Bayer-Trainer Dutt: Der Herr der Fettnäpfchen - DER SPIEGEL
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Bayer-Coach Dutt: Macher in Freiburg, Ärger in Leverkusen

Foto: Patrick Seeger/ dpa

Bayer-Trainer Dutt Der Herr der Fettnäpfchen

Das Team ist außer Form, der Trainer völlig verunsichert - Neuzugang Robin Dutt hat es sich mit Teilen des Leverkusen-Kaders verscherzt. Bayers Alt-Profis scheinen einen Coach nicht ernst zu nehmen, der ihnen ihre Süßigkeiten verbieten will und sich in verwirrenden Ansagen verheddert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In dieser Saison gibt es viele Bilder, die ein inniges Verhältnis zwischen Spielern und Trainern demonstrieren. Stale Solbakken jubelte zuletzt ausgelassen mit Lukas Podolski, Jürgen Klopp umarmte den langzeitverletzten Lucas Barrios, bevor er ihn das erste Mal wieder einwechselte. Sogar der sonst eher unnahbare Felix Magath tätschelte Bjarne Thoelke aufmunternd den Hintern, als dieser im Alter von 19 Jahren am vergangenen Samstag erstmals vor einem Einsatz in der Bundesliga stand.

Vielleicht sehen auch die Profis von Bayer Leverkusen diese Bilder. Für sie müssen es fremde Bilder sein.

Denn seit dem 1. Juli, dem Tag als Robin Dutt in Leverkusen seine Arbeit begann, gibt es augenscheinlich zunehmend Probleme zwischen Spielern und Trainer. Die Führungsspieler Michael Ballack, Simon Rolfes, Stefan Kießling, Gonzalo Castro oder Renato Augusto kritisierten den Trainer in den vergangenen Monaten - mal leiser, mal lauter - in der Öffentlichkeit. Dutt wehrte sich, wirkte dabei zuweilen äußerst dünnhäutig und entpuppte sich als Fan des beherzten Fettnäpfchen-Tritts.

"Es gibt Dinge, da wird nicht diskutiert"

Auf einer Pressekonferenz sagte er bezogen auf die Personalie Ballack: "Wer für einen Champions-League-Club wie Bayer Leverkusen spielt, für den ist es eine Ehre, auf der Bank sitzen zu dürfen." Kurz darauf vermeldete Dutt, Ballack und Rolfes würden niemals in einer Mannschaft spielen - nur um beide wenige Wochen später doch gemeinsam auflaufen zu lassen.

Dabei ist Dutt eigentlich ein Perfektionsfanatiker, ein Regel-Freak, ein Freund der Konsequenz. "Es gibt Dinge, da wird nicht diskutiert, sondern eben autoritär entschieden. Bei den Bereichen Disziplin, Pünktlichkeit, Respekt müssen sich alle an meine Regeln halten", sagte der 46-Jährige SPIEGEL ONLINE vor dem Saisonstart.

Man kann nur erahnen, wie es ihn nervt, wenn Spieler wie Castro wegen Meckerns Rote Karten erhalten oder Nationalspieler wie Rolfes nach ihren Einwechslungen zuweilen lethargisch über das Spielfeld laufen. "Die Mannschaft, die einzelnen Spieler und ich versuchen, ein natürliches Vertrauensverhältnis zueinander aufzubauen. Meistens gelingt das gut", sagte Dutt SPIEGEL ONLINE.

Doch augenscheinlich nicht mit der aktuellen Bayer-Mannschaft. Dutt braucht ein Team, das er gestalten, führen und formen kann. In Leverkusen findet er aber einen Kader vor, den Sportmanager Rudi Völler als "nicht immer einfach" bezeichnet.

Gerangel um Freiheiten

Viele Spieler im Team sind ehemalige Nationalspieler, haben aber mittlerweile den Anschluss an die DFB-Auswahl verpasst. Kießling, Castro, Ballack, Manuel Friedrich, René Adler oder Hanno Ballitsch sind im Team Wortführer, die aber ihre früheren Topleistungen nicht mehr bringen. Sie wirken wie eine altbackene Riege, die Dutt das Leben nicht immer einfach macht.

Wenn der Trainer beispielsweise zum wiederholten Male Spielzüge üben lässt, verdrehen viele Spieler immer häufiger die Augen.

Wenn der Coach Süßspeisen vom Ernährungsplan streicht, wird eigens dafür eine Mannschaftssitzung einberufen, um den Trainer von diesem Vorhaben abzubringen. Und anschließend landen alle internen Details brühwarm beim Boulevard.

Die Spieler, die unter Ex-Coach Jupp Heynckes sehr viele Freiheiten genossen, wollen sich diese offenbar nicht mehr nehmen lassen.

Dutt, der bisher die Beschaulichkeit beim SC Freiburg gewohnt war, scheint diesen Problemen derzeit nicht mehr Herr zu werden. Stattdessen versucht er, viele kleine Brände auszutreten - und verliert an Souveränität und Lockerheit. Das hat er mit seiner Mannschaft inzwischen gemeinsam, die nicht nur beim glücklichen 2:2 am vergangenen Spieltag gegen Gladbach verkrampft wirkte.

"Ich bin nicht auf die große Schlagzeile aus, sondern versuche nachhaltig zu arbeiten", sagte Dutt SPIEGEL ONLINE. Doch ob ihm das tatsächlich erlaubt sein wird, ist unklar. Völler beteuert zwar, er habe "keine Zweifel am Trainer" und hält die Kritik an Dutts oft aufgesetzt wirkendem Führungsstil für "völlig übertrieben und den reinsten Quatsch". Doch auch der Sportdirektor wird die beiden kommenden Spiele mit Argusaugen betrachten. Mit zwei Siegen über den heutigen Champions-League-Gegner FC Valencia (20.45 Uhr) und am Sonntag gegen den FC Schalke (15.30 Uhr, jeweils Liveticker SPIEGEL ONLINE) würde beim derzeitigen Tabellenachten etwas Ruhe einkehren.

Nach zwei Niederlagen würde sich Dutt hingegen mehr denn je der Kritik stellen müssen.