Bayer Leverkusen Last Exit Glasgow
Glasgow - "Wir werden alles Menschenmögliche versuchen, um die Sensation zu schaffen", verspricht Bayer-Chefcoach Klaus Toppmöller vor dem Champions-League-Finale am Mittwoch (20.45 Uhr) in Glasgow gegen Real Madrid.
"Es ist die Chance, vieles wieder gutzumachen", sagt Nationalspieler Bernd Schneider. Torwart Hans-Jörg Butt sieht es ähnlich: "Ein Erfolg würde alle zum Schweigen bringen, die jetzt wieder von der Loser-Mentalität sprechen." Trainer Toppmöller baut aber für den nicht unwahrscheinlichen Fall vor, dass sein Team am Schluss einer grandiosen Saison nur Gewinner der zweiten Plätze wird. "Dann geht die Welt nicht unter. Die Mannschaft hat drei Endspiele erreicht und Großartiges geleistet", meint der 50-Jährige.
"Daran ziehen wir uns hoch"
Um aus dem bisherigen Titel-Trauma noch einen Traum zu machen, muss der deutsche Vize-Meister gegen das spanische Starensemble mit Zinedine Zidane, Luis Figo oder Raul Titanenarbeit leisten. Zumal die Werkself mit Zé Roberto (Gelb-Sperre) und Abwehrchef Jens Nowotny (Kreuzbandriss) zwei ihrer besten Vorarbeiter zu ersetzen hat. "Wir sind keine Traumtänzer und wissen, gegen wen wir spielen", sagt Bayer-Manager Reiner Calmund. "Doch ich erwarte, dass die Mannschaft noch einmal kratzt und beißt, wenn 800 Millionen Zuschauer am Fernsehen zusehen." Die Chance auf die Erfüllung eines "wunderschönen Traums" liegt laut Calmund aber nur bei fünf bis zehn Prozent.
Schließlich erteilten die Champions-League-Gewinner von 1998 und 2000 der Bayer-Elf vergangene Saison in der Champions League (3:2 und 5:3) zwei Lektionen. Allerdings zeigte sich Real ausgerechnet im Jahr seines 100. Bestehens verwundbar, verlor den spanischen Pokal gegen Deportivo La Coruna und landete in der Meisterschaft nur auf Platz drei. "Madrid ist die beste Mannschaft der Welt. In entscheidenden Spielen hat sie jedoch Nerven gezeigt, daran ziehen wir uns hoch", sagt Bayer-Mittelfeldstar Michael Ballack, den Real gern verpflichtet hätte. "In einer Partie ist alles möglich", glaubt der künftige Münchner vor seinem letzten Spiel für Bayer.
Madrid: 330.000 Euro Siegprämie pro Kopf
Außerdem setzt Leverkusen darauf, dass die stolzen Spanier die Profis aus dem Rheinland trotz der in dieser Spielzeit errungenen Meriten - Erfolge über La Coruna, FC Barcelona, Juventus Turin, FC Liverpool und Manchester United - unterschätzen. "Vielleicht erwischen wir sie als krasser Außenseiter auf dem falschen Fuß", hofft Toppmöller. Kollege Vicente del Bosque ist jedoch gewarnt: "Toppmöller schiebt uns die Favoritenrolle zu. Wir lassen uns aber nicht einschläfern und wissen, dass es in Glasgow viel zu tun gibt." Zusätzlicher Anreiz für die Real-Stars ist die 330.000-Euro-Prämie pro Kopf.
Toppmöller, der nach dem Pokal-Knockout gegen Schalke 04 vor allem als Psychologe gefragt war, will mit einer Vorwärtsstrategie zum Erfolg kommen. "Real hat auch viele Spiele gemacht und ist angeschlagen. Wir werden uns nicht verstecken", sagt Toppmöller, der für Zé Roberto wohl Thomas Brdaric im linken Mittelfeld aufbieten wird. Der flinke Oliver Neuville, der bereits im Halbfinale gegen ManU die entscheidenden Tore schoss, wird als einzige Spitze aufgeboten. Der im DFB-Pokalfinale gesperrte Boris Zivkovic übernimmt die Nowotny-Rolle, und Zoltan Sebescen dürfte auf der rechten Defensiv-Position aufgeboten werden.