Ballack und Klinsmann: Symbolische Verbrüderung - DER SPIEGEL
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Ballack und Klinsmann Symbolische Verbrüderung

Nach dem Führungstreffer gegen Costa Rica fielen sie sich in die Arme: Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Michael Ballack. Der Sieg im WM-Eröffnungsspiel hat eine Eskalation des Konfliktes der beiden verhindert, er ist damit aber nicht beendet.
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Dreißig Meter lagen zwischen den beiden, und die Annäherung dauerte länger als eine halbe Stunde. Als sich die deutsche Mannschaft vor dem Eröffnungsspiel gegen Costa Rica auf dem Münchner Rasen aufwärmte, schaute Michael Ballack von draußen zu und winkte von der Höhe der Mittellinie ins Publikum. Jürgen Klinsmann unterhielt sich mit Co-Trainer Joachim Löw. Beim Anpfiff saßen Trainer und Kapitän nur noch 15 Meter voneinander entfernt auf der Bank, nach Philipp Lahms Tor zum 1:0 waren sie sich endlich ganz nah - und umarmten sich.

Zigmal wurde dieses Bild später im Fernsehen wiederholt, aus verschiedenen Winkeln und sogar in Zeitlupe. Das macht man immer so mit Szenen, die von besonderer Bedeutung sind. Im Fall von Ballack und Klinsmann muss man sogar von besonderer Wichtigkeit sprechen, schließlich hatten die zwei sich ausgerechnet kurz vor der WM einen Machtkampf geliefert, in dem der eine (Ballack) via "Bild" trotz Verletzung seinen Einsatz forderte und der andere (Klinsmann) dies überhaupt nicht einsah und seine Vorzeigefigur deshalb auf die Bank beorderte. Die öffentliche Umarmung könnte nun bedeuten: Seht her, unser Gefecht ist beendet.

Dabei hat die mediale Verbrüderung der beiden nicht mehr als einen Symbolwert, denn sonderlich herzlich wirkte die Annäherung zwischen Bundestrainer und Kapitän nicht, eher professionell. Was wiederum ganz gut passt in diese Diskussion, die mit Symboliken geführt wurde. Ausgerechnet über die "Bild"-Zeitung hatte Ballack kommuniziert, dass er "fit" sei und gegen Costa Rica spielen wolle - das ist ungefähr so, als würde man einem Nichtraucher eine Botschaft auf einer Zigarettenschachtel präsentieren. Klinsmanns Boulevard-Antipathie ist hinreichend bekannt.

Ballack nur "I" auf dem Spielberichtsbogen

Die Forderung muss dem Bundestrainer auch deshalb als Affront erschienen sein, weil Ballack seit Tagen nicht voll mit der Mannschaft trainiert hatte und trotzdem seinen Einsatz reklamierte. Zuvor hatte der Coach klargestellt, dass niemand auflaufe, der 48 Stunden vor dem Spiel keine Übungseinheit absolviert hat.

Klinsmanns Machtwort war dann als "I" auf dem Spielberichtsbogen sichtbar: auf die "Injured List", also die offizielle Verletztenliste der Fifa, hatte er Ballack setzen lassen und nicht auf die Ersatzbank. So konnten auch keine Fragen aufkommen, warum der Kapitän nicht eingewechselt worden sei. Die offizielle Version: Das sei "in Absprache mit der medizinischen Abteilung erfolgt. Mannschaftsarzt Müller-Wohlfarth konnte nach einer weiteren Kernspin-Tomographie nicht ausschließen, dass etwas passieren könnte", erklärte Klinsmann nach dem Spiel. Und dieses Risiko werde man "nie eingehen". Eine "normale Entscheidung" sei das gewesen, "und es ist auch kein Problem für uns, wenn ein Spieler sagt, dass er spielen will. Aber die Entscheidung wird immer beim Trainer liegen", stellte Klinsmann klar. Das hallte noch ein bisschen nach.

Das letzte Wort ist aber wohl noch nicht gesprochen. Denn schon in der Mixed Zone machte Ballack da weiter, wo er nach dem Japan-Test (2:2) angefangen hatte. "Das ist das übliche Ergebnis, über das wir wieder viel diskutieren können. Gegen andere Mannschaften schießen wir nicht immer vier Tore." Das ist eine Erneuerung seiner Kritik an der offensiven deutschen Spielweise und damit auch am Klinsmannschen System. Der 29-Jährige wiederholte auch, dass er habe spielen wollen, "ich war beschwerdefrei". Die Entscheidung des Trainers müsse er aber akzeptieren, "auch wenn wir verschiedener Meinung waren". Und warum haben Sie ihre Aufstellung über die "Bild" gefordert? "Wenn mich ein Journalist anruft, dann gebe ich ihm eine Antwort."

Es schwelt weiter unter der Oberfläche, denn Ballack wird noch öfter angerufen werden. Teammanager Oliver Bierhoff erklärte schon mal vorsorglich, das DFB-Team fliege "nicht auseinander, wenn Ballack fehlt". Gegen Costa Rica wurde auch ohne den Kapitän ein wichtiger Sieg eingefahren, gleichzeitig aber eine Eskalation des Konfliktes verhindert. Beide haben ihr Gesicht gewahrt, Klinsmann freut sich nun "auf Michaels Einsatz gegen Polen". Dort kann Ballack zeigen, dass es mit ihm auf dem Platz noch besser läuft. Nur der Weg zu einer Umarmung mit Klinsmann wäre dann etwas weiter.

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