Barnetta-Interview "Eiskalt den Rücken runter gelaufen"
Frage: Herr Barnetta, wenn man sich so umschaut, wirken Ihre französischen Gegenspieler ziemlich deprimiert. Wäre für Sie nicht mehr drin gewesen als ein Punkt? Schließlich war Frankreich nach einer Stunde ziemlich K.o.
Barnetta: Das mag schon sein, aber erstens hätten die auch noch treffen können, wir wären also nicht gut beraten gewesen, noch weiter aufzumachen. Und dann haben natürlich auch wir diese Bullenhitze gemerkt.
Frage: War es ein Vorteil, dass Sie Frankreich von der Qualifikation her kannten?
Barnetta: Das ist schon ein kleiner Vorteil, zumal die Franzosen so vielleicht etwas mehr Respekt vor uns hatten, als wenn sie lange nicht gegen uns gespielt hätten.
Frage: Ist man mit einem Punkt zufrieden oder ärgert es Sie, dass Südkorea nun Tabellenerster ist?
Barnetta: Nein, nicht nach nur einem Spiel. Wir wissen auch ohne die Tabelle, dass es verdammt schwer wird und wir punkten müssen.
Frage: Ein Punkt gegen Frankreich ist ja schon mal ein Anfang. Dennoch: Woran müssen Sie noch arbeiten?
Barnetta: Auf diesem Niveau kriegt man eben keine zehn, sondern manchmal nur zwei hundertprozentige Chancen. Die hatten wir. Und davon muss eben eine rein.
Frage: Sie hatten hier in Stuttgart sowohl in der Stadt als auch beim Spiel ein klares Heimspiel. Es dürften drei bis viermal mehr Schweizer als Franzosen im Stadion gewesen sein.
Barnetta: Beim Warmmachen ist es mir wirklich eiskalt den Rücken herunter gelaufen. Fantastisch, dass so viele Fans uns so laut unterstützt haben.
Frage: Im Schweizer Liga-Alltag sind die Zuschauerzahlen ja nach wie vor eher ernüchternd. Woher kommt diese Begeisterung für die Nationalelf?
Barnetta: Wir haben durch die zuletzt guten Resultate schon eine Art Boom ausgelöst. Auch bei der Vorbereitung in der Schweiz war die Hölle los. Insofern haben wir schon insgeheim gehofft, dass wir auch bei der WM so spektakulär unterstützt werden.
Frage: Dortmund, wo Sie Ihr nächstes Gruppenspiel gegen Togo austragen, ist aber weiter von der Schweiz entfernt als Stuttgart.
Barnetta: Das schon, aber ich bin mal gespannt, wie viele Fans aus Togo da sind. Das ist ja auch nicht um die Ecke.
Frage: Ihr nächster Gegner macht vor allem durch Querelen auf sich aufmerksam.
Barnetta: Das macht es nicht leichter für uns. Die Spieler können jetzt befreit aufspielen, von denen erwartet keiner etwas. Das Tohuwabohu ist von daher fast perfekt für die Togolesen. Man hat ja auch gegen Südkorea gesehen, dass die sehr gute Spieler haben. Wir dürfen die auf keinen Fall ins Spiel kommen lassen.
Frage: Man hat den Eindruck, dass Ihnen und Ihren Mannschaftskollegen die WM bislang richtig Spaß macht.
Barnetta: Ja, klar, wir sind eine junge Truppe. Und einfach irre froh, dass wir hier sein dürfen. Jetzt müssen wir gegen Togo einfach den nächsten Schritt machen und dann schauen, wie weit wir kommen.
Die Fragen stellte Christoph Ruf