Argentinien gegen Belgien: Javier Mascherano ist der heimliche Chef - DER SPIEGEL
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Argentinien-Mittelfeldspieler: Mascherano, der Messi-Schatten

Foto: JUAN MABROMATA/ AFP

Argentiniens Mascherano Kleiner Chef ganz groß

Immer reden alle über Lionel Messi - doch das Herz der argentinischen Nationalelf ist Mittelfeldmann Javier Mascherano. Für einen Erfolg im Viertelfinale gegen Belgien braucht die Mannschaft einen Ordnungshüter wie "El Jefecito".
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Der argentinische Fußball-Hype schwappt in die brasilianische Hauptstadt Brasília. Er wird zum nächsten Pilgerort der argentinischen Fans, nachdem sie schon Rio de Janeiro, Belo Horizonte und Porto Alegre in der Vorrunde in Ausnahmezustand versetzt und zum Achtelfinale auch vor São Paulo keinen Halt gemacht hatten.

Jetzt ist also Brasília an der Reihe, wo im Estádio Nacional (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF) Argentinien im WM-Viertelfinale auf Belgien trifft. Ein Emporkömmling, sagen viele argentinische Fans, für die nur ein Weiterkommen zählt. Alle Planspiele sind schließlich auf das Halbfinale am Mittwoch und dann auf das Endspiel im legendären Maracanã-Stadion ausgelegt.

Einer will noch nicht so weit denken. "Das erste Ziel ist das Halbfinale. Alles, was danach kommt, ist eine andere Geschichte", sagt Javier Mascherano. Der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler weiß, wovon er spricht. Er war zuletzt stets dabei, als die argentinischen WM-Träume früh platzten. 2006 und 2010 scheiterte Argentinien jeweils gegen Deutschland - jeweils im Viertelfinale.

Er ist immer zur Stelle, wenn eine Lücke zu schließen ist

Mascherano kann auch erklären, woran das speziell vor vier Jahren gelegen hat. In Südafrika saß Diego Maradona auf der Trainerbank, der mehr einen Unterhaltungskünstler denn einen Fußballlehrer gab. Maradona hatte zwar zuvor gesagt, Argentinien, das sei "Mascherano plus zehn weitere Spieler", aber auf dem Feld stand eine "zweigeteilte Mannschaft", wie Bundestrainer Joachim Löw nach dem furiosen 4:0 in Kapstadt verwundert feststellte. Die einen vorne, die anderen hinten - und irgendwo dazwischen der machtlose Mascherano. Das soll sich dieses Mal gegen Belgien nicht wiederholen.

Die Nummer 14, den sie in der Heimat "El Jefecito", der kleine Chef, nennen, gibt in Brasilien mehr denn je den Prototyp des Mannschaftsspielers. Er tut alles, damit Ángel di María und vor allem Lionel Messi glänzen können. Niemand hat in der Gruppenphase mehr Pässe gespielt als Mascherano. Und seine Balleroberungen sind Argentinien ebenso hilfreich wie seine Erfahrung: Er ist immer zur Stelle, wenn eine Lücke zu schließen ist, immer bereit, noch einen Weg nach rechts oder links oder vor allem nach hinten zu machen.

Mitunter weist der Ordnungshüter die Kollegen mit kleinen Gesten an, hier und dort einzurücken. Nur scheint noch nicht so genau klar, ob alle wirklich verstanden haben, dass es nicht nur Genialität in der Offensive, sondern auch Stabilität in der Defensive braucht. Speziell Messi und Kumpel Gonzalo Higuaín erstarren mitunter zur Salzsäure, wenn die Gegner im Ballbesitz sind. Das bekommt der Fernsehzuschauer nicht mit, weil er nur einen Ausschnitt sieht. Aber Nationaltrainer Alejandro Sabella sieht es. Dessen verlängerter Arm auf dem Spielfeld ist nicht derjenige, der die Kapitänsbinde trägt (das ist Messi), sondern derjenige der als Vizekapitän den Laden zusammenhält (Mascherano).

"Wir sind auf einem guten Weg"

Nicht umsonst hat Sabella seinen Musterprofi auch schon mal in Barcelona besucht, um Grundsätzliches zu besprechen. Apropos Barcelona: Mascheranos Arbeitgeber hat den ursprünglich bis 2016 laufenden Vertrag unlängst bis 2018 plus Option auf eine weiteres Jahr verlängert. Sicher ist sicher. Und wenn Xavi tatsächlich nach Katar wechselt, dürfte der im Verein mitunter als Innenverteidiger eingesetzte Mascherano auch bei den Katalanen wieder dort agieren, wo er am wertvollsten ist: im zentralen defensiven Mittelfeld.

Wenn Viertelfinalgegner Belgien so wild aufspielt, wie im Achtelfinale gegen die USA, dürfte auf den argentinischen Wellenbrecher einiges zukommen. Aber der 1,71-Meter-Mann gibt sich selbstbewusst: "Wir haben hier mit jedem Spiel einen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind auf einem guten Weg." Aber noch längst nicht am Ziel. Für eine argentinische Nationalmannschaft kann die brasilianische Hauptstadt nur Zwischenstation sein.