1860 - Bremen 2-1 "Es war ein Arbeitssieg"
München - Ein Kraftakt im Hochsommer hat dem TSV 1860 München nicht nur einen 2:1-Heimsieg über Werder Bremen beschert, sondern vor dem wichtigsten Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte gegen Leeds United auch wie erhofft das Selbstvertrauen genährt - und wertvolle Energie gespart. "Es war ein Arbeitssieg. Nur der Erfolg war wichtig. Mit dem Sieg im Rücken regeneriert sich das Team bis Mittwoch schneller", bilanzierte Coach Werner Lorant aufgeräumt nach dem von 28.200 Zuschauern verfolgten ersten Heimspiel der noch jungen Bundesliga-Saison.
Erst am Mittwoch soll im Rückspiel der Champions-League-Qualifikation gegen die Engländer durch das Erreichen der Königsklasse eine neue Zeitrechnung für den Arbeiterverein im Schatten der großen Bayern ausgerufen werden. Es gilt ein 1:2 aufzuholen. Auf dem Weg zum großen Sport und Geld setzen die 60er derzeit dabei ausgerechnet die einstige Erfolgstaktik des ungeliebten Lokalrivalen und Rekordmeisters perfekt um: Kühl spielen, auf die Chance warten, dann zuschlagen. "Drei Punkte sind eingefahren. Die erste Aufgabe ist erledigt. Zweite folgt am Mittwoch", resümierte Torhüter Michael Hofmann entsprechend abgeklärt.
Kaum nennenswerte Einschussmöglichkeiten erspielten sich die Gastgeber. Dennoch blieben sie gegen die defensiven Bremer trotz des Rückstandes durch Andreas Herzog (14.) ruhig. Nach einem perfekten Freistoß von Thomas Häßler (44.) vor der Pause entschieden die "Blauen" erst zum Schluss durch ihren neuen Goalgetter Paul Agostino (81.) die Partie. "Die Mannschaft hat sich zusammengerissen", fand Lorant, dessen Team in den letzten Wochen immer häufiger Wege aus den kleinen Krisen eines Spiels findet. Ganz im Stil der alten Bayern eben, die derzeit allerdings eher als "Dream Team" auftreten. Doch blieb Lorant keineswegs verborgen, dass "wir noch drauflegen müssen. Aber wir sind ja noch früh in der Runde".
Nicht mehr drauflegen, sondern nur noch Niveau halten, heißt es für Paul Agostino, wenn auch Sturm-Kollege Martin Max vor dem Spiel die Torjägerkanone für seine Meriten aus der Vorsaison in die Hand gedrückt bekam. "Fußball ist eine verrückte Welt", staunte Agostino, nachdem er nach dem Hinspiel in Leeds und der Begegnung beim Hamburger SV zum dritten Mal hintereinander einen wichtigen Treffer kommentierten durfte. Selbst der Chef geriet ins Schwärmen: "Agostino ist ein sehr guter Spieler", lobte Lorant. Auch dem ordentlich Regie führenden Thomas Häßler attestierte er "eine erstklassige Leistung".
Dafür brauchte Werders Coach Thomas Schaaf nicht lange nach Gründen für die Auswärtsniederlage zu suchen, obgleich sein Team die Auswärtsschwäche aus der Vorsaison nahtlos mit in die neue Spielzeit schleppte: Seit nunmehr zehn Spielen sind die Hanseaten in der Fremde ohne Sieg. "Wir haben zehn Leute weg und bekommen heute die Quittung", erklärte Schaaf in Anspielung auf die Länderspiel-Woche. Viele seiner Auswahl-Akteure aus aller Herrenländer hatten kraftraubende Reisen hinter sich. Marco Bode, Andreas Herzog oder Claudio Pizarro kehrten gar mit Blessuren oder krank zurück. Doch Schaaf flüchtete sich keinesfalls in Ausreden: "Wir kontrollieren die erste Halbzeit und lassen das 1:1 zu. In der zweiten Hälfte kontrollieren wir auch." Abermals umsonst.
Von Matthias Schneider, dpa