Logbuch eines Fußballprofis: Rendezvous mit dem Musculus Semitendinosus - DER SPIEGEL
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Logbuch eines Fußballprofis Rendezvous mit dem Musculus Semitendinosus

Die Kolumne des Rostocker Bundesligaprofis Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Geduldsspiele in Zeiten der Rekonvaleszenz oder warum der Trip auf die Malediven nur eine Phantasie ist.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Gute am Beruf des Leistungssportlers ist die Tatsache, dass man im Laufe der Zeit ein relativ gutes Körpergefühl entwickelt. Was ich sagen will: man weiß ziemlich schnell, ob es sich bei dem reißenden Schmerz im Oberschenkel bloß um eine harmlose Muskelverhärtung beziehungsweise eine nicht mehr ganz so harmlose Zerrung handelt. In meinem Fall wusste ich sofort, dass es sich wahrscheinlich um eine noch weniger harmlose und somit langwierigere Geschichte handeln wird.

Die Untersuchungen im Krankenhaus bestätigten leider meine bösen Vorahnungen. Die Diagnose lautet wie folgt: Teilabriss der Sehne des Musculus Semitendinosus. Das sagt Ihnen nichts? Hat es mir bisher auch nicht. Entscheidend war für mich vielmehr die Information unseres Mannschaftsarztes, der mir mitteilte, dass ich mir die nächsten sechs bis acht Wochen keine Gedanken um Bundesligafußball machen müsse.

Nachdem ich diese Nachricht verdaut hatte, fing ich an zu spekulieren, wann ich wohl wieder spielen kann. Ich weiß nicht, ob es allen verletzten Sportlern so geht wie mir, oder ob mich die bereits erlebten Verletzungen so abgestumpft haben. Ich habe an mir beobachtet, dass mich kein besonders großes Gefühl des Zorns oder der Wut gepackt hatte. Auch habe ich mir in keiner Sekunde gesagt, dass diese blöde Verletzung ausgerechnet in einem lächerlichen Freundschaftsspiel passiert ist. Ich war nur erleichtert, dass nicht etwas noch Schlimmeres geschehen ist. Wahrscheinlich steckt in meinem Unterbewusstsein immer noch mein Schienbeinbruch von vor zwei Jahren.

Was macht ein lädierter Fußballer während der ungewollten Auszeit? Sie denken jetzt vielleicht, dass man doch mal für zwei Wochen auf die Malediven fliegen oder zumindest andere angenehme Dinge erledigen könnte. Hab ich früher auch immer gedacht, trifft aber bedauerlicherweise nicht zu. Die nächsten Wochen werde ich meinen Tag mit Koordinationsübungen, Muskelaufbau und krankengymnastischen Behandlungen verbringen, mit dem Ziel, möglichst bald wieder fit zu sein.

Ich weiß, dass das nicht wirklich schlimm ist. Aber ich bin nicht gerade der personifizierte Langmut und allein deshalb wird diese Zeit für mich schon schwer genug.