1. FC Köln: Trainer Peter Stöger im Interview - DER SPIEGEL
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Köln-Trainer Stöger "Ich habe nicht viel zu verlieren"

Der 1. FC Köln hat eine ordentliche Hinrunde hingelegt. Doch auf gutem Bundesliganiveau ist der Aufsteiger noch nicht. Der österreichische Trainer Peter Stöger über die schlechte Heimbilanz und neue Offensivpläne.
Köln-Trainer Stöger: Nie auf einem Abstiegsplatz
Köln-Trainer Stöger: Nie auf einem Abstiegsplatz

Köln-Trainer Stöger: Nie auf einem Abstiegsplatz

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Herr Stöger, Sie haben Ihre erste Halbsaison als Bundesligatrainer hinter sich. Sind Sie gut angekommen?

Stöger: Ich denke schon. Wir standen nie auf einem Abstiegs- oder dem Relegationsplatz und haben uns immer in dem Bereich bewegt, der unserem Ziel entspricht: dem Klassenerhalt. Mit dem elften Platz sind wir einigermaßen zufrieden. Es ist aber auch normal, dass es noch Sachen zu verbessern gibt.

SPIEGEL ONLINE: Beim 1. FC Köln ist das zum Beispiel die Heimbilanz. Vor eigenem Publikum haben Sie in dieser Saison nur einmal gewonnen und schon viermal verloren.

Stöger: Wir haben mehr Punkte auswärts geholt, was vielleicht etwas ungewöhnlich ist für einen Aufsteiger. Zu Hause hatten wir in einigen Spielen Pech, waren nicht abgebrüht genug. Da wären sicher zwei, drei Punkte mehr drin gewesen. Wobei ich natürlich weiß, dass die Fans in Köln auch nach einem Unentschieden gegen Freiburg, Hertha oder Augsburg nicht glücklich nach Hause gehen. Das macht diese Stadt aus.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Stöger: Die Kölner sind unglaublich emotional und begeisterungsfähig. Aber bei allem, wofür man besonders viel Sympathie empfindet, leidet man auch über die Maße, wenn es mal nicht läuft. Das leidenschaftliche Umfeld macht die Arbeit in Köln spannend, aber vielleicht auch schwieriger.

SPIEGEL ONLINE: Sie beschreiben sich selbst als unlustig. Wie passt so jemand ins lustige Köln?

Stöger: Köln ist eine offene Stadt, man kommt schnell an. Ich habe mich sehr schnell eingelebt und fühle mich total wohl in Köln. Abgesehen von den Urlaubszeiten war ich in den vergangenen anderthalb Jahren nur einmal in Wien.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Wechsel vom österreichischen Meister und Champions-League-Teilnehmer Austria Wien zum damaligen Zweitligisten 1. FC Köln war mutig. Stehen Sie auf Risiko?

Stöger: Ich bin Fußballtrainer, ich habe nicht viel zu verlieren. Für mich war es eine Riesenchance, nach Deutschland zu gehen. Klar, in Österreich hätte ich die Champions League gehabt, für sechs Spiele, wunderbar. Der Gedanke daran, mich in Deutschland zu zeigen, war bei mir viel stärker als die Angst, in Österreich etwas liegen zu lassen. Wenn es schief gegangen wäre, wäre ich eben wieder nach Hause gegangen.

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Foto: A3250 Oliver Berg/ dpa

SPIEGEL ONLINE: Die Kölner Öffentlichkeit empfing Sie mit Skepsis.

Stöger: Wenn man sieht, wie wenig präsent der österreichische Fußball in Deutschland ist, ist das nur verständlich. Mit meiner Person konnte man nichts anfangen. Ich war auch nicht gekränkt, dass ich nicht der einzige Kandidat für den Trainerposten in Köln war. Wenn man nicht in einer Größenordnung unterwegs ist wie Jürgen Klopp oder Pep Guardiola, dann darf man da nicht dünnhäutig sein. Die Vereinsführung ist ein großes Risiko eingegangen mit meiner Verpflichtung.

SPIEGEL ONLINE: Es heißt, Sie hätten die Fähigkeit, eine Mannschaft zusammenzuschweißen. Wie geht das?

Stöger: Der Grundwesenszug eines Trainers sollte sein, gerne mit Menschen zusammenzuarbeiten. Die Spieler müssen das Gefühl haben, dass man sie versteht, dass man sie weiterbringen will. Wir müssen nicht über heiße Kohlen laufen oder eine Rafting-Tour zusammen machen, um zu zeigen, dass wir eine Einheit sind. Das tägliche Zusammensein ist entscheidend.

SPIEGEL ONLINE: Zum Start der Rückrunde treffen Sie auf Konkurrenten im Abstiegskampf: den Hamburger SV, Paderborn, Stuttgart. Danach steht das emotionale Nachbarschaftsduell mit Mönchengladbach an. Sind die ersten vier Spiele entscheidend für die weitere Saison?

Stöger: Diese Spiele geben die Richtung vor. Wenn wir daraus sieben oder acht Punkte holen würden, würde das schon sehr helfen.

SPIEGEL ONLINE: Leverkusens Trainer Roger Schmidt hat in der Hinrunde Ihre defensive Ausrichtung gerügt. Auch Ihre Fans würden vermutlich lieber offensiven Fußball sehen. Müssen Sie künftig ein bisschen risikofreudiger spielen, gerade im eigenen Stadion?

Stöger: Das ist fast immer eine unserer Vorgaben. Trotzdem müssen wir weiter kompakt spielen, wenn wir in der Bundesliga bleiben wollen. Die ersten Spiele der Saison sahen so aus: 0:0 gegen Hamburg, 2:0 gegen Stuttgart, 0:0 gegen Paderborn, 0:0 gegen Mönchengladbach. Für das Zustandekommen dieser sechs Punkte sind wir von manchen kritisiert worden, aber sie waren wichtig, um in der Liga anzukommen. Wir können und wollen unser Spiel nicht von heute auf morgen komplett auf den Kopf stellen. Es wird aber auch keiner unserer Konkurrenten den Klassenerhalt alleine über die Offensive schaffen wollen. Mit Ausnahme von Dortmund natürlich.

SPIEGEL ONLINE: Der 1. FC Köln hat in der Hinrunde die zweitwenigsten Tore geschossen. Wie wollen Sie das ändern, ohne Ihr Spiel umzustellen?

Stöger: Wir haben nicht die Möglichkeiten, so zu spielen wie Hoffenheim, das im Vorjahr ein Torverhältnis von 72:70 hatte. Auffällig ist, dass wir fast alle unsere Tore aus dem Spiel heraus geschossen haben, kaum welche nach Standards. Daran müssen wir arbeiten. Und plötzlich sehen wir wesentlich besser aus, ohne unser Spiel zu ändern.

SPIEGEL ONLINE: Der 1. FC Köln hat eine ruhmreiche Vergangenheit, pendelt aber seit fast 20 Jahren zwischen der ersten und zweiten Liga. Für Sie als Zugereisten: Wohin gehört der Verein?

Stöger: Wir müssen ihn so entwickeln, dass er wieder ein festes Mitglied der Bundesliga wird. Dafür muss man einen Schritt nach dem anderen machen - und in Köln müssen die Schritte gefühlt immer ein bisschen größer sein. Ich glaube aber, dass es nur mit kleinen Schritten vorangeht. Es ist keine Schande, auch mal gegen Freiburg zu verlieren.