"11 Freunde"-Kolumne: Ein Schiri, der nichts über Fußball weiß - DER SPIEGEL
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"11 Freunde"-Kolumne Ein Schiri, der nichts über Fußball weiß

Die wöchentliche Exklusiv-Kolumne von Deutschlands bestem Fußball-Fanzine. Heute: Warum man einem Schalke-Spieler niemals den Vorschlag machen darf, im Gelben Trikot aufzulaufen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es soll Leute in dieser Republik geben, die immer schon gewusst haben wollen, dass Bundesliga-Referee Peter Gagelmann, 31 Jahre jung und aus Bremen, noch nicht so richtig viel vom Spiel hinter den Regelbüchern versteht. Fragte Gagelmann die Schalker beim Spiel in Freiburg doch arglos, ob sie denn bitte in gelben Trikots spielen könnten. Der Erfolg von Herrn Gagelmann bei folgenden Geschäftsideen war übrigens auch eher durchschnittlich: 1. Der Verkauf von braun-weißen Trikotsätzen mit Totenkopfaufdruck an die Uwe-Seeler-Traditionself 2. Die unverbindliche Anfrage bei den Toten Hosen wegen der Komposition eines neuen Vereinslieds für den 1. FC Köln, 3. Der Verkaufsstand mit Irland-Fahnen und Papstfiguren vor dem Stadion der Glasgow Rangers, 4. Die Trikotwerbung aller DFB-Auswahlteams für mittelalten Holländer Käse.

Kaufzwang oder Rechtschreibschwäche

Und wo wir im Prinzip ja schon halb im Vorort von Lüdenscheid stehen: Borussia Dortmunds Manager Michael Meier erinnert uns immer mehr an die Hausfrau aus der Werbung, die schon die Waschmittel "Bing", "Bang", und "Beng" im Korb hat und dann noch zwanghaft "Bong" einpackt. Jüngster Fall des Kaufrauschs am Borsigplatz: der Brasilianer Ewerthon. Ein Transfer, der Rätsel aufgibt. Glaubten die Dortmunder, Olafs jüngeren Bruder Ewer Thon verpflichtet zu haben? Oder wurde die feindliche Übernahme des FC Everton nur durch die Rechtschreibschwäche der BVB-Rechtsabteilung verhindert? Sollte letzteres der Fall sein, hätten wir noch einen weiteren heißen Einkaufstipp für die Westfalen: den talentierten Ungarn Liwa Puhl.

Bis dass Rostock euch scheidet

Den Ehering zu verlieren ist so oder so eine unschöne Angelegenheit. Und wenn die Gattin es bemerkt, wird die Stimmung daheim ganz schön rauchig. "Du hast mich nie wirklich geliebt", schluchzt sie und studiert wütend den Passus über Gütertrennung im Ehevertrag. Wir fühlen also mit dem jungen St.-Pauli-Fan, der seine "Silvia" am "7.7.1999" geheiratet hat und seinen Ehering neulich beim FC-Spiel am Millerntor gegen Hansa Rostock verlor. Fragt sich nur, wobei eigentlich? Torjubel kann es ja nicht gewesen sein.

Wälzen wie Sebescen

Viele Bundesligaprofis nennen als ihr Lieblingstier den Collie oder Schäferhund. Seit Samstag wissen wir: Zumindest Zoltan "Ruck-Zuck" Sebescen (Bayer Leverkusen) mag eher den sterbenden Schwan. Seine eingesprungene Pirouette nach Ballverlust mit anschließendem wilden Gewälze auf dem Rasen hatte wirklich dramaturgische Klasse. Eine astreine Macbeth-Sterbeszene, wie sie die Theater-AG irgendeiner Droste-Hülshoff-Gesamtschule nicht überzeugender hingelegt hätte. Und wer weiß, vielleicht nimmt sich ja auch die Nationalelf ein Beispiel an Sebescen: Bei Ballverlust einfach rumkugeln - ein Top-Rezept für die so genannten "Todesspiele" gegen die Ukraine.

Hautprobleme in der Männerdomäne

Ordner in Fußballstadien haben es nicht leicht. Tragen unförmige Leibchen, sind verpflichtet, Rentnerinnen nach Rauchpulver abzutasten und müssen sich obendrein noch allerlei Beschimpfungen von Seiten der Gästefans anhören. Gemäßigtes Vokabular der Preisklasse "Strauchdieb", mit dem bei diesen Anlässen hantiert wird, ist ja noch aushaltbar. Nun hat sich aber kürzlich im Jadestadion zu Wilhelmshaven ein Auswärtsfan mächtig im Ton vergriffen. Einer Ordnerdame (!) hatte er Ungeheuerliches zugezischt. Was genau, wollte sie zuerst nicht sagen, rückte schließlich aber doch damit heraus: Zellulitis habe der Flegel ihr unterstellt. Der Strolch wurde kurzerhand rausgeworfen. Eine viel zu milde Strafe, findet das einzige weibliche "11 Freunde"-Redaktionsmitglied und fordert lebenslanges Stadionverbot nebst Sicherheitsverwahrung. Wir Männer, nun ja, wir schließen uns an.