AC Mailand Trainerrauswurf am Telefon
Mailand - Fatih Terim erfuhr von seinem überraschenden Rauswurf per Telefon in Istanbul, wo er auf einem Seminar über Führungsqualitäten sprach. Eine Ironie des Schicksals. Die mit Titelambitionen gestarteten Mailänder waren nach vier Siegen, drei Unentschieden und zwei Niederlagen nicht mehr an den auch innerhalb der Mannschaft umstrittenen "Führungsqualitäten" des Türken interessiert.
So plötzlich kam Terims Rauswurf jedoch nur, weil "Milans" Wunschtrainer Carlo Ancelotti unmittelbar vor einer Vertragsunterzeichnung beim AC Parma stand. Im letzten Moment schnappte Mailands Vizepräsident Adriano Galliani Parma den designierten Nachfolger des dort zurückgetretenen Renzo Ulivieri weg. "Ich bin zu Ancelotti nach Hause gefahren und wir haben den Dreijahresvertrag vor einem Teller Salami beim Essen perfekt gemacht", erzählte Galliani am Montagabend. Der 42-jährige Ancelotti wird in Mailand rund 3,5 Millionen Mark netto pro Saison verdienen.
Passarella zu Parma
Parmas Senior-Chef Calisto Tanzi reagierte wütend auf den Beutezug des Konkurrenten, weil er sich nun mit der zweiten Wahl, dem ehemaligen argentinischen Nationaltrainer Daniel Passarella, begnügen muss. Und dabei schien zwischen Parma und Ancelotti schon alles geklärt. "Es tut mir leid, aber mein Herz hat mich nach Mailand gerufen", entschuldigte sich Ancelotti beim AC Parma. Als Spieler hatte "Carletto" zwischen 1987 und 1992 mit "Milan" zwei Meisterschaften und zweimal den Europapokal der Landesmeister gewonnen.
Für den in Mailand von Anfang an kritisierten Terim war es der erste Rauswurf seiner Karriere. Nach dem Uefa-Pokalsieg mit Galatasaray Istanbul im vergangenen Jahr war Terim zum AC Florenz nach Italien gewechselt. Nach 20 Spieltagen trat er dort jedoch wegen
eines Streits mit Club-Chef Vittorio Cecchi Gori zurück. AC Mailands Clubchef Silvio Berlusconi holte ihn daraufhin im Sommer als Nachfolger von Interimstrainer Cesare Maldini, der die Mannschaft nach dem Rauswurf von Alberto Zaccheroni übernommen hatte.