WM-Party Micha und Mika als Rock-Duo
Suzuka - Bis in die frühen Morgenstunden amüsierten sich Schumacher und Häkkinen bei Karaoke und Gerstensaft im Vergnügungspark von Suzuka. "Mika ist definitiv der fairste Verlierer in meinen bisherigen WM-Kämpfen. Ich glaube, umgekehrt war es genauso. Die beiden vergangenen Jahre habe ich ja verloren, jetzt kommt das Echo zurück. Er verhält sich vernünftig, korrekt, einfach sportsman-like", sprach Schumi nach dem Grand Prix von Japan dem Finnen seine Hochachtung aus. "Da gibt es keine böse Stimmung. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass er mir den Titel gönnt, dass wir in diesem Jahr die Besseren waren. Jedenfalls kommt das so rüber." Der Kerpener lobte Häkkinen: "Er ist der netteste WM-Partner, den ich je hatte - aber auch der stärkste."
Der Ferrari-Superstar bewies auch beim Feiern weltmeisterliche Form. Etappenweise und in den verschiedensten Zusammensetzungen genoss er den süßen Erfolg. Nach den bewegenden Szenen unmittelbar nach dem Rennen zog sich Schumacher mit seiner Frau Corinna, Bruder Ralf und Manager Willi Weber in die Container-Kneipe von Promi-Wirt Karl-Heinz Zimmermann direkt am Kurs zurück. Auf die feucht-fröhliche Runde folgte ein spontan organisiertes Essen mit der gesamten Ferrari-Mannschaft vor der überdachten Box.
Nach dem WM-Dinner mit Curry-Suppe, Steak und Blattsalat bespritzte Schumacher der Reihe nach Teamchef Jean Todt, Technik-Direktor Ross Brawn sowie einige Ingenieure und Mechaniker mit Champagner. Deren Revanche folgte prompt - Schumi musste sich zum wiederholten Male an diesem Tag komplett umziehen. Er entging immerhin den furiosen Ferrari-Friseuren: Gut ein dutzend Teammitglieder mussten nach dem ersten Fahrertitel seit 21 Jahren Haare lassen.
Auch der Kölner TV-Sender RTL hatte Grund zum Feiern: Bis zu 10,14 Millionen Formel-1-Fans hatten am frühen Sonntagmorgen den Wecker gestellt und erlebten die Zieldurchfahrt des neuen Weltmeisters Michael Schumacher live im Fernsehen. Im Schnitt verfolgten 7,54 Millionen Zuschauer die RTL-Übertragung vom Japan-Grand-Prix. Der Marktanteil lag bei 77,6 Prozent. "Dieser WM-Sieg war zweifelsfrei der Höhepunkt unserer Formel-1-Berichterstattung der vergangenen zehn Jahre", freute sich RTL-Informationsdirektor Hans Mahr. Der Privatsender hatte 150 Mitarbeiter im Einsatz.