von Melbourne bin ich überrascht, dass es nun so schnell gepasst hat. Wenn hier etwas geht, geht überall etwas." Zuletzt hatte McLaren-Mercedes in Japan 2005 gesiegt - mit Räikkönen. Ihm weint bei den Silbernen niemand hinterher. Stattdessen freut man sich über die deutliche Führung in der Teamwertung. Schon neun Punkte beträgt der Vorsprung auf Ferrari (32:23). Der Dritte BMW-Sauber (zehn Punkte) ist bereits abgeschlagen.

Dennoch ziehen die Münchner eine positive Bilanz. Heidfeld wurde auch im zweiten WM-Lauf dieser Saison Vierter. "So zufrieden war ich selten nach einem Rennen", sagte der 29-Jährige. "Dass ich mit Massa einen Ferrari hinter mir lassen würde, hätte ich nie gedacht." In den Runden 14 und 15 - die Konkurrenz war in der Box - führte Heidfeld das Feld sogar an. Es war erst seine zweite Führung in einem Grand Prix nach dem Rennen auf dem Nürburgring 2005.

Enttäuscht verließen dagegen die weiteren deutschen Fahrer die Rennstrecke. Pech hatte Nico Rosberg, der in der 44. Runde an siebter Stelle liegend wegen technischer Probleme ausfiel. Der Deutsche beendete erst die Hälfte seiner insgesamt 20 F1-Rennen. "Ich könnte heulen im Moment. Ich habe mir den Hintern abgefahren, und dann muss ich das Auto abstellen", sagte Rosberg. Für Adrian Sutil war das Rennen im Spyker schon nach wenigen hundert Metern nach einer Kollision beendet.

Ralf Schumacher kam zwar ins Ziel, bliebt aber ohne Punkte. Im Qualifying noch Neunter, landete der Toyota-Fahrer auf einem schwachen 15. Platz - was wohl den Premiere-Kommentator dazu verleitete, etwas wehmütig auf die erfolgreichen Zeiten des älteren Schumacher-Bruders zurückzublicken. "Hallo, Michael!" entfuhr ihm ein Gruß an den siebenfachen Weltmeister.

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