Bayer - BVB 3-1: "Eine Sauerei" - DER SPIEGEL
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Bayer - BVB 3-1 "Eine Sauerei"

Nach der fünften Bundesliga-Niederlage in Folge kochten die Emotionen bei Borussia Dortmund hoch. Das 1:3 gegen den lange Zeit nicht besonders überzeugend wirkenden Tabellenführer aus Leverkusen, so die Ansicht der Schwarz-Gelben, habe der Schiedsrichter mitzuverantworten.
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Leverkusen - Eine fatale Fehlentscheidung von Schiedsrichter Hartmut Strampe hat Borussia Dortmund noch tiefer in den Abstiegssumpf gestoßen und möglicherweise die deutsche Fußball-Meisterschaft 2000 zugunsten von Bayer Leverkusen beeinflusst. Der Fifa-Unparteiische aus Handorf übersah in der 87. Minute ein klares Handspiel von Ulf Kirsten im Bayer-Strafraum, das der krisengeschüttelte Weltpokalsieger von 1997 zum 2:2 hätte nutzen können. Am Ende eines dramatischen und hitzigen Bundesligaspiels stand aber ein 1:3 (1:1) des BVB bei Bayer.

Nach Fortsetzung der "schwarzen Serie" von zehn Punktspielen ohne Sieg seit dem Amtsantritt von Trainer Bernd Krauss, fünf Pleiten in Folge und Angst um die nackte Existenz war für die Schwarz-Gelben der Buhmann schnell gefunden: Schiri Strampe.

"Das was hier passiert ist, spottet jeder Beschreibung. Hier sind Entscheidungen getroffen worden, die nicht hinnehmbar sind. Ich denke, dass der DFB das wissen muss. Man muss das Recht haben zu sagen, dass wir im Kampf um den Klassenerhalt benachteiligt werden", wetterte Dortmunds Manager Michael Meier, ansonsten ein besonnener Vertreter seiner Zunft.

"Wir werden andauernd verarscht. Das ist ein Unding", schimpfte Torhüter Jens Lehmann. Tätlichkeiten von Paulo Rink gegen Giuseppe Reina und Michael Ballack gegen Lars Ricken wurden vom überforderten Unparteiischen nicht geahndet, ebenso nicht jenes absichtliche Handspiel von Kirsten mit einer Gelb-Roten Karte, denn der Torjäger war schon zuvor verwarnt worden. Dazu Kirsten: "Es war ein klares Handspiel, Glück gehabt."

Derweil war Ex-Nationalpieler Jürgen Kohler kaum zu bändigen: "Das ist eine Riesen-Sauerei, wir sind wieder einmal verpfiffen worden. Aber bei uns nehmen sie das alles hin und der Verein tut nichts dagegen. Wenn ich sehe, dass bei den Bayern Giovane Elber für eine Tätlichkeit mit einem und Jens Lehmann für ein Foul drei Spiele gesperrt wird, das kann nicht sein."

Die Dortmunder in der ausverkauften BayArena vor 22.500 Zuschauern betrogen. Präsident Dr. Gerd Niebaum versuchte die Verlierer aufzubauen: "Wir waren der moralische Sieger. Wir haben 90 Minuten gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind. Wenn wir diesen Geist in die nächsten Spiele rüberretten, dann ist mir nicht bange. Aber wenn das Pech anhält, dann glaube fast, dass unterirdische Dinge gegen uns sind."

Trost und Mut sprach DFB-Teamchef Erich Ribbeck dem gebeutelten Dortmundern zu: `Die Borussia steigt nicht ab. Dafür steckt zuviel Potenzial in der Mannschaft. Sie hat großartig gekämpft, enormen Widerstand gezeigt, auch nach Gelb-Rot für Stefan Reuter."

Der BVB-Kapitän wurde in der 53. Minute von Strampe, der sein 121. Bundesligaspiel pfiff und schlechtester Mann auf dem Platz war, vorzeitig in die Kabine geschickt. Reuter: "Der Platzverweis war nicht berechtigt." Der Abwehrchef fehlt nun am kommenden Dienstag im `Abstiegsendspiel" gegen die SpVgg Unterhaching. Ein "Dreierpack" gegen den Neuling ist Pflicht, sonst droht der zweite Sturz in die zweite Liga nach 1972.

Dabei erwischten die Schwarz-Gelben beim Tabellenführer einen Start nach Maß. "Billy" Reina (2.) gelang mit seinem fünften Saisontor die Führung. Jens Lehmann (11.) parierte in der Wiederholung einen Foulelfmeter von Ballack. Rink (41.) glich für die nervös agierenden Schützlinge von Trainer Christoph Daum aus.

Erst in der Schlußphase erzwang Bayer die Entscheidung. Zum Matchwinner avancierte Rink. Er köpfte in der 84. Minute das 2:1, bevor Thomas Brdaric (90.) einen kapitalen Fehler von Lehmann zum Sieg für Leverkusen im Duell der besten gegen die schwächste Rückrundenelf nutzte.