34. Spieltag Was sonst noch geschah
Hamburg - Für viele Fußball-Experten ist der Bundesliga-Klassenerhalt von Energie Cottbus die Überraschung der Saison. Dementsprechend euphorisch äußerte sich Energie-Akteur Jörg Scherbe nach dem 1:0-Auswärtssieg bei 1860 München: "Drinbleiben ist tausendmal schöner als aufsteigen." Der Saisonabschluss gefiel auch Kapitän Vasile Miriuta: "Ich bleibe zu 99 Prozent bei Energie." Werner Lorant, Trainer von 1860 München, faltete sein Team nach dem Saisonfinale zusammen: "Das hatte mit Bundesliga-Fußball nichts zu tun. Ich bin froh, dass dieses Seuchenjahr zu Ende ist."
"Berti raus"
Weniger froh dagegen ist Rolf Dohmen. Er wurde als Sportdirektor und Interimstrainer von Absteiger Eintracht Frankfurt gefeuert. "Dohmen hat einige unglückliche Situationen erlebt", begründete Aufsichtsrats-Boss Reinhard Gödel die Entlassung. Mit einem Zweitliga-Rekordetat von 50 Millionen Mark und dem neuen Trainer Martin Andermatt strebt die "Diva vom Main" den direkten Wiederaufstieg an. Horst Heldt und Alexander Kutschera müssen den Verein verlassen, auch Kapitän Thorsten Kracht, Karel Rada und Thomas Sobotzik spielen in den neuen Plänen keine Rolle. Die Eintracht-Fans waren auch nach dem 2:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart auf Konfrontationskurs ("Ihr herzlosen, geldgeilen Versager"). Der Trainer vom VfB Stuttgart, Felix Magath, im Januar in Frankfurt entlassen, gab sich entspannt: "Dieses Spiel war kein besonderes für mich. Allerdings war ich schon erleichtert, dass es für beide Mannschaften um nichts mehr ging."
Mit "Berti raus" verabschiedeten die Fans von Bayer Leverkusen ihren Coach Berti Vogts. Nach dem glücklichen 1:0-Heimsieg über den Tabellenletzten Bochum schimpften auch die Spieler. Carsten Ramelow: "Es muss etwas passieren, so kann es nicht weitergehen." Boris Zivkovic verließ mit einer Schulterblessur kurz vor dem Schlusspfiff den Platz, ohne mit Vogts Rücksprache gehalten zu haben. Leverkusen beendete die Partie mit zehn Mann. Trotz der enttäuschenden Bilanz von elf Siegen, zwei Unentschieden und neun Niederlagen in 22 Ligaspielen will der umstrittene Trainer bleiben: "Ich bin stark genug, ich bin in der Planung." Die Liste der möglichen Nachfolger wird indes immer länger. Neuester Kandidat ist Ivica Osim von Sturm Graz. Dass der Wechsel des Bochumers Yildiray Bastürk, der auf eigenen Wunsch in Leverkusen nicht auflief, zu Bayer feststeht, dementierte Werner Altegoer, Präsident des VfL Bochum: "Der Wechsel ist nicht perfekt. Es soll noch Gespräche geben. Aber Leverkusen ist am Zug."
"Djorkaeff bleibt bei uns"
Einen Punkt schlechter als Leverkusen verfehlte Hertha BSC einen Platz für die Champions-League-Qualifikation. "Die Trauer über die verpasste Chance wird in den nächsten Tagen noch kommen", meinte Hertha-Manager Dieter Hoeness nach dem 1:0-Auswärtssieg auf dem Betzenberg. Andreas Brehme, Trainer des 1. FC Kaiserslautern, schimpfte: "Wir sind hier aufgetreten wie bei einem Freundschaftsspiel." Die Pfälzer sind im nächsten Jahr international nicht vertreten, gehen aber davon aus, dass ihr Welt- und Europameister weiterhin für sie spielt. Vorstandsvorsitzender Atze Friedrich: "Youri Djorkaeff bleibt bei uns. Es gab keinerlei Anfragen für ihn."
Borussia Dortmund, beste Auswärtsmannschaft der Bundesliga, patzte auch zum Saisonabschluss im heimischen Westfalenstadion. Nach dem 3:3 gegen den 1. FC Köln schimpfte Coach Matthias Sammer: "Da muss etwas im Kopf nicht stimmen." Vor allem in der Offensive stimmte es erneut nicht, weshalb Manager Michael Meier mit Jan Koller (Anderlecht), Javi Moreno (Alaves) und Claudio Pizarro (Bremen) verhandelt.
Der 1. FC Köln beendete die Saison als bester Aufsteiger auf Platz zehn. Trainer Ewald Lienen war zufrieden, "auch wenn uns am Ende ein wenig die Luft ausgegangen ist."
"Nächstes Jahr geht es rund", freut sich Sebastian Kehl vom SC Freiburg auf die Reise nach Europa. Durch das 4:1 gegen Wolfsburg erreichten die Breisgauer zum zweiten Mal den Uefa-Cup. In den UI-Cup hingegen muss der ambitionierte VfL Wolfsburg, dessen Trainer Wolfgang Wolf anerkennen muss: "Freiburg hat auch in dieser Höhe verdient gewonnen."
Herzog vs. Allofs
Trotz des 3:0-Heimsieges gegen Hansa Rostock hängt der Haussegen bei Werder Bremen schief. Der abwanderungswillige Spielmacher Andreas Herzog will nun doch an der Weser bleiben. Manager Klaus Allofs ist darüber verärgert: "Mit dieser Geschichte haben wir eine Menge Energie vergeudet. Herzogs Verhalten war einfach nicht in Ordnung." Herzog, dessen Vertrag bis 30. Juni 2002 läuft, goss erneut Öl ins Feuer: "Vielleicht hasst Allofs mich so sehr, dass er mich loswerden will. Für mich steht fest, dass er mich seit anderthalb Jahren nicht mehr haben will." Auch die Zukunft von Torjäger Claudio Pizarro ist ungewiss. In der kommenden Woche wird weiter darüber verhandelt, ob der Peruaner auch in der kommenden Saison seinen Kontrakt erfüllt oder von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch macht, nach der er für eine Ablösesumme von 15 Millionen Mark den Verein vorzeitig verlassen kann. Hansa Rostock hätte ein Unentschieden im Weserstadion zur UI-Cup-Teilnahme gereicht. Trainer Friedhelm Funkel schien die klare Niederlage aber nicht wirklich zu stören: "Wir haben unsere Chancen nicht genutzt. Einen schönen Urlaub allerseits."