33. Spieltag Cottbus gerettet, Nürnberg bangt
Hamburg - Der 1. FC Nürnberg darf trotz einer Niederlage bei Hertha BSC Berlin weiter vom Klassenerhalt träumen. Da zehn Dortmunder in Bielefeld ein Unentschieden erreichten, kommt es am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu einem Fernduell um den dritten Abstiegsplatz. Nürnberg empfängt den FC Schalke, der ebenso wie Werder Bremen sein Heimspiel gewann. Damit wird auch die direkte Qualifikation für die Champions League erst am letzten Spieltag entschieden.
Arminia Bielefeld muss in Stuttgart antreten, das am Samstag auf dem Weg ins internationale Geschäft einen Rückschlag in Wolfsburg erlitt. Eine frühe Rote Karte brachte den VfB auf die Verliererstraße, Wolfsburg hat durch den Sieg sogar die Möglichkeit, sich direkt für den Uefa-Cup zu qualifizieren. "Wir müssen hoffen, noch ist es nicht so weit", sagte Wolfsburgs Trainer Felix Magath. Um diesen Platz zittert seit dem heutigen Samstag wieder der HSV, der in Cottbus verlor. Die Lausitzer feierten damit ihren Klassenerhalt. Keine Rettung mehr gibt es für den MSV Duisburg und Hansa Rostock.
Die Rostocker verloren ihr letztes Heimspiel der Saison 1:2 (0:1) gegen Bayer Leverkusen und müssen nach 1992 und 2005 erneut den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. "Der Abstieg ist sehr schmerzlich", sagte der scheidende Hansa-Routinier René Rydlewicz, "wir wollen uns nächste Woche in Bochum ordentlich verabschieden." Rostocks Abwehrspieler Christian Rahn war ebenfalls enttäuscht: "Das war eine sehr, sehr schlechte Saison von uns."
Bayer ist durch den zweiten Sieg in den letzten neun Spielen trotz einer schwachen Leistung zurück im Rennen um die Uefa-Cup-Plätze. Zwei verwandelte Foulelfmeter von Simon Rolfes (40. ) und Gonzalo Castro (58.) brachten die Entscheidung. Den Rostocker Treffer markierte Addy Waku Menga (67.).
Bayern München hat den sechsten Bundesliga-Abstieg des MSV Duisburg besiegelt. Die "Zebras" unterlagen dem bereits feststehenden Meister trotz einer Leistungssteigerng in der zweiten Halbzeit 2:3 (0:3) und haben am kommenden Samstag keine Chance mehr, die Abstiegsplätze zu verlassen. Vor 31.500 Zuschauer in der ausverkauften MSV-Arena hatten Andreas Ottl (3.) sowie Nationalstürmer Lukas Podolski (18. und 20.) die Gäste in der Anfangsphase deutlich in Führung gebracht.
Nach der Pause kamen die Gastgeber zwar noch einmal durch Mihai Tararache (48.) und Markus Daun (54.) auf 2:3 heran, konnten die elfte Heimniederlage in dieser Saison aber nicht mehr verhindern. "Wenn man nach 34 Spieltagen da steht, hat man es verdient", sagte Duisburgs Abwehrspieler Björn Schlicke.
Der 1. FC Nürnberg hat trotz einer Niederlage seine Chance auf den Verbleib in der Bundesliga gewahrt. Die Franken verloren bei Hertha BSC 0:1 (0:0), können aber im Heimspiel am letzten Spieltag gegen Schalke 04 das rettende Ufer noch erreichen. Vor 47.072 Zuschauern erzielte der Brasilianer Raffael in der 74. Spielminute mit seinem vierten Saisontreffer das Tor des Tages.
"Wir setzen voll auf das letzte Spiel, wir wollen das nach Hause bringen", sagte FCN-Trainer Thomas von Heesen. Club-Stürmer Angelos Charisteas sprach von "einer kleinen Chance." Die Nürnberger profitierten im Kampf um den Klassenerhalt von einem unglücklichen Eigentor des Bielefelder Torhüter Rowen Fernandez, das den vorzeitigen Klassenerhalt verpasste.
Beim 2:2 (2:1) im Westfalenderby gegen eine B-Elf von Borussia Dortmund unterlief dem südafrikanischen Nationaltorhüter sieben Minuten vor dem Ende das Missgeschick, als der Ball nach einem Freistoß von Alexander Frei vom Pfosten gegen den Kopf von Fernandez und von dort ins Tor prallte. Ohne diesen Treffer wären die Bielefelder bereits vor dem letzten Spiel beim VfB Stuttgart gerettet gewesen. "Wir werden nicht absteigen", versprach Bielefelds Trainer Michael Frontzeck den Fans einen positiven Saisonabschluss.
Thorben Marx per Foulelfmeter (24.) und Artur Wichniarek (34.) hatten die Ostwestfalen zweimal in Führung gebracht. Den ersten Ausgleich für Dortmund, das das Spiel nach der Gelb-Roten Karte gegen Robert Kovac (76.) in Unterzahl beendete, gelang dem früheren Bielefelder Delron Buckley (28.).
Jubel in Cottbus, Gerangel um Plätze für die internationalen Wettbewerbe
Energie Cottbus hat dagegen mit dem fünften Heimsieg in Folge den Klassenerhalt vorzeitig perfekt gemacht. Dank der überschwänglich bejubelten Treffer von Stiven Rivic (29.) und Dennis Sörensen (83.) feierten die Lausitzer einen hart erkämpften 2:0 (1:0)-Erfolg gegen den Hamburger SV und können einen Spieltag vor Saisonende nicht mehr auf einen Abstiegsplatz rutschen. Der zu wenig durchschlagskräftige HSV muss dagegen noch um die Teilnahme am Uefa-Cup zittern.
"In den nächsten Tagen gibt es ein Volksfest in Cottbus und ganz Brandenburg", sagte Cottbus' Kapitän Timo Rost. Energie-Abwehrspieler Daniel Ziebig ließ seinen Gefühlen freien Lauf: "Das war Wahnsinn, so etwas wünsche ich keinem Fußballer, das war Gänsehaut." Der VfL Wolfsburg ist dem zweiten Uefa-Cup-Einzug seiner Vereinsgeschichte einen großen Schritt näher gekommen. Die Niedersachsen besiegten im direkten Duell zweier Europapokal-Aspiranten den VfB Stuttgart verdient 4:0 (2:0) und rückten auf den sechsten Tabellenplatz vor - punktgleich mit den Schwaben auf Rang sieben sowie den vor ihnen plazierten Teams des HSV und Bayer Leverkusen. Die bislang einzige Qualifikation für das internationale Geschäft hatten die "Wölfe" vor neun Jahren geschafft.
Tore von VfL-Kapitän Marcelinho (16.) und Stürmer Edin Dzeko (22.) brachten die Wolfsburger gegen den entthronten deutschen Meister aus Stuttgart früh auf die Siegerstraße. Nach der Pause erhöhten Abwehrspieler Ricardo Costa mit seinem zweiten Bundesliga-Tor auf 3:0 (55.) und Ashkan Dejagah auf 4:0 (75.) Der VfB musste dabei ab der 18. Minute mit zehn Mann auskommen, weil Kapitän Fernando Meira nach einer Tätlichkeit gegen Gafite Rot sah. "Das war ein bitterer Tag, aber wir stehen morgen wieder auf. Es wird spannend, wir sind aber noch mit dabei", sagte Stuttgarts Manager Horst Heldt.
Auch der Kampf um den direkten Startplatz in der Champions League bleibt bis zum letzten Spieltag spannend. Werder Bremen hat nach dem 6:1 (2:0) gegen Hannover 96 die bessere Ausgangslage. Ein Sieg bei Bayer Leverkusen zum Saisonabschluss am Samstag würde den Hanseaten zum fünften Mal in Serie den Sprung in die lukrative Gruppenphase der Königsklasse sichern. "Es passte alles. Das Spiel war passend zum Wetter mit viel Sonnenschein. Am kommenden Wochenende müssen wir zusehen, dass wir die Dinge selbst regeln. Wir schauen nicht auf die Konkurrenz, sondern nur auf uns", sagte Werders Trainer Thomas Schaaf.
Hugo Almeida (14.), der überragende Naldo (27.) und Tim Borowski (73.), der vor seinem Wechsel zu Bayern München freundlich verabschiedet wurde, Ivan Klasnic (80.), Markus Rosenberg (82.) und Aaron Hunt (87.) bescherten Werder den Kantersieg. Die Gäste kamen in der 90. Minute lediglich durch Szaboics Huszti zum Ehrentreffer. Der Ungar scheiterte zunächst mit einem Elfmeter an Tim Wiese, verwandelte aber den Nachschuss. Mit der ersten Niederlage seit sechs Spielen und einer lustlosen Leistung verspielten die Niedersachsen ihre letzte UI-Cup-Chance.
Auch Schalke 04 darf weiterhin auf die direkte Qualifikation für die kommende Saison in der Champions League hoffen. Der Vizemeister kam zu einem schwer erkämpften 1:0 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt und fuhr damit im fünften Spiel unter dem Interims-Trainerduo Mike Büskens/Juri Mulder die Punkte 11 bis 13 ein. Den einzigen Treffer Tor des Tages erzielte Abwehrspieler Mladen Krstajic (65.). "Wir haben heute kein überragendes Spiel der Mannschaft gesehen. Letztendlich war aber wichtig, dass wir 1:0 gewinnen. Die Rechnung ist jetzt ganz einfach: Wir müssen am letzten Spieltag gewinnen, Bremen muss verlieren", sagte Schalkes Trainer Mike Büskens.
Im neunten Spiel des Tages hat der VfL Bochum beim Karlsruher SC deutlich gewonnen. Der bereits vor dem Abstieg gerettete VfL setzte sich dank der Treffer von Mimoun Azaouagh (45.), Christoph Dabrowski (48.) und Stanislav Sestak (50. ) mit 3:1 (1:0) beim seit langem im Tabellenmittelfeld plazierten Aufsteiger durch. Den Ehrentreffer für den KSC erzielte Kapitän Mario Eggimann (88.).
mig/sid