Allofs-Interview: "Statistiken interessieren mich nicht" - DER SPIEGEL
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Allofs-Interview "Statistiken interessieren mich nicht"

Im Hinspiel gab es eine Pleite beim FC Basel, doch am Abend will der SV Werder Bremen vor heimischen Publikum in die Champions League einziehen. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht Werder-Manager Klaus Allofs über schwarze Tage, ein mögliches Ausscheiden und die Macht der Zahlen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Allofs, immer wenn der SV Werder auf europäischer Bühne auswärts mit 1:2 verloren hat, stand nach dem Rückspiel das Aus. Warum soll der Bann ausgerechnet gegen den FC Basel durchbrochen werden?

Allofs: Solche Statistiken interessieren mich überhaupt nicht, weil die Spiele vorher von anderen Mannschaften bestritten worden sind. Heute wird eine Mannschaft auf dem Platz stehen, die diesen Rückstand aufholen wird, da bin ich mir ganz sicher. Weil wir die ausreichende Qualität haben, um uns gegen den FC Basel durchzusetzen.

SPIEGEL ONLINE: Ist Basel wirklich so stark, wie es im Hinspiel den Anschein erweckte, oder kam das Spiel für Werder einfach nur zu einem ungünstigen Zeitpunkt?

Allofs: Man muss sagen, dass Basel sehr gut begonnen hat, sehr lauffreudig war und sehr aggressiv gespielt hat. Sie sind im St. Jakob-Park schon lange ungeschlagen und haben in Europa schon für Furore gesorgt, das haben sie sicher an diesem Abend mit in die Waagschale geworfen. Man muss aber auch offen sagen, dass wir einen ziemlich schwarzen Tag hatten. Wir haben ja erst ab der 70. Minute angefangen, überhaupt Fußball zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Könnte sich der Verein aus finanzieller Sicht überhaupt ein Ausscheiden leisten?

Allofs: Wir wollen es uns nicht leisten. Wir möchten die Einnahmen, die wir in der letzten Saison in der Champions League hatten, in dieser Saison wieder haben. Wir haben das Geld größtenteils wieder in die Mannschaft investiert und möchten die Qualität des Teams auch in den nächsten Jahren hochhalten. Generell sind aber unsere Planungen nicht auf die Champions-League-Einnahmen ausgerichtet. Theoretisch könnten wir auch zwei Spielzeiten ohne Champions League überstehen.

SPIEGEL ONLINE: Im Hinspiel gab der neu verpflichtete Innenverteidiger Naldo keine glückliche Figur ab. Ist es nicht ein Risiko, einen 21-jährigen Brasilianer, der kein Wort Deutsch spricht, für eine Schlüsselposition zu holen?

Allofs: Es gibt keine Alternative, das ist einfach so. Im Training hat er bislang einen sehr guten Eindruck hinterlassen und auch im letzten Bundesligaspiel in Mainz sah er gut aus. Für Werder Bremen gibt es keinen anderen Weg. Wir haben nicht die Möglichkeit, Spieler wie Valérien Ismaël zu halten, wenn reichere Clubs rufen. Und wir können dann auch keine fertigen Spieler von diesem Kaliber als Ersatz verpflichten. Wir müssen weiterhin den Weg gehen, jüngere Spieler zu uns zu holen, die sich dann entwickeln. Da haben wir absolutes Vertrauen in Naldo.

SPIEGEL ONLINE: Wird heute über das Wohl und Wehe vom SV Werder in dieser Saison entschieden?

Allofs: Das ist schon eine wichtige Weichenstellung. Es ist ganz klar, dass eine Saison mit Champions-League-Teilnahme, mit den damit verbundenen Einnahmen und sportlichen Höhepunkten eine ganz andere Qualität hat. Aber wir werden den Spielbetrieb nicht einstellen, wenn wir es nicht schaffen sollten.

Das Interview führte Sven Meyer