Assauer-Demission Der entmachtete Macho
Gelsenkirchen - Das Ende hatte sich angekündigt, seit Monaten schon. In einem TV-Studio des DSF begann sich die Stimmung zu drehen, das Schalker Denkmal Rudi Assauer bekam die ersten Kratzer. Ein TV-Moderator fabulierte gedankenlos über die angeblichen Trinkgewohnheiten des Managers und musste sich dafür später kleinlaut entschuldigen. Halbwegs unbeschadet überstand Assauer diesen Fauxpas des DSF-Mannes, nun wurden ihm die jüngsten Berichte eines Nachrichtenmagazins zum Verhängnis.
Assauer, der mit Unterbrechungen seit 1981 auf Schalke wirkte, wurde in ein schlechtes Licht gerückt, als der "Focus" am vergangenen Samstag von angeblichen Finanzproblemen berichtete, die den Verein an den Rand der Zahlungsunfähigkeit manövriert hätten. Hat sich Schalke - ähnlich wie zuvor der Revierrivale Borussia Dortmund - beim Aufbau einer teuren Mannschaft und Infrastruktur übernommen? Assauer konnte den Aufsichtsrat zwar davon überzeugen, diese Informationen nicht weitergegeben zu haben - die Stimmung war da aber schon gegen ihn.
Der Rücktritt Assauers beendet diese schleichende Demontage, zurück bleibt ein Mann, der dem Verein zwar in salbungsvollen Worten dankte, tief drinnen aber zutiefst enttäuscht ist. "Entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich", hatte er 1981 orakelt - zweites ist für den 62-Jährigen nun Realität geworden.
Turbulent hatte schon seine erste Amtszeit begonnen, seinen Rauswurf 1986 bezeichnete der Zigarrenraucher später als seinen "größten Tiefschlag". 1993 kehrte er auf den Managerposten zurück und führte den damals vom Abstieg bedrohten Club zum Uefa-Cup-Sieg 1997, zudem wurde 2001 und 2002 der DFB-Pokal gewonnen. Auch in der Champions League mischte Schalke in der Folge mit, zum Kult wurde mit den Königsblauen nach der knapp verpassten Meisterschaft 2001 aber vor allem "Stumpen-Rudi".
Am Ende hatte er aber doch noch das letzte Wort, pathetisch wie immer sagte er, dass Schalke sein "Lebensinhalt" gewesen sei. "Dieses Buch habe ich nun zugeschlagen. Dem Verein werde ich jedoch immer verbunden bleiben. Es war eine einzigartige Zeit, in der wir gemeinsam Großes aufgebaut haben". Gescheitert ist Assauer aber mit seinem großen Traum, erst abzutreten wenn er mit Schalke die Meisterschaft gewonnen hat.
goe/dpa