Logbuch eines Fußballprofis: Die große Liebe des Mike B. - DER SPIEGEL
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Logbuch eines Fußballprofis Die große Liebe des Mike B.

Die wöchentliche Kolumne des Rostocker Bundesligaspielers Christian Brand bei SPIEGEL ONLINE. Heute: Wie Mike Büskens vom FC Schalke 04 die herzlose Bundesliga mit Liebe erfüllt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Heute möchte ich Ihnen etwas über die Liebe erzählen. Die Liebe ist ein wichtiges Thema, und schon viele noch "berühmtere" Menschen als ich haben über diese sinniert und geschrieben. Aber hören Sie jetzt meine Geschichte.

In der letzten Woche habe ich in einer Zeitung eine Story über den Schalker Fußballprofi Mike Büskens gelesen. Sie werden jetzt vielleicht denken: Was hat das mit Liebe zu tun? Es war eben keine dieser Skandalgeschichten, wo ein Fußballprofi gerade einmal wieder Frau und Kinder verlassen hat. Nein, es war ein Liebesbekenntnis des Mike B. aus Gelsenkirchen zu seinem Heimatverein, dem FC Schalke 04.

Büskens erzählte aus seiner Kindheit, wie er schon als kleiner Junge für Schalke gespielt hatte und wie schwierig es für ihn gewesen war, sich bis zu den Profis durchzuboxen. Ich las Zeile für Zeile und stellte nach kurzer Zeit fest: Der ist wirklich in Schalke 04 verliebt.

Beim Abschied Tränen in den Augen

Als er davon berichtete, wie man ihn vor zwei Jahren mangels "sportlicher Perspektive" zum MSV Duisburg ausgeliehen hatte, konnte ich für einen Moment nachempfinden, wie Mike Büskens beim Abschied von "seinem" Verein die Tränen in den Augen standen.

Bei vielen anderen meiner Profikollegen hätte ich an dieser Stelle wohl nur mit den Achseln gezuckt und gesagt: Tja, so ist das Geschäft. Nicht aber in dieser Geschichte. Denn Mike B. kehrte aus Duisburg nach Schalke zurück und hatte in Anbetracht der scheinbar übermächtigen Konkurrenz im Team eigentlich keine Chance mehr, noch einmal für seinen Verein in der Bundesliga aufzulaufen.

Gartenarbeit am Punktspiel-Samstag

Er sprach von den Samstagnachmittagen, die er das Autoradio lauter gedreht im Garten arbeitend verbracht hatte, während seine Mannschaft irgendwo um Tore und Punkte kämpfte. Wenn mir der Ausgang der Geschichte nicht schon vorher bekannt gewesen wäre, hätte ich spätestens an dieser Stelle auf ein Happyend gehofft.

Und tatsächlich hat Mike Büskens sich wieder ans und ins Team gekämpft und seine Chance genutzt. In der entscheidenden Phase der Meisterschaft ist er ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft und hat vielleicht die große Chance, mit "seiner Liebe", wie er es nannte, Deutscher Meister zu werden.

Tiefer Einblick ins Seelenleben

Vielleicht hat mir diese kleine Geschichte so gut gefallen, weil es nicht mehr oft vorkommt, dass ein Bundesligaspieler sich so zu seinem Club bekennt und wahrscheinlich alles für diesen geben würde. In Zeiten, in denen Fußballer als Söldner verschrien und als "Scheiß Millionäre" beschimpft werden, ist es eine Seltenheit geworden, dass ein Profisportler so tiefe Einblicke in sein Seelenleben gewährt wie in diesem Zeitungsartikel.

Falls wir in der nächsten Saison wieder gegen den FC Schalke 04 antreten dürfen, werde ich als erstes Mike Büskens um sein Trikot bitten und ihm danach zur Meisterschaft gratulieren.