Altstar bei Bayer: Ballack wird Dutts Dauerthema - DER SPIEGEL
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Altstar bei Bayer Ballack wird Dutts Dauerthema

Bayer Leverkusen startet mit einer Pokalpleite in die Saison - und Michael Ballack muss als Sündenbock herhalten. Nach seiner Einwechslung fielen die Gegentore. Tatsächlich ist die Rolle des ehemaligen DFB-Kapitäns bei Bayer auch im zweiten Jahr völlig ungeklärt.
Bayer-Star Ballack: Diskussion um seine Rolle im Team
Bayer-Star Ballack: Diskussion um seine Rolle im Team

Bayer-Star Ballack: Diskussion um seine Rolle im Team

Foto: dapd
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Als der Schlusspfiff im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion ertönte, zeigte es Michael Ballack allen Kritikern, die ihn als mittlerweile zu langsam bezeichnen. Im Spurt eilte der 98-fache Nationalspieler davon. Der kleine Sprint hatte jedoch weniger sportlichen als symbolischen Charakter: Der Führungsspieler Michael Ballack rannte als einer der ersten in die Umkleidekabine. Wort- und tatenlos quittierte er die peinliche 3:4-Niederlage im DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden.

Der 34-Jährige wirkte ratlos, seine Körpersprache unsicher. Der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft wird sich die Frage gefallen lassen müssen, ob er in seiner wohl letzten Saison mit der Rolle als Ersatzspieler zurecht kommen wird. Oder wird er, wenn er für sich Einsatzzeiten und gebührenden Respekt einfordert, zu einer Belastung für die Mannschaft?

"Klar: Von außen wird es jetzt an Ballack festgemacht", sagte Robin Dutt nach dem Dresden-Debakel. Der Bayer-Trainer weiß, welchen Stellenwert die Personalie des ehemaligen Weltklassespielers für die Öffentlichkeit hat. Dutt musste sich seit seinem Amtsantritt schon so häufig zum Thema Ballack äußern, dass er mittlerweile das Gefühl haben müsste, so etwas wie sein Pressesprecher zu sein.

"An Ballack allein hat es nicht gelegen"

Und das, obwohl es der Bayer-Coach gar nicht mag, über einzelne Spielern zu sprechen. Dutt stellt den Mannschaftsgeist, das ruhige Arbeiten und die interne Geschlossenheit in den Vordergrund. Laute Töne Einzelner passen ihm nicht. Trotzdem versucht der ehemalige Freiburger Coach sich vor die prägnanteste Persönlichkeit seiner Mannschaft zu stellen: "Mir fehlt einfach die Vorstellungskraft, dass man bei einer 3:0-Führung nicht zwei Spieler wechseln kann. An Michael Ballack alleine hat es sicherlich nicht gelegen."

Aber eben auch an ihm: Ballack war es, der fünf Minuten nach seiner Einwechslung in der 63. Minute den totgesagten Dresdnern neues Leben einhauchte. Das 1:3 durch Sebastian Schuppan fiel, weil Ballack sich beim Kopfball verschätzte. Schuppan nickte das Leder im Rücken der Nummer 13 beinahe unbedrängt ins Netz.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Bayer-Doppel-Sechs bestehend aus Simon Rolfes und Lars Bender den Zweitligisten völlig im Griff. Bayer war drückend überlegen und spielte fast ausschließlich in der Dynamo-Hälfte. Nach Ballacks Einwechslung für Rolfes verlor der Vizemeister völlig den Faden.

Ballack wurde geholt, um Ruhe ins Team zu bringen

Ballack, der Routinier, der zwei Champions-League-Finals absolviert hat und im EM-Endspiel stand, sowie ein Weltmeisterschafts-Halbfinale im Alleingang entschied, wurde vor einem Jahr vornehmlich zu Bayer gelotst, um genau solche Situationen zu meistern. Wenn es gilt, Ruhe ins Spiel zu bringen, eine Führung über die Zeit zu retten. Stattdessen dirigierte er kaum, gab wenig Kommandos. Er, der aus dem defensiven Mittelfeld heraus die Fäden ziehen soll, der seine Mitspieler zum Verschieben, Verteidigen und Angreifen animieren muss, wirkte am Samstag wie ein Balletttänzer, der sich zu Heavy-Metal-Musik bewegt - ohne jeden Rhythmus und völlig aus dem Takt geraten.

Nach dem Dresden-Spiel ist die Frage nach Ballacks Rolle im Team ungelöster denn je. Dass der ehemals torgefährlichste Mittelfeldspieler Europas immer noch genügend Qualitäten für die Bundesliga hat, zeigt er in beinahe jedem Training. Dass er aber noch keinen Rhythmus für 90 Spielminuten besitzt, demonstrierte er zumindest in der vergangenen Saison ebenfalls häufig. Ballack sagt, er könne das nur durch regelmäßiges Spielen ändern. Die Konkurrenz bei Bayer erlaubt das allerdings nicht. Rolfes und Bender wirken zu stabil. Ballack bleibt in der kommenden Spielzeit nur die ungeliebte Rolle als Ergänzungsspieler.

Ob er im Stil von anderen Altstars wie Mehmet Scholl oder Thomas Häßler, die zum Ende ihrer Karriere Kicker für besondere Aufgaben und die letzten Spielminuten wurden, agieren kann, ist fraglich. Die Erfahrungen der Vorsaison sprechen dagegen, dass er die Rolle als Einwechselspieler still akzeptiert. Wenn Ballack es nicht noch einmal schafft, Stammspieler und Führungsfigur zu werden, stehen Bayer Leverkusen und Robin Dutt eine unruhige Spielzeit bevor.