Bayer Leverkusen: "Das war der Durchbruch" - DER SPIEGEL
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Bayer Leverkusen "Das war der Durchbruch"

Nach dem Triumph gegen den FC Barcelona in der Champions League will man in Leverkusen ein neues Zeitalter einläuten. Der Garant für den Erfolg ist die Harmonie im Team.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Leverkusen - In einer magischen Europacup-Nacht hat Bayer Leverkusen endlich Fuß in der Champions League gefasst: "Das war ein historisches Match, ein Durchbruch für den kompletten Verein. Dass wir nach einem Rückstand gewonnen haben, zeigt die Siegermentalität, die Kraft und Stärke der Mannschaft", lobte Trainer Klaus Toppmöller seine Mannschaft nach dem 2:1 (0:1) gegen die Übermächtigen des FC Barcelona überschwänglich.

In der ersten Halbzeit war die Werks-Elf von den Katalanen nach allen Regeln der Kunst vorgeführt worden, war durch das Abseitstor von Luis Enrique (22.) 0:1 in Rückstand geraten und schien spätestens nach dem verschossenen Foulelfmeter von Torwart Jörg Butt (29.) endgültig auf der Verliererstraße. Doch nach dem Wechsel legte Bayer alle Scheu vor dem großen Namen ab.

Calmund völlig aus dem Häuschen


"Das ist einer meiner schönsten Tage, seit ich bei Bayer bin", gestand der seit mehr als einem Vierteljahrhundert für den Werksklub tätige Manager Reiner Calmund überglücklich ein. Auch "Barca"-Coach Carlos Rexach erkannte neidlos an: "Leverkusen hat in der zweiten Halbzeit mit mehr Herz gespielt."

Bayer-Kapitän Jens Nowotny meinte: "Nach der Pause habe ich mich gefragt, ob die auf einmal so schlecht sind, oder ob wir so gut sind. Jedenfalls dachten die wohl, die können uns einfach wegspielen." Auch im zwölften Pflichtspiel in Folge blieb der Uefa-Cup-Sieger von 1988 ungeschlagen. "Bei uns wächst etwas heran. Wir sind auf dem Weg, uns die Souveränität, die Bayern München auszeichnet, zu erarbeiten", bilanzierte Bernd Schneider.

"Ein hartes Stück Arbeit"


Es war imponierend, wie sich Bayer ins Spiel zurückkämpfte, nachdem die Spieler in Halbzeit eins noch in Ehrfurcht zu erstarren schienen und wie "Autogrammsammler" gegen den 16-maligen spanischen Meister agierten. Als Tabellenführer der Gruppe F gehen die Rheinländer (sechs Punkte) in die restlichen vier Spiele der ersten Gruppenphase. Im Nachholspiel am 10. Oktober gegen Fenerbahce Istanbul können die Weichen weiter in Richtung Zwischenrunde gestellt werden. "Zwei Siege nach zwei Spielen hat uns keiner zugetraut", resümierte Toppmöller, "aber uns steht noch ein hartes Stück Arbeit bevor, denn Lyon ist nach dem Sieg in Istanbul weiter mit dabei."

Wie schon am Samstag in Dortmund bewies der Bayer-Trainer erneut ein glückliches Händchen mit seiner Einwechslung. Beim BVB war es Dimitar Berbatow, der das 1:1 markierte, diesmal der mit Beginn der zweiten Hälfte gekommene Yildiray Bastürk (52.), der mit seinem ersten Champions-League-Tor für den Ausgleich und den Umschwung sorgte. "Ihn habe ich wegen einer leichten Erkältung rausgelassen", begründete Toppmöller. Der Lieblingsschüler des Bayer-Coach war indes nicht sonderlich erbaut über seine Reservistenrolle: "Ich habe mich ganz gut gefühlt, aber der Trainer hat entschieden. Ich habe das zu akzeptieren. Gott sei Dank ist alles gut gelaufen."

Nur Butt war traurig


Während Bastürk die Wende einleitete, war Butt trotz des Triumphes über "Barca" etwas verstimmt über seinen Fehlschuss. "Beim Elfmeter habe ich den Ball nicht richtig getroffen, aber so etwas muss man während des Spiels abhaken. Es kam kein Vorwurf von der Mannschaft, und genau das zeichnet uns in diesem Jahr so aus. Wenn einer mal nicht so richtig da ist, springen die anderen ein", analysierte der Keeper das neue Wir-Gefühl unterm Bayer-Kreuz.