A-Nationalmannschaft: Interview mit Erich Ribbeck - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

A-Nationalmannschaft Interview mit Erich Ribbeck

Der Fußball-Bundestrainer hat den Konföderationen-Cup in Mexico sportlich schon abgehakt. Jetzt zählt nur noch die EM-Qualifikation.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

sid:

"Erich Ribbeck, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist bereits nach der Vorrunde des Konföderationen-Cups in Mexiko ausgeschieden. Welche Folgewirkungen erwarten Sie im Hinblick auf die nächsten EM-Qualifikationsspiele?"
Erich Ribbeck: "Ich denke, dass diese Ergebnisse auf unsere EM-Qualifikation null Einfluß haben. Wenn wir im September spielen, sind die Spieler sehr wahrscheinlich in der besten körperlichen Verfassung, und mir stehen die besten deutschen Spieler zur Verfügung."

sid: "Der Imageverlust ist aber trotz der bekannten Fitness-Probleme groß ...."
Ribbeck: "Das mag sein, aber das war allen Verantwortlichen, die letztlich diese Reise befürwortet haben, bekannt oder hätte bekannt sein müssen. Mir war es bekannt."

sid: "Welche Erkenntnisse bezüglich der Spieler hat Ihnen diese Reise gebracht?"
Ribbeck: "Positive und negative. Man hat auch gegen die USA gesehen, dass die Spieler nicht wettbewerbsfähig sind. Aber es wäre sicher falsch, ihnen Vorwürfe zu machen. Man hat bei vielen Laufduellen gemerkt, dass das letzte Stückchen gefehlt hat, um den Zweikampf zu gewinnen oder am Mann vorbeizukommen. Das sind Dinge, die jedem Fachmann verständlich sind, aber ich kann nicht erwarten, dass das die Öffentlichkeit versteht. Die Zuschauer wollen gute Ergebnisse, das war hier nicht möglich. Die Spieler konnten zum Teil nicht mehr leisten, weil sie dazu nicht in der Lage waren - nicht aus psychischen Gründen, sondern aus physischen Gründen."

sid: "Welche Konsequenzen werden Sie aus der Mexiko-Reise ziehen?"
Ribbeck: "Ich denke, dass wir diese Veranstaltung intern noch einmal aufarbeiten werden."

sid: "Hatten Sie mit einem solchen Abschneiden gerechnet?"
Ribbeck: "Mir war klar, daß wir gegen Brasilien nur Außenseiter sein würden. Deshalb war ich im Prinzip angenehm überrascht, dass wir eine Stunde mitgehalten haben. Gegen Neuseeland haben wir schlecht gespielt, aber gewonnen. Und gegen die USA war in der zweiten Halbzeit noch einmal ein Aufbäumen zu erkennen. Jeder hat im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht, sein Bestes zu geben. Aber das Beste der Spieler ist im Moment eben nicht gut genug, um einen 0:2-Rückstand aufzuholen."

sid: "War die Mexiko-Reise verlorene Zeit?"
Ribbeck: "Es war im Prinzip verlorene Zeit, wenn man nicht die wenigen positiven Dinge sieht. Die jungen Spieler haben erlebt, wie Brasilien spielt, sie haben erlebt, worauf es ankommt, wenn man gegen Neuseeland oder die USA spielt."

sid: "Müssen Sie sich selbst eine Mitschuld geben?"
Ribbeck: "Ich denke, dass ich im Rahmen meiner Möglichkeiten das Bestmögliche gemacht habe. Das hat nicht gereicht, insofern wird dieses Turnier abgehakt. Meine ganze Konzentration gilt den beiden nächsten EM-Qualifikationsspielen. Ich bin überzeugt, dass wir dann eine ganz andere deutsche Mannschaft sehen werden."

sid: "Glauben Sie, dass die Nationalmannschaft zum letzten Mal an einem solchen Turnier teilgenommen hat?"
Ribbeck: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es aus sportpolitischen Gründen noch einmal so eine Turnierteilnahme geben wird. Ich weiß, dass man nicht immer sagen kann, wir mussten hier spielen wegen der WM 2006. Wir mussten auch hier spielen, weil wir schon einmal verweigert haben. Letztlich muss ich als der Verantwortliche das ausbaden, was vorher versäumt wurde."

sid: "Stehen Sie jetzt in der EM-Qualifikation mehr unter Druck?"
Ribbeck: "Ich stehe als Nationaltrainer immer unter Druck. Meine Augen sind hellwach, ich hatte auch meine Brille mit, ich kann alles lesen und erkenne jeden Trend. Ich glaube, dass mir das hilft, manche Dinge zu verarbeiten. Ich werde alles dafür tun, damit wir in Finnland und gegen Nordirland die nötigen Punkte holen, um gegen die Türkei unsere Chance zu wahren und uns als Gruppenerster für die EM zu qualifizieren."

Mehr lesen über