Abendspiel: Schlecht angefangen, stark aufgeholt
Abendspiel Stuttgart gewinnt Keller-Duell
Hamburg - Der Druck war für beide groß: Durch den unerwarteten Sieg der Kölner am Nachmittag gegen den FC Bayern mussten Borussia Mönchengladbach und der VfB Stuttgart am Abend gewinnen, um den Abstand auf den vermeintlich rettenden Relegationsplatz nicht zu groß werden zu lassen. Mit dem Druck konnte der Gast aus Stuttgart am Ende besser umgehen. Gladbach verlor nach einer 2:0-Halbzeitführung noch 2:3.
"Ich denke, wir haben schon einige Nackenschläge in dieser Saison bekommen. Aber nicht so einen wie heute. Man sieht, dass wir zu Hause angeschlagen sind", sagte Gladbachs Trainer Michael Frontzeck. "Das ist ein bitterer Moment für uns". Durch die Niederlage bleibt Gladbach mit 16 Punkten Letzter, Stuttgart hat jetzt 19 Punkte und konnte den Anschluss an Köln und St. Pauli (je 22) wieder herstellen.
Mönchengladbachs Saison-Heimbilanz wies vor dem Duell mit Stuttgart keinen Sieg aus. Das Gleiche galt für die Auswärtsstatistik des VfB. Beide Mannschaften begannen, als wollten sie zeigen, wie diese Werte zustande kamen. Vor etwa 39.000 Zuschauern entwickelte sich zunächst ein ganz schwaches Spiel. Fehlpässe auf beiden Seiten, kein konstruktiver Spielaufbau und kaum Torchancen prägten das Bild.
Der erste kleine Aufreger ereignete sich in der elften Minute nach einer Standardsituation: Einen Freistoß von Gladbachs Kapitän Filip Daems fälschte Stuttgarts Serdar Tasci ab, VfB-Keeper Sven Ulreich musste klären. Die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia zeigte in den ersten 45 Minuten keine ernsthafte Offensiv-Aktion. Eine Schwalbe von Timo Gebhart im Strafraum der Gastgeber, die Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer mit Gelb ahndete, war der vermeintliche Höhepunkt aus Sicht des Europa-League-Teilnehmers (14.).
Gladbach hingegen steigerte sich und hatte in der 27. Minute durch Igor de Camargo die nächste Möglichkeit. Sein Schuss verfehlte das gegnerische Tor knapp. Die Elf von Michael Frontzeck entwickelte nun mehr Zug zum Tor. Marco Reus scheiterte zunächst bei einem abgeblockten Schuss, dann am glänzend reagierenden Ulreich (28.). Der war kurz darauf das erste Mal geschlagen: Nach einer Ecke von Reus war Dante in der Mitte vollkommen frei. Gladbachs Verteidiger köpfte aus kurzer Distanz wuchtig ein (29.). Stuttgart, bereits zuvor beinahe wehrlos, verlor kurzfristig völlig die Linie.
Nur zwei Minuten später konnte die Borussia erhöhen: Mohamadou Idrissou schickte Reus steil. Der 22-Jährige legte quer zu de Camargo, und der Brasilianer drückte den Ball frei vor dem leeren Tor über die Linie. Aus ihrer Überlegenheit konnten die Gladbacher aber bis zur Pause kein Kapital mehr schlagen. Teilweise leichtfertig verlor das Mittelfeld die Bälle in der Vorwärtsbewegung, allerdings agierte Stuttgart gegen Ende der ersten Hälfte wieder etwas konzentrierter.
Pogrebnjak, Harnik und Gebhart drehen das Spiel
Der Beginn der zweiten Hälfte muss den Gladbacher Fans wie eine schlechte Folge aus "Twilight Zone" vorgekommen sein: Stuttgart hatte die Führung bereits nach elf Minuten egalisiert. Erst waren die Verteidiger Dante und Martin Stranzl mit einer Hereingabe von Martin Harnik überfordert, in der Mitte kam Pawel Pogrebnjak an den Ball und verkürzte (51.). Fünf Minuten später traf Harnik aus halbrechter Position zum Ausgleich. Boka hatte geflankt, Daems konnte nicht mehr stören.
"Das, was wir uns in der Pause vorgenommen haben, haben wir umgesetzt. Entscheidend war, dass wir in der Halbzeit eine Umstellung gemacht haben. Wir haben in der ersten Hälfte gemerkt: Wenn wir Fußball spielen, sind wir stärker", sagte VfB-Coach Labbadia.
Gladbach fand nicht mehr ins Spiel. Teilweise standen sieben Profis am eigenen Sechzehner, um die anrennenden Stuttgarter aufzuhalten. Der VfB blieb aber zunächst zu ungefährlich, um die Passivität des Gegners ausnutzen zu können. Stattdessen erzielte Idrissou nach einer Ecke die vermeintlich erneute Führung für Gladbach. Dante kam im Fünfmeterraum an den Ball, im Getümmel staubte Idrissou ab. Doch Schiedsrichter Kinhöfer hatte zuvor ein Foul an Ulreich gesehen und pfiff die Szene ab. "Das ist für mich ein sauberer Zweikampf", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. "Für mich ist das ein glasklares Tor".
In der 87. Minute entschied Kinhöfer nach einem Zweikampf zwischen Dante und Pogrebnjak auf Elfmeter für Stuttgart. Eberl: "Ich sage aus Gladbacher Sicht, dass Dante den Ball spielt und vor Pogrebnjak am Ball ist." Der Schiedsrichter sah das anders. Dante flog mit Gelb-Rot vom Platz, Gebhart verwandelte den Strafstoß sicher ins linke obere Eck. Der erste Stuttgarter Liga-Auswärtssieg seit dem 23. April 2010 war perfekt. Gladbachs Heimbilanz bleibt die eines Absteigers.
Borussia Mönchengladbach - VfB Stuttgart 2:3 (2:0)
1:0 Dante (29.)
2:0 de Camargo (31.)
2:1 Pogrebnjak (51.)
2:2 Harnik (56.)
2:3 Gebhart (87.)
Gladbach: Heimeroth - Levels, Dante, Stranzl, Daems - Nordtveit, Neustädter (89. Arango) - Reus, Idrissou - de Camargo, Matmour (67. Hanke)
Stuttgart: Ulreich - Funk (46. Kuzmanovic), Tasci, Niedermeier, Molinaro (46. Hajnal) - Träsch, Gentner - Gebhart, Boka - Harnik, Pogrebnjak
Schiedsrichter: Kinhöfer
Zuschauer: 39.132
Gelbe Karten: Dante, Reus (7) - Gebhart (5), Niedermeier (5)
Gelb-Rot: Dante