Achilles' Spezial: Das Schnix-Prinzip - DER SPIEGEL
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Achilles' Spezial Das Schnix-Prinzip

Die Stars im DFB-Team heißen Schweini, Poldi, vielleicht Ballack. Im Hintergrund aber werkelt einer, der mit dem ganzen Pop-Geschäft nichts zu tun hat: Bernd Schneider, der personifizierte Triumph des fußballerischen Kollektivs über das Spiel selbstverliebter Egomanen.
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Wer Fußball als Unterabteilung des Pop-Geschäfts betrachtet, der konnte sich gestern wieder bestätigt fühlen. Super-Miro hat zweimal getroffen, Prinz Poldi endlich auch und Schweini war sowieso ganz toll. Und der Ballack, der ist ja auch immer total süß.

Unsere vier Teenie-Schwärme in allen Ehren. Aber es gibt da einen, ohne den die meisten Tore gar nicht gefallen wären. Jemanden, der in 69 Länderspielen nur ein einziges Tor geschossen, aber unzählige vorbereitet hat. Ein Rackerer, Kämpfer, Treiber, der vorn und hinten, links und rechts herumwieselt: Bernd Schneider, von den Mitspielern "Schnix" genannt.

Vielleicht ist er der wertvollste, den der Bundes-Jürgen in seiner Truppe hat. Denn Schneider verfügt über einen in Fußballerkreisen eher ungewöhnlichen Charakterzug: Er ist weder eitel noch neidzerfressen. Er kann den Ball flach halten, er kann geben. Vor allem Flanken. Und er fühlt sich wohl dabei.

Der Mann, der einst bei Carl Zeiss Jena kickte, gehört zur ersten Generation der Gesamtdeutschen. 16 Jahre hat er in der DDR zugebracht. Auf einer Kinder- und Jugendsportschule wurde sein Talent gefördert. Seither erntet er den Ruhm im Westen.

Bernd "Schnix" Schneider personifiziert die Stärke dieser deutschen Mannschaft. Denn er stellt sich in ihren Dienst. Das Schnix-Prinzip meint den Triumph des fußballerischen Kollektivs über das Spiel selbstverliebter Egomanen. Das ist eine Entwicklungsstufe weiter als Pop.

Die Grenzen des Popkults sind bei dieser WM so auffällig geworden wie lange nicht. Wer immer überlebensgroß auf Werbeplakaten zu sehen war, der hat seine Großartigkeit auf dem Platz vermissen lassen. Es war dieses peinliche Gefühl des Fremdschämens, was den Zuschauer befiel, wenn er dem trottenden Zidane, einem trampeligen Ronaldo und gestern erst wieder Britney Beckham beim fortgesetzten Scheitern zusehen musste.

Da loben wir uns unseren Schnix. Der könnte auch Werbung machen, aber eher für Getriebe oder Kardanwellen, für solide Sachen, die mal als deutsche Wertarbeit galten. Auf Schnix ist Verlass. Gestern hat er übrigens das Tor von Lukas Podolski vorbereitet.