Absage Vogts gibt DFB einen Korb
Frankfurt/Main - "Die zeitliche Planung des Deutschen Fußball-Bundes ist mit meinem eigenen zeitlichen Vorstellungen nicht vereinbar", heißt es in der Erklärung. Vogts sehe die monatelange Diskussionen damit "als beendet" an. Das DFB-Präsidium wollte erst nach dem Konföderationen-Cup (15. bis 29. Juni) eine Entscheidung über die Besetzung des Postens als Technischer Direktor treffen.
Diese Hängepartie wollte Vogts scheinbar nicht mehr mitspielen. "In den vergangenen Wochen erhielt ich einige Anfragen, konnte diese aber weder unbelastet prüfen noch Entscheidungen fällen, weil die Personalfrage beim Deutschen Fußball-Bund nicht geklärt war", teilte er mit.
Darüber hinaus wollte Vogts ein Zeichen setzen: "Es kann nicht sein, dass sich Jürgen Klinsmann regelmäßig rechtfertigen muss. In die ganze Sache muss endlich Ruhe reinkommen. Eine öffentliche Diskussion über Wochen schadet dem deutschen Fußball. Ich habe mit Jürgen vor der Bekanntgabe meiner Entscheidung gesprochen."
"Ich habe diese Personalie zwar nicht aufgerufen, aber das, was Bundestrainer Jürgen Klinsmann vorgeschlagen hat, findet mein großes Interesse. Ich führe derzeit viele Gespräche, ob wir eine solche Stelle einrichten sollen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger noch Ende April im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Zwanziger zeigte jetzt für den Rückzieher "Verständnis", betonte aber auch: "Wir bleiben bei der verabredeten Linie."
Vogts war von Klinsmann als Idealbesetzung angesehen worden. Der Verband wollte allerdings kurzfristig keine Entscheidung in dieser Angelegenheit treffen. "Nur weil Vogts der Meinung ist, das müsse jetzt entschieden werden, muss der Verband das nicht auch machen", befand Zwanziger damals.
Bierhoff: "Beschlussfassung dem DFB überlassen"
Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, erklärte: "Wir akzeptieren die Entscheidung von Berti Vogts, da seine zeitlichen Vorstellungen nicht mit denen des DFB zu vereinbaren sind. Wir werden uns jetzt voll auf die Vorbereitung der WM 2006 konzentrieren. Wir werden die weitere Beschlussfassung dem DFB-Präsidium überlassen."
Gerhard Mayer-Vorfelder, neben Zwanziger in der Doppelspitze als DFB-Präsident tätig, machte zuletzt kein Geheimnis aus seiner Ablehnung gegenüber Vogts: "Der war seit Jahren nicht mehr hier, wenn ich mich recht erinnere, war er in Schottland. Der hat gar nicht realisiert, was hier gelaufen ist", spottete Mayer-Vorfelder im März.
Angeblich soll die Mehrheit im DFB-Präsidium einer Rückkehr von Vogts, von 1990 bis 1998 selbst Bundestrainer, ablehnend gegenüber gestanden haben.