1860 - Dortmund Rosicky fällt länger aus
München/Dortmund - Die Hiobsbotschaft kam am Tag nach dem 3:1 (0:0)-Sieg beim TSV 1860 München. Zwar hatte Borussia Dortmund am Samstag im Olympiastadion schon auf den verletzten Spielmacher Tomas Rosicky verzichten müssen, jetzt aber kommt es noch bitterer für den BVB. Denn der 21-jährige Ausnahmespieler, der sich unter der Woche beim WM-Relegationsspiel gegen Belgien (0:1) einen Muskelfaserriss an der Wade zugezogen hatte, wird eine Zwangspause von zwei Wochen einlegen müssen.
Damit wird Rosicky am Donnerstag im Uefa-Cup beim FC Kopenhagen und im Bundesliga-Spitzenspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am Sonntag fehlen. Kommentar von BVB-Coach Matthias Sammer: "Das trifft uns hart, aber jetzt müssen andere für ihn einspringen." Sorgen macht man sich in Dortmund auch um Mittelfeldspieler Stefan Reuter, der nach einem Zusammenprall mit dem "Sechziger" Didier Dheedene am Samstag mit zehn Stichen über dem rechten Augen genäht worden war.
"Wir haben einfache Feher gemacht"
Wer in moralischen "Auge um Auge"-Kategorien denkt, könnte meinen, die Dortmunder seien damit zu Recht für das Glück bestraft worden, mit dem sie am Samstag in München den sechsten Sieg im siebten Auswärtsspiel dieser Saison davon getragen hatten. "Wir haben zu wenig investiert, haben einfache Fehler gemacht. Aber ich habe schon großartige Spiele von uns gesehen, die wir nicht gewonnen haben", befand Sammer nach dem Abpfiff vor 27.200 fröstelnden Zuschauern. Sein Manndecker Christian Wörns sprach von einer "mittelmäßigen Leistung" der Mannschaft des BVB.
In Abwesenheit ihres zuletzt kongenialen Mittelfeldduos Lars Ricken (gesperrt) und Rosicky reichte es für die Borussia nur zu robuster Handwerkskunst. Den Rest besorgten die Gastgeber selbst. Wie schon bei den vorangegangenen Heimpleiten gegen Bayern München (1:5) und Bayer Leverkusen (1:4) luden die "Löwen" mit individuellen Fehlern - diesmal durch Torben Hoffmann und Torwart Simon Jentzsch - ihre Gäste zum Toreschießen förmlich ein. Ewerthon (61. Minute) und Jan Koller (70.) ließen sich nicht lange bitten. Nach Thomas Häßlers (78.) Anschlusstreffer besorgte Marcio Amoroso (81.) mit einem Foulelfmeter die Entscheidung.
Heinrichs Meisterschaftsträume
Mit drei Punkten Rückstand auf die zweitplatzierten Bayern und deren fünf auf Tabellenführer Leverkusen mischt der Tabellenvierte Dortmund im Titelkampf weiter mit. Was den nach drei Monaten Verletzungspause gegen "Sechzig" ins Team zurückgekehrten Jörg Heinrich sogar dazu animierte, von großen Vorhaben zu sprechen: "Ich bin schon mal Meister geworden mit Dortmund. Ich werde das gerne wieder, von mir aus auch schon diese Saison."
Von solchen Ideen ist man beim TSV 1860 München indes weit entfernt. Vier Spiele hat die Mannschaft unter der Verantwortung von Trainer Peter Pacult absolviert, drei davon verloren. Und so haderte Pacult am Samstag mit Schiedsrichter Torsten Koop (Lüttenmark). "Deine Mannschaft wird bestraft, dein Verein wird bestraft, aber wer bestraft die Schiedsrichter?", zürnte Pacult, der vehement an der Rechtmäßigkeit von Koops Elfmeterpfiff zweifelte und sich über ein vom Referee zuvor nicht geahndetes Foul an seinem Spieler Erik Mykland erregte.
"Es ist halt so, dass im Moment keine Alternativen da sind", sagte Karl-Heinz Wildmoser resignierend. Dem "Löwen"-Präsidenten wäre der Gang zur Mitgliederversammlung am Montag mit einem Erfolg im Rücken sicher leichter gefallen. Der am Donnerstag verpflichtete kroatische Stürmer Davor Suker wird für die Münchner mangels Fitness wohl frühestens in zwei Wochen auflaufen. Der nach seinem Fußbruch nach einem halben Jahr wieder zurückgekehrte Kapitän Marco Kurz musste mit einer neuen Knöchelblessur gleich beim ersten Saison-Einsatz wieder ausgewechselt werden. Es mutete nicht zuletzt deshalb auch nach Realitätsflucht an, als Pacult nach dem Abpfiff gegen Dortmund sagte: "Wir sind auf einem guten Weg." Der Weg scheint tatsächlich so gut, dass er schnurstracks Richtung Abstiegsplätze führt.
1860 München - Borussia Dortmund 1:3 (0:0)
0:1 Ewerthon (61.)
0:2 Koller (70.)
1:2 Häßler (78.)
1:3 Amoroso (81., Foulelfmeter)
München 1860: Jentzsch - Votava - Hoffmann, Kurz (60. Tapalovic),
Pfuderer - Cerny, Häßler, Mykland, Dheedene (46. Weissenberger),
Bierofka (68. Winkler) - Pürk
Dortmund: Lehmann - Heinrich, Wörns, Metzelder, Dede - Oliseh,
Amoroso (88. Madouni), Reuter (12. Stevic) - Sörensen, Koller,
Ewerthon (89. Bugri)
Schiedsrichter: Koop (Lüttenmark)
Zuschauer:: 27.200
Gelbe Karten: Jentzsch, Mykland / Dede (2), Stevic (3), Heinrich (2)