Alessandro Nesta beendet Karriere - DER SPIEGEL
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Milan-Legende Nesta: Pokale, Pokale, Pokale

Foto: Daniel Dal Zennaro/ dpa

Karriereende von Alessandro Nesta Abschied eines Defensiv-Künstlers

Jetzt ist es tatsächlich vorbei: Weltmeister Alessandro Nesta hat seine Karriere als Profi-Fußballer beendet. Der italienische Abwehrspieler feierte beim AC Mailand seine größten Erfolge und bildete mit zwei anderen Stars legendäre Innenverteidiger-Duos. Zuletzt spielte er in Kanada.
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Hamburg - Es begann auf einer Fähre. Alessandro Nesta war gerade unterwegs nach Elba, als das Telefon auf dem Schiff klingelte. Sein Verein, Lazio Rom, war am anderen Ende und bat den damals 19-Jährigen, seine Urlaubsreise sofort abzubrechen, da die U-21-Mannschaft Italiens ihn für ein Qualifikationsspiel nominieren wollte. Der Verteidiger fuhr schnellstmöglich zurück, wurde Stammspieler und durfte zur U-21-EM 1996. Im Finale siegte Italien gegen Spanien im Elfmeterschießen, Nesta verwandelte den entscheidenden Versuch. Es war der erste Titel von vielen.

Jetzt ist die Karriere von Alessandro Nesta vorbei. Seinen Rücktritt hatte der Innenverteidiger bereits vor zwei Wochen angekündigt, via Kurznachrichtendienst Twitter verkündete der 37-Jährige nun: "Heute ist mein erster Tag als Ex-Fußballspieler. Vielen Dank an alle Menschen, die mir über die Jahre ihre Zuneigung geschenkt haben."

Zwanzig Jahre dauerte Nestas Profikarriere, begonnen hatte er seine Laufbahn in seiner Heimatstadt Rom, wo er auf Drängen seines Vaters bei Lazio anfing, obwohl auch Stadtrivale AS an ihm interessiert war. Dort wurde er 1997 sogar Mannschaftkapitän. Sein damaliger Trainer, der Schwede Sven-Göran Eriksson, sagte über Nesta: "Egal, wie viele Wörter du auch gebrauchst, sie reichen nicht, um auszudrücken, wie gut er ist."

"Teil der italienischen Fußball-Geschichte"

Nesta gewann 1999 mit Lazio den Europapokal der Pokalsieger, zweimal den nationalen Pokal und 2000 sogar die Meisterschaft. Doch nach 193 Erstligaspielen verließ er den stark verschuldeten Verein in Richtung AC Mailand, wo seine Titelsammlung weiter wuchs: Gleich im ersten Jahr gewann der Club die Champions League, im Finale gegen Juventus Turin zeigte Nesta eine überragende Leistung. "Es war die beste Nacht meines Lebens", sagte er später .

Nesta bildete bei Milan mit Paolo Maldini ein überragendes Innenverteidiger-Duo, sie feierten zusammen zahlreiche Titel. "Nesta ist nicht nur auf technischer, sondern auch auf menschlicher Ebene ein Spieler, der nie vergessen werden wird", sagte Maldini über Nesta : "Er ist Teil der italienischen Fußball-Geschichte."

Nesta war gesegnet mit Eleganz, viel Übersicht und einem guten Stellungsspiel. Aus vielen Situationen befreite er sich leichtfüßig, doch er verfügte auch über ein erstklassiges Tackling . Die "Frankfurter Rundschau" schrieb, er sei nicht der Typ, der stur beim Mann steht und grätscht, sondern "ein eleganter, schneller, ein intelligenter Defensivkünstler, der die Bälle eher abläuft, weil er antizipieren kann".

Immer wieder von Rückschlägen geplagt

Weil Maldini bereits 2002 seine Nationalmannschaftskarriere beendet hatte, bildete Nesta dort mit Fabio Canavarro von Juventus Turin die Innenverteidigung. Bei der Weltmeisterschaft 2006 galten sie als das beste Duo der Welt, doch im dritten Vorrundenspiel gegen Tschechien zog sich Nesta eine Adduktorenverletzung zu und saß beim WM-Triumph nur auf der Tribüne.

Es war nur einer von vielen Rückschlägen, die Nesta trotz seiner beeindruckenden Titelsammlung erdulden musste: Auch bei der WM 1998, der WM 2002 und der EM 2004 verletzte sich Nesta im Turnierverlauf schwer. Dem "Fifa Magazine" sagte er einst, er habe "das Gefühl, dass mir das Glück noch etwas schuldet". Sportliche Dramen gab es ebenfalls: 2000 fehlten Italien im Finale gegen Frankreich nur Sekunden bis zum EM-Titel, im Champions-League-Endspiel 2005 gegen den FC Liverpool verlor Milan trotz 3:0-Führung.

2012 wechselte Nesta für seinen Karriereausklang nach Kanada zu Montreal Impact . "Der Rhythmus bei Milan ist mit Champions League, Meisterschaft und Pokalspielen zu intensiv. Ich kann nicht immer spielen, aber ich kann auch nicht auf der Bank sitzen", sagte der 36-Jährige.

Nun ist auch in Kanada Schluss. Nesta, der in seiner Karriere unter anderem von Giovanni Trapattoni, Dino Zoff, Eriksson, Marcello Lippi und Carlo Ancelotti trainiert wurde, will ebenfalls Coach werden. Allerdings erst nach einer kleinen Pause: "Ich denke, ich werde mich einige Monate ausruhen, bevor ich mit dem Lernen beginne."

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