2. Bundesliga: Diskussionen um Dynamo Dresden - DER SPIEGEL
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Bielefeld fordert Zweitliga-Ausschluss Diskussionen um gewalttätige Dresden-Fans

Dynamo Dresden steht nach den neuerlichen Ausschreitungen seiner Fans wieder stark in der Kritik. Der Geschäftsführer von Arminia Bielefeld regte einen Ausschluss vom Ligabetrieb an. Dresdner Verantwortliche reagierten irritiert.
Dresdner Anhänger in Bielefeld: Spur der Gewalt
Dresdner Anhänger in Bielefeld: Spur der Gewalt

Dresdner Anhänger in Bielefeld: Spur der Gewalt

Foto: Thomas Starke/ Bongarts/Getty Images
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Hamburg - Erst vor kurzem hatten sich Dynamo Dresden und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf einen Kompromiss geeinigt, nun droht dem Zweitligisten wieder Ungemach. Nach den erneuten Ausschreitungen von Dynamo-Fans in Bielefeld am Freitag hat der erste Konkurrent eine Debatte über einen möglichen Liga-Ausschluss angestoßen. Marcus Uhlig, Geschäftsführer von Arminia Bielefeld, fordert, über harte Strafen zumindest nachzudenken.

"Diese Fans sind eine Schande für den deutschen Fußball", sagte Uhlig der "Neuen Westfälischen Zeitung". Es müssten Überlegungen stattfinden, "ob Dresden nicht auch aus dem Ligabetrieb ausgeschlossen werden soll". Das Ausmaß der Ausschreitungen mache ihn fassungslos: "Bielefeld erlebte am Nikolaustag eine noch nie gekannte Gewaltdimension. Da war die absolute Geilheit auf Gewalt, die kannten überhaupt keine Hemmschwelle."

Die Verantwortlichen von Dynamo reagierten irritiert. "Herr Uhlig, den ich sehr schätze, hat sich im Vorfeld des Spieles noch sehr lobend über die Zusammenarbeit mit uns wegen der Fanproblematik geäußert", sagte Dresdens Geschäftsführer Christian Müller. "Ich kann mir vorstellen, dass er diese Aussage aus einem Schockzustand getätigt hat und sie heute bereut." Ein Ausschluss würde die falsche Leute treffen und an der Problematik nichts ändern, so Müller weiter.

Der DFB forderte von Dynamo eine konsequente Aufarbeitung der Ausschreitungen. "Dresden ist jetzt am Zug. Wir erwarten jetzt erst einmal eine sofortige Reaktion und eindeutige Positionierung des Vereins", so der für Recht zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch zu "Sport Bild Plus". "Es reicht nicht aus, wenn sich nur Geschäftsführer Christian Müller distanziert und entschuldigt." Auch Geschäftsführer Andreas Rettig von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sprach Klartext: "Das Verhalten der sogenannten Fans von Dynamo Dresden ist mittlerweile untragbar geworden. Es kann nicht mehr reichen, sich nur davon zu distanzieren."

Offenbar Anzeichen für geplante Ausschreitungen

Nach Angaben der Polizei hatten die randalierenden Dynamo-Fans in Bielefeld "eine Spur der Gewalt vom Bahnhof bis zum Stadion" hinterlassen. Dabei sollen 17 Polizisten verletzt worden sein, zwei davon schwer. Drei Anhänger waren vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Mehrere Autos und Einsatzwagen wurden demoliert, ein Kino und ein Supermarkt überfallen. Zudem erlitt ein Polizeipferd eine Schnittwunde.

"Das Ausmaß der Gewalt macht uns fassungslos. Wieder haben in schwarz-gelb auftretende Gewalttäter dafür gesorgt, dass wir als Dynamo mit Krawallen, Ausschreitungen, Diebstahl und schwerer Körperverletzung in Verbindung gebracht werden", teilte Müller mit und entschuldigte sich bei den Verletzten.

Die Dynamo-Verantwortlichen müssen sich jedoch fragen lassen, ob sie im Vorfeld ausreichend tätig wurden. Denn die offenbar geplanten Ausschreitungen sollen in der aktiven Fanszene schon vor zwei Monaten ein offenes Geheimnis gewesen sein. Ähnliche Vorabsprachen soll es vor der Pokalpartie im Oktober 2012 bei Hannover 96 gegeben haben. Nach den Krawallen dort wurde Dresden aus dem Pokal ausgeschlossen. Bereits 2011 hatten sich rechtsextreme Hooligans aus Dresden und Dortmund verabredet und in Dortmund randaliert.

Auf Druck der eigenen Mitglieder hatte der Traditionsverein dem DFB gerade erst einen Kompromiss abgerungen, bei dem das Vorstrafenregister der Dresdner gelöscht und die 17 anhängigen Verfahren gegen Zahlung von 30.000 Euro eingestellt wurden. Dafür verzichtete der gebeutelte Club auf eine Zivilklage gegen den Ausschluss aus dem DFB-Pokal. Die Hoffnungen auf einen Neuanfang hielten allerdings gerade einmal eine Woche lang.

"Ich könnte verstehen, wenn diejenigen beim DFB, die sich für einen gemeinsamen Weg eingesetzt haben, jetzt enttäuscht sind", sagte Müller und kündigte Konsequenzen an: "Wie der DFB jetzt reagiert, hängt davon ab, wie wir mit der Sache umgehen. Wir erwarten von der aktiven Fanszene Antworten auf ein paar Fragen, dann werden wir Konsequenzen ziehen."

max/sid/dpa