1860 - Leverkusen 1-2 Doppelschlag nach der Pause
München - Vieles hat Bayer Leverkusen schon unternommen, um Bayern München zu überflügeln. Am Samstag klappte es mit einem Trick der unverfrorenen Art: Bayer hat Bayern einfach kopiert. Erst bezogen Trainer Christoph Daum und seine Mannschaft Quartier im der Stammherberge des Konkurrenten, dann spielten sie beim glücklichen 2:1 (0:0) gegen 1860 München auch noch wie das perfekte Double des deutschen Meisters: Minimaler Aufwand brachte den größtmöglichen Erfolg - erstmals seit dem sechsten Spieltag ist der ewige Jäger wieder der Gejagte.
Für Trainer Daum ist die Rückkehr auf Platz eins, den Bayer zuletzt am 25. September 1999 erobert hatte, allerdings nicht mehr als eine Momentaufnahme: "Die Tabellenführung hat nur statistischen Wert. Die Bayern werden sich durch die Situation nicht beunruhigen lassen." Manager Reiner Calmund warnte sogar, Bayer solle sich "nur nichts drauf einbilden", nun Erster zu sein. Doch die Spieler, wie etwa Jens Nowotny, haben einen zusätzlichen "Kick" bekommen: "Wir gehen jetzt mit noch mehr Selbstvertrauen in die nächsten Spiele."
Am Samstag bewegte sich Bayer zumindest schon mal in Sachen Abgebrühtheit auf einem Niveau mit dem FC Bayern. 34.800 Zuschauer im Olympiastadion mögen sich wie bei zahllosen Münchner Lokalderbys gefühlt haben: Die "Löwen" waren eindeutig besser, die anderen aber gewannen. "Wir wollten so spielen, wie es sonst der andere Münchner Verein in diesem Stadion tut. Ich habe meiner Mannschaft gesagt: Denkt mal an die Bayern, wie die das machen", sagte Daum nach der wenig meisterlichen Darbietung: "Es ging um die drei Punkte, nicht um einen Schönheitspreis."
Spielen wie die Bayern, das heißt für Leverkusens Trainer: "Für 50, 60 Minuten plätschert das Spiel so dahin, dann werden zehn Minuten Dampf und die entscheidenden Tore gemacht." Und das gelang der Bayern-Kopie vorzüglich: Zwei Tore durch Paulo Rink (46.) und Ulf Kirsten (51.) - aus zwei Chancen. Dass die zehn Minuten Dampf gleich nach der Pause abgelassen wurden, kam nicht von ungefähr: "Das war die berühmte Halbzeitansprache, in der ein paar markige Worte fielen", berichtete Daum. Im Klartext: "Jetzt volle Pulle, mit Risiko drauf, und dann zu machen."
Die Reduzierung der ansonsten auf Offensive ausgelegten Leverkusener Spielweise auf ergebnisorientiertes Minimal-Gekicke war allerdings auch aus der Not geboren. Der halbe Kader hatte sich in der vergangenen Woche zu diversen Länderspielen verabschiedet - "die Spieler waren platt", registierte der Trainer. So durften sich die "Löwen" 45 Minuten lang austoben, hatten dabei aber nur eine richtig gute Chance durch Martin Max (7.). Bayer wartete geduldig auf Fehler, nutzte sie aus, und wartete trotz des 1:2 durch Markus Schroth (55.) dann geduldig und gelassen auf den Abpfiff. `Wir waren die bessere Mannschaft, aber wir haben halt fünf Minuten geschlafen und das Spiel verschenkt", klagte Thomas Häßler. Kein Widerspruch aus Leverkusen. `Die bessere Mannschaft waren wir bestimmt nicht", gestand Daum, `aber solche Spiele müssen auch mal dabei sein." Sie enden vor allem auch dann erfolgreich, wenn man, wie Manager Calmund erwähnte, den `Papst in der Tasche" hat. Den wird Leverkusen noch sieben Spieltage brauchen - zumal die Bayern ja noch ihren fast schon sprichwörtlichen `Dusel" haben. sid th jz