Bayer - Lautern Galaauftritt von Ballack
Leverkusen - Formal unterscheiden Bayer und Bayern momentan ein Buchstabe und ein Punkt in der Tabelle der Fußball-Bundesliga. Doch die aktuell minimale Differenz verstellt der Leverkusener Chefetage nicht den Blick für das Leistungsvermögen der Münchner. "Was sollen wir uns an den Bayern orientieren. Die spielen in einer anderen Liga", fand Bayer-Trainer Klaus Toppmöller trotz des 2:1 (1:1)-Erfolges im Bundesliga-Hit gegen den 1. FC Kaiserslautern über den Rivalen im Gegensatz zu früher milde Worte. Auch Leverkusens Manager Reiner Calmund will sich von den zwölf Meisterschafts-Partien ohne Niederlage nicht blenden lassen und macht eine Rechnung auf, die die Qualität der Isar-Truppe nur unterstreicht: "Nach neun Siegen und drei Unentschieden stehen wir nicht an erster Stelle. Das geht eigentlich nicht."
Ballack zweifacher Torschütze
Dass die Leverkusener allerdings auf einem Niveau spielen, an das
die anderen 15 Bundesliga-Mannschaften nur schwerlich heranreichen,
erlebten auch die Lauterer - immerhin bis zum 9. Spieltag
Tabellenführer. Zum fünften Mal in dieser Saison konnte die
selbstbewusste Werkself einen 0:1-Rückstand durch Jeff Strasser (18.
Minute) in einen Sieg umwandeln. Dabei hatte der Bayer-Erfolg vor
allem einen Namen: Michael Ballack. Ausgerechnet gegen seinen Ex-
Club erzielte der 25-jährige Mittelfeld-Star sowohl den Ausgleich
(35.) als auch den Siegtreffer durch einen umstrittenen Foulelfmeter
(50.).
Der auf der Tribüne sitzende DFB-Teamchef Rudi Völler konnte eine
Woche vor dem WM-Relegationsspiel in der Ukraine angesichts der
Galaform des Nationalspielers frohlocken: "Er hat mit seinen bisher
sieben Treffern in der Bundesliga Torjäger-Qualität bewiesen. Das
ist eine klare Sprache." Deutliche Worte fand auch Toppmöller, der
einst für die Pfälzer als Aktiver 108 Tore in 204 Bundesliga-
Begegnungen schoss, für den unlängst hart gescholtenen Ballack. "Er
ist ein Aushängeschild für den deutschen Fußball und wird noch ein
absoluter Führungsspieler werden", prophezeite er. Dazu dürfe man
ihn jedoch nicht immer wieder verdammen: "Michael ist auch nur ein
Mensch."
Harry Koch vorbildlich
Dies gilt auch für Schiedsrichter und insbesondere für Florian
Meyer. Über seinen Elfmeterpfiff für den kleinen Schubser von Harry
Koch ("Der Elfmeter geht in Ordnung") an Leverkusens Ulf Kirsten
wurde trefflich gestritten. "Wenn ein Textilvergehen begangen wird,
ist es ein Vergehen", stellte Toppmöller klar. Kollege Andreas
Brehme hatte dagegen Zweifel. "Wie es im Fernsehen aussah, war es
kein Foul. Doch das bringt uns auch nicht weiter." Dafür hofft er,
dass ihn die gute Leistung seiner durch fünf Verletzte arg
dezimierten Mannschaft voranbringt. "Darauf lässt sich aufbauen",
urteilte Brehme, der in nächster Zeit auch noch auf Kapitän Thomas
Hengen verzichten muss. Er wird am Montag am Meniskus operiert.
Bayer geht nach dem Erreichen der Zwischenrunde der Champions
League und Rang zwei im Titelrennen zufrieden in die zweiwöchige
Bundesliga-Pause. "Die Ausbeute war optimal. Über die Zukunft möchte
ich aber nicht spekulieren", so Toppmöller, der es sich aber
dennoch nicht ganz verkneifen kann: "Wenn die Bayern mal stolpern
sollten, dann hoffe ich, dass wir Flagge zeigen und da sind."
Momentan gefällt dem Bayer-Team aber die Rolle des Verfolgers gut.
"Für uns ist es lockerer", sagte Mittelfeld-Ass Bernd Schneider. "Es
ist doch egal, wann wir oben stehen." Optimismus ist in Leverkusen vorhanden.
Bayer 04 Leverkusen - 1. FC Kaiserslautern 2:1 (1:1)
0:1 Strasser (18.)
1:1 Ballack (35.)
2:1 Ballack (50./Foulelfmeter)
Bayer 04 Leverkusen: Butt - Schneider, Zivkovic, Nowotny,
Placente - Ballack, Ramelow, Bastürk, Ze Roberto (85. Vranjes)-
Kirsten (71. Sebescen), Neuville (90. Brdaric)
1. FC Kaiserslautern: G. Koch - H. Koch, Hengen, Strasser
- Basler, Ramzy (84. Adzic), Klos, Riedl, Grammozis (87. Buck) -
Lokvenc, Klose
Schiedsrichter: Meyer (Braunschweig)
Zuschauer: 22.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Neuville, Ramelow / Ramzy, Strasser, Koch