Abkehr vom Hurra-Stil: Magath knickt ein - DER SPIEGEL
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Abkehr vom Hurra-Stil Magath knickt ein

60 Tage nach seinem Amtsantritt bei Bayern München macht sich bei Felix Magath Ernüchterung breit. Die Mannschaft kritisiert die Trainingsmethoden des neuen Coaches, Magath selbst ist enttäuscht von der Einstellung seiner Spieler und denkt über ein neues System nach.
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München - "Vielleicht muss ich mir Gedanken machen, ob die momentane Ausrichtung nicht zu offensiv war", gibt sich Magath nach dem misslungenen Saisonstart (vier Punkte aus drei Spielen) selbstkritisch. Allerdings ist für den neuen Trainer nicht das Spielsystem Schuld an den nicht erfüllten Erwartungen, sondern mangelnde Einstellung und Einsatzbereitschaft seiner Spieler. "Es hat sich gezeigt, dass man nicht gewinnen kann, wenn man nicht als Mannschaft auftritt und füreinander kämpft", erklärte der 51-Jährige in der "Süddeutschen Zeitung".

Die Bayern, die bereits beim Hamburger SV (2:0) und gegen Hertha BSC Berlin (1:1) nicht hatten überzeugen können, kassierten gegen Leverkusen unmittelbar nach der Pause innerhalb von nur acht Minuten drei Gegentreffer zum 0:4 (Endstand 1:4). Er sei in der Nachbetrachtung des Spiels mittlerweile zu dem Schluss gekommen, "dass unsere Probleme im mentalen Bereich liegen", so Magath, "wir halten nicht richtig dagegen und bleiben deshalb auf der Strecke".

Kritik an Santa Cruz

Allein Michael Ballack schloss Magath von seiner Kritik am Leverkusen-Auftritt aus: "Er hat sich aktiv gegen die Niederlage gewehrt, hat die Situation sehr gut gelöst und sich gestellt. Das würde ich mir auch von den anderen wünschen. Man kann sich nicht immer feiern lassen." Besonders an Stürmer Roque Santa Cruz lässt Magath kein gutes Haar: "Roque ist ein junger Mann und ein lieber Kerl, aber er hat diese südamerikanische Mentalität. Die Südamerikaner verstehen ja oft nicht, dass man besser in Südamerika Fußball spielen sollte, wenn man Spaß am Spiel haben will. Da ist es wärmer, es wird nicht so schnell gespielt, man kann sich mehr Zeit lassen und mehr Dummheiten machen." In der Bundesliga werde aber mehr verlangt, so Magath im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Unverständnis äußerte der im Sommer aus Stuttgart gekommene Coach über die Kritik an seinen Trainingsmethoden. Ballack hatte sich die Leverkusen-Pleite mit fehlender Spritzigkeit infolge der harten Saisonvorbereitung erklärt, in der Bergläufe, Bleiwesten und Medizinbälle auf der Tagesordnung standen. "In zehn Jahren hat mir noch keiner gesagt, dass meine Mannschaft nicht fit sei. Ich muss mich schon sehr wundern, dass sich jeder zu jedem Thema äußern kann", konterte Magath in der "Münchener tz", "ich glaube nicht, dass der Spieler das beurteilen kann. Außer er hat sich mit Trainingslehre beschäftigt." Das Training in München sei "nicht hart, sondern harmlos", fügte Magath hinzu, "in Stuttgart habe ich mehr trainiert als hier."

"Viele Niederlagen können wir uns nicht erlauben"

Doch in München herrscht auch ein anderer Wind als im Schwabenland, besonders bei Misserfolgen. "Bei den Ansprüchen, die der FC Bayern an sich stellt, sind Niederlagen mit erhöhtem Druck verbunden. Viele Niederlagen können wir uns nicht erlauben", weiß auch Magath. Deshalb erwägt er, für die nächsten Wochen zum Sicherheitsfußball von seinem Vorgänger Ottmar Hitzfeld zurückzukehren. "Vielleicht brauchen wir mehr kämpferische Elemente und müssen die Abwehr defensiver einstellen." Grundsätzlich will sich Magath aber nicht von seinem Konzept des offensiv geführten Spiels abbringen lassen. "Es gibt nicht viele, die mit der letzten Saison zufrieden waren", verteidigt sich der Coach, "meine Aufgabe ist es, einen anderen Fußball, einen attraktiveren und auch erfolgreichen Fußball zu spielen."