Aufklärung des Wettskandals Schily stellt DFB Ultimatum
Berlin - "Es geht darum, ohne Ansehen von Personen die Sache schnell aufzuklären. Bis zum Confederations Cup muss für Klarheit gesorgt sein", erklärte Schily bei der Präsentation von Sport-Sonderbriefmarken und einer weiteren Münze zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die Generalprobe für die WM findet vom 15. bis 29. Juni dieses Jahres statt.
Der Minister warnte zugleich davor, gleich "alle mit Verdacht zu belegen, nur weil es derzeit wirklich schlimme Dinge gibt". DFB-Präsident Theo Zwanziger räumte ein: "Es ist unser Auftrag, die Dinge sehr schnell zu klären. Wir müssen die sportliche Gerechtigkeit auf dem Rasen wiederherstellen. Das ist unser Ziel. Allerdings ist das im DFB-Pokal gnadenlos schwer. Uns ist klar, dass wir bei Neuansetzungen neues Unrecht schaffen bei allen die sich sportlich für die nächsten Runden qualifiziert haben." Heute findet die erste Verhandlung über ein durch Hoyzer geschobenes Spiel statt: Der DFB muss dabei entscheiden, ob die Pokalpartie der ersten Runde zwischen Paderborn und dem Hamburger SV wiederholt wird.
Zugleich erklärte Zwanziger, dass es ähnliche Strukturen, wie sie im Wettskandal in Berlin ans Tageslicht gekommen seien, nach Kenntnis des DFB in anderen Orten Deutschlands nicht gebe. Mit der Staatsanwaltschaft in Berlin und auch mit dem staatlichen Wettanbieter Oddset gebe es eine gute Zusammenarbeit. "Es gibt keinen Streit mit Oddset, das sind alles prima Menschen, die der Skandal selbst sehr berührt", sagte der DFB-Präsident.
Jansen über zwei Stunden vernommen
Unterdessen ist der durch Hoyzer der Manipulation beschuldigte Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen heute Vormittag rund zweieinhalb Stunden vom DFB vernommen worden. Jansen sagte Zwanziger, dem Kontrollausschuss-Vorsitzenden Horst Hilpert und DFB-Chefjustitiar Goetz Eilers aus.
Der 44-Jährige wollte sich später aber nicht näher äußern. "Kein Kommentar. Ich habe bereits alles am Freitag auf der Pressekonferenz gesagt", erklärte Jansen. Vorwürfe gegen seine Person, Fußball-Spiele manipuliert zu haben, hatte der der Unparteiische dort unter anderem mit Videosequenzen aus den Begegnungen St. Pauli gegen Bayer Leverkusen vom 16. Februar 2002 (2:2) und 1. FC Kaiserslautern gegen Freiburg vom 27. November 2004 (3:0) zu entkräften versucht.
Auch der DFB wollte mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben machen. "Wir haben außer dem Sportgerichtsverfahren auch ein Kriminalverfahren. Und das Sportgericht ist so klug, dies zu übernehmen", sagte der Kontrollausschuss-Vorsitzende Horst Hilpert.
Ob, und wann Jansen auf den Platz zurückkehrt, ließ Hilpert offen. "Der Einsatz von Schiedsrichtern ist nicht Sache des Kontrollausschusses", sagte er, fügte allerdings hinzu: "Wenn ein Ermittlungsverfahren wegen bandenmäßigen Betrugs läuft, ist es aus Fürsorge-Pflicht nicht sinnvoll, einen Schiedsrichter vor 60.000 Menschen pfeifen zu lassen."