Bayer Leverkusen Missmut über die eigenen Fehler
Leverkusen - "Wir haben uns absolut dumm angestellt. So können wir gegen keine Mannschaft gewinnen", fluchte Kapitän Carsten Ramelow nach der 1:2-Heimpleite im ersten Zwischenrundenspiel der Champions League am Mittwochabend gegen den FC Barcelona. Auch Trainer Klaus Toppmöller war angesichts kapitaler Schnitzer in den Reihen seines Teams in Rage: "Ich bin wahnsinnig enttäuscht, weil alles perfekt vorbereitet war." Er sei zum Spiel Barcelona gegen Real geflogen, habe 10.000 Videos geschaut - "und dann diese blöden Fehler".
Sündenbock war diesmal Diego Placente. Erst vertändelte er den Ball und machte für seinen argentinischen Landsmann Javier Saviola (48. Minute) den Weg zum 1:1 frei, danach verursachte er einen Foulelfmeter, den Bayer-Keeper Jörg Butt gegen Juan Roman Riquelme (60.) aber parierte. "So etwas passiert einem Placente ein Mal in zehn Jahren. Doch die individuellen Fehler ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison", ärgerte sich Toppmöller. Zudem musste er 120 Sekunden vor Schluss noch mit ansehen, wie Marc Overmars das 2:1 markierte. Vier Tage zuvor hatte Bayer in Bielefeld (2:2) ebenfalls einen Sieg in den letzten sechs Minuten verspielt.
Zweifel an Franca
Trotz des 1:0 durch Dimitar Berbatow (39.) erwies sich die Offensiv-Abteilung gegen die überraschend defensiven Spanier wieder als große Enttäuschung. "Wir machen in der Spitze zu wenig", kritisierte Ex-Torjäger Toppmöller und fordert von Sportdirektor Reiner Calmund eine schlagkräftige Verstärkung. Offen ließ der Bayer-Coach, ob der mit Bayer in Verbindung gebrachte Nationalstürmer Miroslav Klose sein idealer Mann wäre. "Jeder Spieler ist willkommen. Hauptsache, er agiert vorne aggressiver." Zugleich hat Toppmöller erstmals öffentlich Zweifel angemeldet, ob der 8,5-Millionen-Euro teure Brasilianer Franca vielleicht doch ein Flop ist. "Bisher hat er noch nicht angedeutet, dass er unser Mann ist", sagte Toppmöller.
Doch Calmund will von Träumereien über neue Offensivkräfte nichts hören. "Es ist kein Geld da, um jemanden zu kaufen", erklärte er am Donnerstag, "im besten Falle können wir einen Stürmer ausleihen. Doch eine Granate werden wir nicht bekommen." Bayer habe kein Stürmerproblem, "sondern die Stürmer haben ein Problem". Zudem ergänzte Calmund: "Ich sehe nicht ein, die Stürmer, die uns noch vor einem halben Jahr in den Fußball-Himmel geschossen haben, jetzt auf die Müllkippe zu verfrachten und auszusortieren. Das kommt nicht in Frage."
Die Diskrepanz zwischen dem Bayer-Team, das in der letzten Saison ins Champions-League-Finale einzog, und der trostlosen Truppe dieser Tage hat für Toppmöller andere Ursachen: "Vielleicht haben wir im vergangenen Jahr über unsere Verhältnisse gespielt." Jedem seiner Spieler fehlten "10 bis 15 Prozent". Außerdem sei es deprimierend, immer wieder vom Verletzungspech eingeholt zu werden. Neuste Krankenmeldung: Verteidiger Zoltan Sebescen fällt für sechs bis acht Wochen aus, da er erneut am Knie operiert werden muss.
"Der Weg nach unten ist kürzer als nach oben"
Auch Kapitän Ramelow stellt inzwischen einen Realitätsverlust rund um die BayArena fest. Statt immer wieder nach Ausreden zu suchen und alles "schön zu reden", sollte man den Tatsachen ins Auge schauen. "Wir stehen mit leeren Händen da", sagte er mit Blick auf Platz elf in der Bundesliga. "Der Weg nach unten ist kürzer, als der Sprung nach oben." Dies könnte sich schon am Samstag gegen den Hamburger SV bewahrheiten.
Teamkollege Bernd Schneider wollte von diesem Pessimismus nichts wissen: "Es ist frustrierend, aber im letzten Jahr haben wir auch das erste Zwischenrundenspiel 0:4 gegen Juventus Turin verloren und sind noch mit zwölf Punkten Gruppenerster geworden." Dass Inter Mailand auswärts Newcastle United 4:1 vom Platz fegte, lässt jedoch wenig Spielraum für Träumerei. Zumal Barcelonas Trainer Louis van Gaal nach dem neunten Champions-League-Erfolg nacheinander und dem ersten Sieg der Katalanen seit 16 Jahren auf deutschem Boden (1986/87 2:0 in Uerdingen) ein klares Ziel hat. "Ob wir sieben, acht oder neun Mal gewinnen, ist nicht das Wichtigste. Wir wollen in das Endspiel."