Ballack gegen DFB: Genug gezofft - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ballack gegen DFB Genug gezofft

Michael Ballack ist raus aus der Nationalmannschaft, nun streitet sich der Ex-Kapitän mit dem Verband und Bundestrainer Löw, wer wann was verbockt hat. Die Diskussion, wer denn nun gelogen hat, könnte verlogener kaum sein.
Von Jan Reschke
Aussortierter Ballack (rechts), Bundestrainer Löw: Streit um die Wahrheit
Aussortierter Ballack (rechts), Bundestrainer Löw: Streit um die Wahrheit

Aussortierter Ballack (rechts), Bundestrainer Löw: Streit um die Wahrheit

Foto: THOMAS BOHLEN/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lügt Michael Ballack? Oder Bundestrainer Joachim Löw? Das ist völlig egal. Denn wie nun Ballacks Aus in der Nationalmannschaft zustande kam, ist rein sportlich betrachtet völlig irrelevant. Ballack hat seit März 2010 kein Länderspiel mehr bestritten. Selbst als zuletzt vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Simon Rolfes, Sven Bender und Christian Träsch ausfielen, griff Löw nicht auf Ballack zurück. Stattdessen beorderte er lieber Außenverteidiger Philipp Lahm vor die Abwehr und nominierte den Hoffenheimer Sebastian Rudy.

Wenn es also keine sportlichen Gründe gibt, über die es sich zu streiten lohnen würde, was dann? Es geht darum, ob es ein würdevoller Abgang Ballacks ist oder nicht. Er wollte von sich aus gehen. Seinen Abschied selbst verkünden. Im Stile eines großen Spielers. Nun wurde er gegangen. Wie einer von vielen. Für zu schlecht befunden, ausgemustert. So etwas nagt an einem großen Ego, wie Ballack es hat.

Doch er hätte Löws Entscheidung schon lange zuvorkommen können. Warum hat er nicht schon früher erklärt, künftig auf Einsätze im DFB-Team verzichten zu wollen? Die Zeichen der Zeit muss er doch erkannt haben, wenn er davon spricht, dass er in diesem Sommer ohnehin seinen Rücktritt bekanntgeben wollte.

So eine Illoyalität konnte Löw nicht vergessen

Ballack spricht von Signalen Löws, die ihn zum Weitermachen bewegt hätten. Aber, was war nach der erfolgreichen WM 2010 ohne Ballack anderes zu erwarten, als dass Löw auf seinen wenig pflegeleichten Kapitän anschließend verzichten würde? Man muss sich doch nur noch einmal vor Augen halten, was zwischen Ballack und Löw im Jahr 2008 vorgefallen ist. Ballack stellte sich da auf die Seite von Torsten Frings. Der beleidigte Kicker hatte sich lautstark über den Umgang mit ihm beschwert. So eine Illoyalität, zumal von seinem engsten Vertrauten auf dem Feld, konnte Löw nicht vergessen, konnte er nicht durchgehen lassen. Niemand kann sich nun ernsthaft über Löws Entscheidung wundern, Ballack hinauszukomplimentieren.

Allerdings hätte auch Löw früher für klare Verhältnisse sorgen können. In der Öffentlichkeit hat er stets herumlaviert. Löw ist zu diplomatisch, spricht meist umständlich, um sich später auf nichts festnageln lassen zu können. Auch hätte er Ballack persönlich schon viel früher und deutlicher mitteilen müssen, dass seine Hoffnungen auf ein Comeback vergebens sind. Doch er hat die Zeit für sich spielen lassen. Und der Plan ging auf. So ist er fein raus. Denn mittlerweile ist es kein Königsmord mehr an Ballack, sondern kann als Chance für die Jugend verkauft werden.

Die direkt Beteiligten fühlen sich dennoch betrogen. Löw, weil er sich seiner Meinung nach beim Gespräch im März dieses Jahres mit Ballack klar genug ausgedrückt haben will. Und Ballack, der ein mögliches Comeback herausgehört haben will. Jeder hat seine eigene Wahrheit entwickelt. Wie es tatsächlich war, wird nicht mehr geklärt werden können.

Daher täten sowohl Löw als auch Ballack gut daran, das Thema nun endgültig ruhen zu lassen.