Assauer-Interview "Hoeneß schießt immer Giftpfeile ab"
Frage:
Herr Assauer, Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge gab vor dem Duell gegen Schalke zum Besten, dass Bayern immer vor Schalke liegen werde. Was halten Sie davon?
Rudi Assauer: Gar nichts, zumindest werde ich darauf nicht reagieren. Als nächstes wird kommen, dass die "Allianz-Arena" auch viel schöner als die "Arena AufSchalke" ist. Mich wundert nur der Sinneswandel in München, dass Werder Bremen inzwischen das Maß aller Dinge sein soll. Früher hatte Uli Hoeneß gegen die geschossen, nun sind wir dran.
Frage: Wie ist im Augenblick Ihr Verhältnis zum Kollegen aus München?
Assauer: Wir haben mal vor einiger Zeit miteinander telefoniert, nachdem er die Giftpfeile gegen uns abgefeuert hat. Das macht er seit Jahren, wenn irgendwelche Konkurrenz aufkommt. Aber seinen Spruch, dass Bayern Meister wird, wenn sie auf Schalke gewinnen, finde ich sogar richtig gut.
Frage: Das heißt, am Sonntag fällt schon die Vorentscheidung im Kampf um den Titel?
Assauer: Für eine Vorentscheidung ist der Weg noch zu weit: Es sind danach noch 27 Punkte zu vergeben. In diesem Jahr brauchst du über 70 Zähler, um den Titel zu holen, vielleicht musst du auf 71, 72 Punkte kommen. Bayern hat zwar auf dem Papier die leichteren Gegner, aber vielleicht ist das ganz gut. Gegen die so genannten Kleinen haben wir uns immer schwer getan. Wenn wir so spielen wie zuletzt, sieht es ganz gut aus.
Frage: Sie sehen Schalke im Vorteil?
Assauer: Wir sind punktgleich, nur unsere Tordifferenz ist schlechter. Aber wir haben ein Heimspiel in der Arena, wo wir alle Duelle mit Bayern gewonnen haben. Also haben wir eine gute Chance, auch am Sonntag zu gewinnen.
Frage: Wie fällt Ihr persönlicher Vergleich zwischen dem "Meister der Herzen" aus dem Jahre 2001 und der jetzigen Schalker Mannschaft aus?
Assauer: Das kann man schlecht vergleichen. Die Mannschaft, die vor vier Jahren Vizemeister geworden ist, hatte ohne Zweifel ihre Stärken. Aber von der individuellen Klasse der einzelnen Spieler ist die Qualität der jetzigen Truppe stärker. Wenn man zum Beispiel die Innenverteidigung nimmt: Marcelo Bordon und Mladen Krstajic, die sind ein anderes Kaliber als damals Tomasz Waldoch und Tomasz Hajto, bei allem Respekt vor den beiden. Aber Bordon und Krstajic, die stehen da wie eine Wand. Bei Hajto wusstest du nie, macht der jetzt einen Bolzen?
Frage: Ist es ein Pluspunkt, dass die aktuelle Schalker Mannschaft mehr Erfahrung im Meisterkampf besitzt als die von 2001?
Assauer: Schwer zu sagen, zumindest glaube ich nicht, dass es damals ein Nachteil war. Wenn ich schon mal Meister war, wie Ailton und Krstajic, dann weiß ich zwar wie es war. Aber die Jungs, die "Meister der Herzen" wurden, waren doch besonders heiß auf den Titel. Die Spieler, die im Sommer 2000 von Absteigern zu uns gekommen sind - Jörg Böhme, Tomasz Hajto, im Jahr davor Tomasz Waldoch - hatten doch nichts zu verlieren. Es scheißt sich doch keiner in die Hose vor der deutschen Meisterschaft, wenn er aus Bielefeld, Duisburg oder Bochum kommt.
Die Fragen stellte Heiko Buschmann, sid