Ballacks Probleme: Altstar im Karrieretief - DER SPIEGEL
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Ballack und Bayer: Auf der Suche nach der Top-Form

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Ballacks Probleme Altstar im Karrieretief

Er steht für Leverkusen auf dem Platz, doch das Spiel läuft an ihm vorbei. Michael Ballack ist weit von seiner Top-Form entfernt; das machte die 3:6-Heimpleite gegen Gladbach deutlich. Nur eine schnelle Leistungssteigerung des 33-Jährigen hilft dem Team - und wahrt seine Chancen in der Nationalelf.
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Eigentlich wollte Rudi Völler Michael Ballack mit seinem kleinen Scherz nach dem spektakulären 6:3 (3:1) von Borussia Mönchengladbach in Leverkusen schützen. "Es sah so aus, als seien heute einige nach einer dreimonatigen Verletzung zurückgekommen, nicht nur Michael Ballack", sagte der Sportdirektor des Werksclubs, nachdem Ballack kaum Konstruktives zu diesem verrückten Fußballspiel beigetragen hatte.

Was die kritischen Beobachter jedoch hörten, war: Ballack hat erneut gespielt wie ein unfitter Fußballer ohne Spielpraxis. Dabei trainiert der 33-Jährige seit mehreren Wochen mit der Mannschaft, nach einem Freundschaftskick vor zwei Wochen absolvierte er sein drittes Pflichtspiel. Ballacks Formsuche gestaltet sich komplizierter, als viele erwartet haben.

Immerhin ist nach diesem Wochenende endgültig klar, dass Ballack in dieser Verfassung kein Nationalspieler ist - und erst Recht nicht Kapitän der DFB-Elf. Insofern liegt Bundestrainer Joachim Löw völlig richtig mit seiner Entscheidung, in den anstehenden Länderspielen auf den verdienten Spieler zu verzichten.

Ballack verlor gegen Mönchengladbach Zweikämpfe, die man auf dieser zentralen Position nicht verlieren darf, er spielte erschreckende Fehlpässe. Die Präsenz, die autoritäre Dominanz, die er in seiner besten Zeit ausstrahlte, ist sowieso verschwunden.

Weit weg von Siegermentalität und Erfolgshunger

Die Mönchengladbacher seien "aggressiver gewesen, sie sind mehr gelaufen und sie waren besser organisiert", sagte Leverkusens Kapitän Sami Hyypiä. Diese Kritik trifft die gesamte Mannschaft, besonders jedoch trifft sie Ballack. Denn die Leverkusener haben ihn ja gerade geholt, damit er das junge Team an Tagen wie diesen in die Spur zurückführt. Er wolle seinen Mitspielern "diese Siegermentalität, diesen Erfolgshunger" vermitteln, "um den letzten Schritt zu machen, wenn es eng wird", hat Ballack vor der Saison gesagt. Derzeit ist er selbst weit davon entfernt, so etwas wie Siegermentalität zu verkörpern.

Nach 63 Minuten erlöste Trainer Jupp Heynckes den traurigen Mittelfeldspieler und wechselte den erheblich agileren Lars Bender ein. "Genau die richtige Entscheidung" sei das gewesen, sagte Heynckes nach dem Spiel und appellierte erneut an die Geduld der Kritiker: "Michael braucht Spielpraxis und Fitness." Ballack selbst ging den Journalisten aus dem Weg und verschwand durch einen Hinterausgang. Er befindet sich in der schwersten Phase seiner Karriere.

Manchmal kann er einem richtig Leid tun, denn er sieht sich derzeit nicht nur mit seiner Formsuche, sondern auch mit einer schwer verständlichen Missgunst konfrontiert. Schon eine Woche zuvor in Dortmund kommentierte das Publikum jede seiner Aktionen mit Pfiffen, die Gladbacher in der Arena setzten dieses Ritual nun fort - es ist ein seltsamer Umgang mit einem verdienten Nationalspieler. Hier zeigt sich eine perfide Freude am Untergang.

Ballacks Trainingsfleiß kann sein Pech nicht ausgleichen

Denn eigentlich kann man Ballack nur wenig vorwerfen, er hat einfach eine unglaubliche Pechsträhne. Für seine Verletzung kann er nichts. Dass der FC Chelsea kein Interesse mehr an ihm hatte, ist auch nicht seine Schuld. Und dass er seine hervorgehobene Stellung in der Nationalmannschaft nicht widerstandslos hergibt, ist eigentlich selbstverständlich.

Die Leverkusener loben Ballacks Trainingsfleiß, er müht sich also. Doch irgendwie schlägt Ballack eine Welle der Antipathie entgegen. Dabei sollte die Fußballnation sich doch eigentlich wünschen, dass Ballack wieder als der wunderbare Fußballer zurückkehrt, der er einmal gewesen ist.

Der Capitano ist nun schwer unter Druck, er muss möglichst schnell wieder eine einigermaßen passable Form finden. Mit Leistungen wie gegen Gladbach nährt er Spekulationen, dass er seinen Zenit endgültig überschritten habe. Die Verantwortlichen des FC Chelsea hatten sicher ihre Gründe, als sie sich gegen eine Weiterbeschäftigung Ballacks entschieden.

In der Konzernspitze der Bayer AG, dort wo das Geld für den gebürtigen Görlitzer locker gemacht wurde, werden angeblich immer noch Begriffe wie "Weltklasse" und "torgefährlichster Mittelfeldspieler der Welt" geschmettert. Von solchen Sphären ist der Michael Ballack des Jahres 2010 aber mindestens so weit entfernt wie Bayer Leverkusen vom Deutschen Meistertitel.