Ausrüsterstreit Zwanziger sucht Basis mit Adidas
Hamburg - "Jetzt haben wir bis Ende 2010 einen Vertrag und fühlen uns unserem Wort verpflichtet, bis 2014 zu verlängern, wenn die Bedingungen dies hergeben", sagte Zwanziger im Interview mit dem SPIEGEL. Bis zum 9. März wolle sich das Präsidium positionieren, "entweder finden wir mit Adidas eine Basis oder nicht", sagte Zwanziger. Der amerikanische Konzern Nike hatte dem DFB einen Ausrüstervertrag über acht Jahre von 2011 an geboten für den Fall, dass der DFB-Vertrag mit Adidas noch nicht rechtswirksam über Ende 2010 hinaus verlängert worden sei.
Zu den bevorstehenden Sondierungsgesprächen mit dem Herzogenauracher Ausrüster, der derzeit 11 Millionen Euro pro Jahr zahlt, erklärte Zwanziger im SPIEGEL: "Ich habe gespürt, dass wir für die Nationalmannschaft eine gerechtere Vergütung erwarten können, das will ich offen sagen. Das ist mir durch das Nike-Angebot klargeworden. Wenn man so lange mit einem Partner zusammen ist wie wir mit Adidas, lotet man die Möglichkeiten nicht so aus."
Scharf kritisierte Zwanziger seinen Vorgänger und früheren Präsidentschaftskollegen Gerhard Mayer-Vorfelder, der zu den Ausrüstergesprächen in einem Zeitungsinterview bemerkt hatte, er selbst hätte die Verhandlungen intern geführt und nichts nach außen getragen. "Meine Art, einen Verband zu führen, ist eine andere", sagte Zwanziger im SPIEGEL. "Wenn ich weiß, dass bei Nike tausend Leute von dem Angebot wissen, kann ich es doch nicht meinem Schatzmeister vorenthalten."
Der DFB hatte Mayer-Vorfelder, der kürzlich zum Vizepräsidenten des europäischen Verbandes Uefa ernannt wurde, das angemietete Büro in Stuttgart und das Abonnement für das Sportmagazin "Kicker" gekündigt. "Er ist nicht mehr DFB-Präsident. Wenn die Amtszeit zu Ende ist, dann ist auch die Amtsausstattung weg", erklärte Zwanziger dazu im SPIEGEL. "In dieser Frage muss ich alle gleichbehandeln. Ich kann nichts dafür, wenn Herr Mayer-Vorfelder oder seine Frau kein Gefühl dafür entwickeln, was Amt ist und was privat."
Zu den Folgen der Zuschauerausschreitungen der jüngsten Vergangenheit sagte der DFB-Präsident, die Aufgabe bestehe "nun darin, besonders im Osten den Bodensatz an Kriminellen, Rassisten und Neonazis zu isolieren. Wir müssen zwischen Gut und Böse unterscheiden: Diejenigen, die nicht zu bessern sind, haben in Stadien nichts zu suchen."