Bayer Leverkusen: "Uns hält keiner mehr auf" - DER SPIEGEL
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Bayer Leverkusen "Uns hält keiner mehr auf"

Nach dem Sieg über Frankfurt am vorletzten Bundesliga-Spieltag gibt sich der Trainer des Tabellenführers aus Leverkusen selbstbewusst. Christoph Daum kann sich nicht vorstellen, dass Bayern München ihm und seiner Mannschaft den Titel noch streitig macht.
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Leverkusen - Am Samstagnachmittag, als Bayer Leverkusen, das heimstärkste Team der Saison auch Eintracht Frankfurt mit 4:1 (1:1) abgefertigt hatte, wurde Trainer Christoph Daum giftig. "Dass es jetzt heißt, wir müssen verlieren und dabei vorausgesetzt wird, dass der FC Bayern gewinnt, ist typisch für die Diskussion. Aber wir sind auf Sieg programmiert, da hält uns keiner mehr auf. Wir werden nächste Woche mit Bayer Leverkusen die deutsche Meisterschaft einfahren, basta", sagte Daum dem TV-Sender Sat 1.

"Ich hoffe, dass Werder Bremen am nächsten Samstag gegen die Bayern Pokalrevanche nimmt", sagte Daum. Seine Mannschaft werde beim Saison-Finale im Unterhaching den letzten notwendigen Punkt zur Meisterschaft holen und die Meisterschale aus München abtransportieren. Dass beim Vorsprung von drei Punkten auf den Titelverteidiger nun eine Woche hoher Druck auf seinen Spielern laste, ließ den 46-Jährigen den Kopf schütteln. "Da lach' ich mich doch kaputt, wer uns das einreden will. Das ist doch Kinderkram." Seine Mannschaft habe am 33. Spieltag gegen Frankfurt, das kurz vor der Halbzeit die Führung von Oliver Neuville (10.) durch Torsten Kracht egalisierte, schon die notwendige Nervenstärke gezeigt. Denn beim Gang in die Pause hatten die Akteure erfahren, dass die Münchner in Bielefeld schon mit 3:0 führten.

"Da hat meine Mannschaft Stärke gezeigt und den klaren Sieg herausgespielt. Alle denken, wir bekommen Nervenflattern, aber: Pusteblume", sagte Daum, dessen Team vor 22.500 Zuschauern in der ausverkauften BayArena Treffer von Ulf Kirsten (56.), Paulo Rink (73.) und Stefan Beinlich (Foulelfmeter/80.) gegen die nun wieder akut abstiegsbedrohte Eintracht folgen ließ. "Wir bleiben auf dem Teppich, wir wissen, worauf es ankommt", meinte Daum und sandte eine Botschaft an die Bayern-Fans und die Skeptiker unter den Medienvertretern: "Ihr könnt euch auf uns verlassen."

Aus Unterhaching kamen jedoch schon die ersten Versicherungen, dass der große Nachbar mit starker Unterstützung rechnen darf. "Wir möchten das Zünglein an der Waage sein und den FC Bayern zum Meister machen", sagte "Wiggerl" Kögl. "Weißwurst-Doping" seitens des Rekordmeisters in Form kleiner Präsente für eine Riesenparty seien nicht notwendig zur Motivation. Aber die Freundschaft zwischen dem FC Bayern und den Hachingern tat der Leverkusener Selbstsicherheit keinen Abbruch. "Wir fahren nach Unterhaching und holen drei Punkte", versprach Kapitän Jens Nowotny. "Da ein Unentschieden reicht, wären wir logischerweise auch damit sehr zufrieden", dachte Michael Ballack über die Möglichkeit einer Defensivtaktik nach.

Manager Reiner Calmund war es, der abweichend zu Daum offen einräumte, dass Bayer 04 auf den letzten Metern zum großen Ziel durchaus von erhöhter Nervosität gepackt ist. Diese trat kurzfristig zu Tage, als die Frankfurter den Ausgleich erzielt hatten. "Die Spieler sind doch keine Roboter. Ich habe schon zu Rudi Völler gesagt, wir sind doch alle nervöser als sonst", erklärte Calmund. Und Sportdirektor Völler gab ebenso zu, dass die Anspannung immens ist. "Der Rudi, der sonst ganz cool ist, hat zu mir gesagt, er hätte das selbst vor dem WM-Finale nicht erlebt."

Die Planung einer Meisterfeier bleibt trotz der guten Chancen ein absolutes Tabu. Der Aberglaube ist größer als organisatorische Weitsicht. Eine Woche muss man den zu erwartenden Sticheleien des FC Bayern Stand halten und dann noch 90 Minuten überstehen. Calmund weiß, was auf sein Personal zukommt: "Vergesst nicht, die Unterhachinger werden heilig gesprochen, wenn sie gegen uns gewinnen."